Montagsspiele - Vereint im Protest

Protest gegen Montagsspiele

Fußball-Bundesliga

Montagsspiele - Vereint im Protest

Von Christian Steigels

Am Abend trifft Eintracht Frankfurt im ersten regulären Montagsspiel der Geschichte auf RB Leipzig. Die aktiven Fanszenen der Bundesliga sind vereint in ihrer Ablehnung der ungewohnten Anstoßzeit. Neben praktischen Gründen geht es vor allem um eine Grundsatzfrage.

Jugo Jugovic wählt drastische Worte: "Die Einführung der Montagsspiele bedeutet für den deutschen Fußball den Anfang vom Untergang der aktiven Fanszene", sagt der 40-Jährige. Der Frankfurter ist Mitglied eines der ältesten Fanklubs von Eintracht Frankfurt und Sprecher der Frankfurter Fanvertretung "Nordwestkurve". "Wir haben das hingenommen in der 2. Liga. Da sind wir selbst nach Dresden gefahren. Aber das Fass ist übergelaufen, irgendwann ist es einfach zu viel", sagt er.

Der Moment, an dem für Jugovic und seine Kollegen von der "Nordwestkurve" das Fass endgültig übergelaufen ist, ist am Montagabend um 20.30 Uhr erreicht: Die Partie Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig ist das erste von fünf regulären Montagspielen in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga. Vier weitere werden folgen, zwei von ihnen sind bereits angesetzt: Am 26. Februar empfängt Borussia Dortmund den FC Augsburg, am 12. März trifft Werder Bremen auf den 1. FC Köln.

Mehr als 300 Dortmunder Fanklubs sind beim Protest dabei

Die aktiven Fanszenen in der Bundesliga sind vereint in der Ablehnung der ungewohnten Anstoßzeit. In Frankfurt ruft die "Nordwestkurve" auf Initiative der Ultras Frankfurt dazu auf, zwar ins Stadion zu gehen, die üblichen Fahnen, Banner und Zaunfahnen aber zu Hause zu lassen und auf die klassische Unterstützung der Mannschaft zu verzichten. Was stattdessen passiert, darüber wollen sie sich noch nicht in die Karten schauen lassen. Der Protest werde in mehreren Stufen ablaufen und friedlich sein, verspricht Jugovic. Medial wird derweil bereits über einen möglichen Innenraumsturm und einen provozierten Spielabbruch spekuliert.

Auch die Ultragruppe Rasenballisten aus Leipzig fordert Fans auf, nicht nach Frankfurt zu fahren. Ähnlich wie in Frankfurt verhält sich die Lage in Dortmund, wo das einflussreiche Bündnis "Südtribüne Dortmund" zum Boykott aufruft. Über 300 Fanklubs des BVB schlossen sich dem Aufruf mittlerweile an und wollen ihre Karten verfallen lassen. Auch der Augsburger Fanzusammenschluss "Szene Fuggerstadt" ist mit im Boot, und in Bremen hat die einflussreiche Ultragruppe "Caillera" angekündigt, dem Spiel gegen Köln fernzubleiben.

Grundsatzkonflikt im deutschen Fußball

Die Gründe für den Boykott sind zum einen praktische: "Wenn sie montags auswärts spielen, dann brauchen sie Montag und Dienstag Urlaub", erklärt Jugovic. Für Schüler sei die Fahrt zum Beispiel von Augsburg nach Dortmund deshalb schlichtweg unmöglich.

Dortmundfans bei Protest über Montagsspiele

BVB-Fans protestieren im Stadion

Doch es geht um mehr. Vor allem steht die Zerstückelung der Spieltage - neben den Montagsspielen gibt es fünf Sonntagsspiele um 13 Uhr - für einen Grundsatzkonflikt im deutschen Fußball. "Es geht um die Frage: Welche Bedeutung haben eigentlich noch die Fans im Stadion", erklärt Fanforscher Jonas Gabler: "Ist das noch ein Fußballereignis oder nur ein kommerzialisiertes Unterhaltungsevent, das international verkauft werden muss."

