Die verwundbare Defensive des FC Bayern

Manuel Neuer schaut auf den Ball im Tor

Nach der Niederlage in Mönchengladbach

Die verwundbare Defensive des FC Bayern

Von Jens Mickler

Wieder drei Tore kassiert - in Mönchengladbach hat sich einmal mehr das Defensivproblem des FC Bayern gezeigt. Das lässt sich an Zahlen und Personen festmachen.

Mit einem guten Angriff gewinnt man Spiele, mit einer guten Abwehr Meisterschaften. Zieht man den alten Fußballspruch zurate, dürfte es in dieser Saison ein viel engeres Rennen als sonst üblich um den Titel geben - und der Champion könnte diesmal nicht FC Bayern München heißen.

So viele Gegentreffer wie Arminia Bielefeld

Den Ausgang der Meisterschaft allein an der Deckungsleistung festzumachen, wäre zu einfach. Die Momentaufnahme aus Bayern-Sicht ist allerdings erschreckend. Das Siegtor zum 3:2 des Mönchengladbachers Florian Neuhaus am Freitag (08.01.2021) war bereits der 24. Gegentreffer des Rekordmeisters in dieser Bundesligasaison - genauso viele hat auch Arminia Bielefeld bekommen.

24 Gegentore nach 15 Spielen in der Bundesliga - so viele gab es noch nie in den 2000er Jahren für die Bayern. In der Saison 2014/15 waren es nach 15 Spielen gerade mal drei. Einen triftigen Grund für die Vielzahl der Gegentore wusste auch Mittelfeldmann Leon Goretzka nicht: "Es ist ja nicht so schwer zu erklären. Wir verlieren zweimal den Ball, wo wir ihn nicht verlieren dürfen, und reagieren darauf nicht richtig. Und dann steht es halt ruckzuck 2:2", knurrte Goretzka.

Flick verzichtet auf Korrekturen

Schon vor dem Anpfiff war die meistdiskutierte Personalie eine die Abwehr betreffende. Bayern-Trainer Hansi Flick vertraute erneut Benjamin Pavard rechts in der Viererkette. In der Woche zuvor hatte er genauso entschieden, mit dem Ergebnis, dass die Bayern zur Pause 0:2 gegen Mainz in Rückstand gerieten. Flick korrigierte, nahm Pavard heraus und beorderte Joshua Kimmich auf die Pavard-Position. Das Resultat: 5:2 für die Bayern.

In Mönchengladbach verzichtete Flick auf diesen Move - diesmal war es nicht spielentscheidend. Das Problem lag vielmehr in der zentralen Defensive, wo die Abstimmung zwischen David Alaba und Niklas Süle nicht funktionierte.

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Pässe scharf ins Herz der Bayern-Abwehr

Immer wieder wählten die Mönchengladbacher den Weg durch die Mitte, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen. Lars Stindl, Jonas Hofmann, Florian Neuhaus und Co. hatten die Schwachstelle beim Gegner ausgemacht.

Mit den scharfen Pässen in die Tiefe hatten Süle und Alaba ihre liebe Mühe, auch weil diesmal zu wenig Unterstützung von Vorderleuten wie Kimmich und Goretzka kam.

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Neuer mit mäßiger Paradenquote

Und der allerletzte Mann? Manuel Neuer unterlief in Mönchengladbach zwar kein Fehler, bei den Gegentoren war er chancenlos, helfen konnte er seiner Mannschaft diesmal aber auch nicht. Der Nationaltorwart spielt eine solide Saison, immer wieder rechtfertigt er seinen Status als einer der weltbesten Torhüter mit sensationellen Paraden.

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Die Zahlen dieser Spielzeit sprechen allerdings auch nicht für ihn. Seine Paradenquote steht bei 61,9 Prozent - damit liegt er weit hinter Kollegen wie Peter Gulasci (RB Leipzig, 72,7 Prozent), Rafael Gikiewicz (FC Augsburg, 72,1 Prozent), Koen Casteels (VfL Wolfsburg, 70,2 Prozent).

Grübelgefahr in München

So wie es derzeit aussieht, werden die Bayern in der Wintertransferperiode personell nicht nachlegen. "Selbstverständlich machen wir nichts", sagte der FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor dem Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach. Sein Team sei sehr gut besetzt, man habe viele Optionen und sei sehr gut gerüstet.

Sollte es allerdings weiterhin so laufen wie in Mönchengladbach und anfangs gegen Mainz, dürften die Bayern-Verantwortlichen spätestens im Sommer gehörig ins Grübeln kommen.

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Fußball · Bundesliga · 15. Spieltag 2020/2021

Freitag, 08.01.2021 | 20.30 Uhr

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Sommer – Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini (89. Jantschke) – Zakaria (74. P. Herrmann), C. Kramer, Neuhaus – Embolo, Stindl (82. Wolf), Hofmann (89. Wendt)

3
Wappen Bayern München

Bayern München

Neuer – Pavard, Süle, Alaba, Davies – Kimmich, Goretzka – L. Sané, Müller, Douglas Costa (68. Coman) – Lewandowski

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Lewandowski (20./Handelfmeter)
  • 0:2 Goretzka (26.)
  • 1:2 Hofmann (36.)
  • 2:2 Hofmann (45.)
  • 3:2 Neuhaus (49.)

Strafen:

  • gelbe Karte Ginter (2 )
  • gelbe Karte Süle (1 )

Schiedsrichter:

  • Harm Osmers (Hannover)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Handelfmeter (FC Bayern) nach Videobeweis (20.). Tor von Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach) gegeben nach Videobeweis (45).

Stand der Statistik: Freitag, 08.01.2021, 22:26 Uhr

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Wappen Bayern München

Bayern München

Tore 3 2
Schüsse aufs Tor 4 3
Ecken 3 8
Abseits 3 4
gewonnene Zweikämpfe 92 111
verlorene Zweikämpfe 111 92
gewonnene Zweikämpfe 45,32 % 54,68 %
Fouls 7 10
Ballkontakte 523 885
Ballbesitz 37,14 % 62,86 %
Laufdistanz 123,13 km 116,77 km
Sprints 184 228
Fehlpässe 65 84
Passquote 80,06 % 87,81 %
Flanken 2 16
Alter im Durchschnitt 27,8 Jahre 27,4 Jahre

Stand: 09.01.2021, 09:34

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RangTeamSP
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2.RB Leipzig1735
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6.VfL Wolfsburg1729
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14.Hertha BSC1717
15.Arm. Bielefeld1717
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