"Am Tiefpunkt angekommen" - Reaktionen zum Eklat in Sinsheim

1899 Hoffenheim und Bayern München brechen das Spiel ab

Hoffenheim gegen Bayern kurz vor Abbruch

"Am Tiefpunkt angekommen" - Reaktionen zum Eklat in Sinsheim

Schmähplakte gegen Dietmar Hopp, Unterbrechungen und Beinahe-Abbruch: Das Bundesliga-Spiel der Bayern in Hoffenheim bietet viel Gesprächsstoff. DFL-Boss Christian Seifert lobt die Spieler. Trainer und Verantwortliche werden deutlich. DFB-Präsident Keller spricht von einem "Tiefpunkt".

13 Minuten lang schoben sich die Spieler der TSG Hoffenheim und des FC Bayern München am Samstagnachmittag (29.02.2020) den Ball zu und plauderten miteinander. Es waren kuriose Szenen am Ende eines Skandalspiels.

Weil im Gästeblock ein verunglimpfendes Transparent gezeigt wurde, mit dem erneut Hoffenheims Boss Dietmar Hopp angefeindet wurde, unterbrach Schiedsrichter Christian Dingert die Partie zwei Mal. Eine dritte Unterbrechung hätte den Abbruch bedeutet.

Die Liga solidarisiert sich mit Dietmar Hopp

Sportschau 29.02.2020 02:38 Min. Verfügbar bis 28.02.2021 ARD Von ARD-Reporter Jens Wolters

Rummenigge: "Idee kam von den Spielern"

Nachdem viele Fans das Stadion in der fast zehnminütigen Pause bereits verlassen hatten, kehrten die Spieler zurück - allerdings ohne Fußball zu spielen. Dingert stand daneben, als sich die Akteure den Ball zuschoben, nach 90 Minuten pfiff er pünktlich ab. "Ich schäme mich zutiefst für diese Chaoten und habe mich bei Dietmar Hopp auch entschuldigt", sagte Rummenigge.

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Der Bayern-Boss kündigte das schärfste Vorgehen gegen die Verursacher des Skandals an: "Wir haben alles mitgefilmt und werden die Leute zur Rechenschaft ziehen." Rummenigge glaubt, dass das Spiel in Sinsheim eine Zäsur bedeutet: "Die ganze Bundesliga, die DFL und der DFB müssen zusammenstehen und gegen diese Chaoten vorgehen. Das war das hässliche Gesicht von Bayern München. Dafür gibt es keine Entschuldigung."

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Seifert lobt Vorgehen in der Schlussphase

DFL-Chef Christian Seifert ergänzte in einer ersten Stellungnahme: "Alle Beteiligten - Spieler, Schiedsrichterteam und die Verantwortlichen von Bayern München und der TSG Hoffenheim sowie sehr, sehr viele Stadionbesucher - haben in dieser Situation vorbildlich gehandelt und damit ein klares Signal an einige selbsternannte Herrscher über die Fußball-Kultur gesetzt, derartige Entgleisungen nicht mehr zu dulden."

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Am Spielfeldrand hatten Rummenigge und Hopp gemeinsam die letzten ereignisarmen 13 Minuten, die vom Applaus der Hoffenheimer Fans begleitet wurden, verfolgt. Auch die Spieler und Offiziellen beider Klubs stimmten in den Schlussminuten in den Klatsch-Protest gegen die Hetzer ein.

DFB-Präsident Keller: "Am Tiefpunkt angekommen"

DFB-Präsident Fritz Keller verurteilte die Schmähtransparente ebenfalls. "Wir sind am Tiefpunkt angekommen. Wir haben Hassbilder und Neid in unserer Gesellschaft und jetzt auch im Fußball. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen. Jetzt muss durchgegriffen werden. So geht es nicht mehr weiter", sagte Keller am Abend im "Aktuellen Sportstudio" im ZDF. "Ich möchte den beiden Mannschaften, den Schiedsrichtern und beiden Vereinen einfach gratulieren, wie sie gehandelt haben."

Münchner Fanszene: "Keine Alternative"

Die Fanszene des FC Bayern erklärte sich später in einem online veröffentlichten Schreiben für die Vorfälle. In dem auf "suedkurve-muenchen.org" veröffentlichten Text heißt es unter anderem: "Man muss den Wortlaut nicht gutheißen, aber es gab für uns hierzu keine Alternative, da nur so das Thema die nötige Aufmerksamkeit erhält."

Die Fans kritisierten auch die zweimalige Unterbrechung. "Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd." 

Fall dürfte vor dem DFB-Sportgericht landen

Die Spieler beider Teams ließen sich am Ende von den Hoffenheimer Anhängern feiern, der Bayern-Block wurde links liegen gelassen. Rummenigge und Hopp bedankten sich nach dem Abpfiff demonstrativ beim Schiedsrichtergespann dafür, dass ein kompletter Abbruch der Partie vermieden werden konnte. Von den Rängen gab es "Dietmar-Hopp"-Sprechchöre.

Die Sportgerichtsbarkeit des DFB wird sich gewiss mit den Vorfällen von Sinsheim beschäftigen. Anfang der kommenden Woche wird der DFB-Kontrollausschuss ein Ermittlungsverfahren einleiten.

Vorfall in Mönchengladbach in der Vorwoche

Erst am vergangenen Wochenende hatte es in Mönchengladbach ebenfalls Hetz-Plakate gegen Hopp gegeben. Auch dort hatte es vonseiten der Gastgeber klare Intervention und deutliche Worte - Gladbachs Manager Eberl sprach von "50 Hornochsen" - gegeben.

Das Spiel konnte von Schiedsrichter Felix Brych fortgesetzt werden, nachdem die Transparente abgehängt worden waren. In Sinsheim gab es ebenfalls eine klare Haltung seitens der Bayern-Offiziellen gegen die eigenen Anhänger. Trainer Hansi Flick, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und auch die Spieler schimpften lautstark mit denen eigenen Fans

sid/dpa/red | Stand: 29.02.2020, 19:00

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