Vereinsvorstände äußern Verständnis für Fans

Die Fanszene mahnt den Ausverkauf des Fußballs und eine zunehmende Marginalisierung an. "Eine haarsträubende Gleichgültigkeit gegenüber dem gesellschaftlichen Stellenwert des Fußballs und den Fans, die den Sport erst zu dem machen, was er ist", nennt die "Südtribüne Dortmund" die Partien. "Die Einführung von Montagsspielen auch in Liga 1 ist ein weiterer großer Schritt hin zum Ausverkauf des Fußballs und der negative Höhepunkt der sukzessiven Spieltagszerstückelung in den vergangenen Jahren, die ausschließlich vom Profitstreben der Vereine, Verbände und TV-Sender vorangetrieben wird", heißt es weiter.

Angesichts der angekündigten Proteste bemühen sich die Vereinsvertreter um Verständnis: "Wir müssen akzeptieren, dass unsere Fan-Szene - und zwar nicht nur Ultras, sondern die gesamte organisierte Fan-Szene - gegen diesen Montag ist", sagte Frankfurts Vorstandschef Axel Hellmann dem HR. Und fügte hinzu: "Ich tendiere dazu, auf den Sonntag zurückzugehen." Auch BVB-Chef Hans-Joachim Watzke zeigt Verständnis: Man solle nicht alles unter kommerziellen Gesichtspunkten tun, was möglich ist, mahnte er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an.

DFL verspricht keine Ausweitung der Montagsspiele

Die Solidarisierung entbehrt nicht einer gewissen Scheinheiligkeit. Haben sich doch die Profi-Abteilungen der Vereine im Juni 2016 bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) einstimmig auf die Montagsspiele geeinigt. Verständnis sei ja gut, so Jugovic, aber die Vereinsvertreter müssten sich dann auch dafür einsetzen.

Auch von Seiten der DFL reagiert man auf die angekündigten Proteste. Derzeit gebe es keine Pläne, die Anzahl der Montagsspiele auszuweiten. Generell gehe es bei den ungeliebten Terminen nicht um kommerzielle Beweggründe, sondern um eine Entlastung der Europacup-Starter, heißt es von DFL-Seite. Also doch keine geöffnete Büchse der Pandora, die eine weitere Aufsplitterung der Spieltage nach sich zieht? In der aktiven Fanszene will man sich nicht darauf verlassen: "Wir werden die DFL an ihren Taten messen, nicht an ihren Versprechungen", gibt Jugovic zu Protokoll.

Frankfurter Fanvertreter Jugovic will echte Unterstützung vom Verein

Sportschau | 15.02.2018 | 00:23 Min.

Boykott trotz großer sportlicher Bedeutung

Stuttgartfans bei Protest über Montagsspiele 1

Stuttgarter Fans gehen gegen Montagspiele auf die Straße

Wie ernst es den Fans mit ihrem Anliegen, zeigt sich daran, dass für fast alle Beteiligten sportlich viel auf dem Spiel steht. In Frankfurt und Dortmund geht es ums internationale Geschäft, in Bremen um den Klassenerhalt. Das sei aber bei den Treffen der Fangruppen nicht Thema gewesen, versichert Jugovic: "Alle sind der Meinung: Wir müssen etwas tun."

Diese Konsequenz hat schon Tradition: Auch als 2016 ein einmaliges Montagspiel anberaumt wurde, boykottierten sowohl Bremer als auch Stuttgarter die Partie, obschon es für beide im Abstiegskampf um die Existenz ging. Die Gäste verloren und stiegen am Ende der Saison ab.

Nachdenken, vielleicht sogar Umdenken

Ob die neuerlichen Proteste zielführend sind? "Wir wissen natürlich um die bestehenden Verhältnisse und die kapitalistische Logik des Profifußballs" geben sich ausgerechnet die Rasenballisten aus Leipzig - für viele die vereinsgewordene Kommerzialisierung - in ihrem Aufruf eher resigniert.

Jugovic gibt die Hoffnung nicht auf: "Unser Wunsch wäre, dass es diese Spiele nicht mehr gibt. Aber wir wollen zumindest zum Nachdenken, vielleicht sogar zum Umdenken bewegen." Geisterstimmung bei den Partien in Frankfurt, Dortmund und Bremen könnte da durchaus ein taugliches Argument sein.

Frankfurter Fanvertreter Jugovic - "Wir wollen zum Umdenken bewegen"

Sportschau | 15.02.2018 | 00:21 Min.

Stand: 15.02.2018, 13:00

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