Eberl: "Ich bin nicht Miraculix, mehr Asterix oder Idefix"

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl

Gladbach-Sportdirektor im Interview

Eberl: "Ich bin nicht Miraculix, mehr Asterix oder Idefix"

Von Ulli Schäfer

Borussia Mönchengladbach startet im Pokal gegen den Viertligisten FC Oberneuland in die neue Saison. Im Exklusiv-Interview spricht Sportdirektor Max Eberl über Titelträume und die Fan-Rückkehr in die Stadien.

Der Niederbayer Max Eberl ist schon eine halbe Ewigkeit am Niederrhein. Seit 2008 ist er Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach und längst hat er sich einen großen Namen gemacht – mit fleißiger Arbeit und guten (Transfer-)Entscheidungen. Unter Eberl (46) schaffte die Borussia den Sprung aus dem Niemandsland der Bundesliga in die Spitzengruppe und in die Champions League.

Im Exklusiv-Interview mit der Sportschau spricht er über die Rückkehr von Fans in die Stadien, über seine Träume von der Meisterschaft und dem DFB-Pokalsieg und er verrät, warum Gladbach ein "gallisches Dorf" ist, er aber nicht Miraculix.

Sportschau: Max Eberl - am Wochenende beginnt für Gladbach die neue Saison mit der 1. Runde im DFB-Pokal gegen den FC Oberneuland. Das ist "nur" ein Viertligist, aber kein Grund, den Gegner zu unterschätzen, oder?

Max Eberl: Auf gar keinen Fall! Wir haben alle schon sehr viel im Pokal erlebt. Ich möchte nicht der Pokaldepp sein, das möchten aber unsere Jungs auch nicht, das möchte Marco (Rose, Anm. der Red.) auch nicht, dementsprechend werden wir sehr gut vorbereitet, hochmotiviert in die Pokalrunde gehen und wollen natürlich als Favorit auch eine Runde weiterkommen.

Der Borussia-Park wird fast leer sein, nur 300 Zuschauer sind erlaubt. In Sachsen und Berlin zum Beispiel dürfen Stand heute deutlich mehr Zuschauer ins Stadion. Ist das Wettbewerbsverzerrung?

Eberl: Wir sehen es als Pilotprojekt und wir hoffen natürlich, dass alles gut geht, damit es eben auch in den anderen Bundesländern irgendwann erlaubt wird, mehr Zuschauer reinzulassen, weil eben alle Vereine sehr gute Konzepte haben, sie aber nicht umsetzen können aufgrund der Verordnung. Sollte es aber so sein, dass - ich nehme mal das Beispiel - zehn Monate lang ein Verein keine Zuschauer und der andere doch 8.000 zulassen darf, dann ist es doch eine andere Situation und dann muss man sich schon darüber ärgern. Aber wie gesagt: wir sind positiv. Wir haben bis jetzt alles sehr, sehr gut gemeistert und ich glaube, dass diese Pilotprojekte funktionieren werden. Wir drücken alle die Daumen, dass es eben auch anderen erlaubt wird, Zuschauer zuzulassen.

Bis Ende Oktober soll eine Arbeitsgruppe verbindliche Regeln für die Rückkehr von Fans in die Stadien ausarbeiten. Wie wichtig ist es, dass es einheitliche, bundesweit geltende Regeln sind?

Eberl: Wir haben ein föderalistisches System in Deutschland, das ist nun mal so. Und ich glaube, politisch haben wir alle sehr viel dazugelernt in diesen Zeiten. Was heißt denn Föderalismus tatsächlich? Das heißt eben, dass jeder Ministerpräsident seine eigenen Entscheidungen treffen kann und natürlich wollen wir es möglichst gleich haben, aber es gab auch schon früher Ungleichheiten. Es gab Stadien mit 80.000 und es gab Stadien mit 30.000 Zuschauern, da spricht man auch nicht von Gleichheit. Bei Gleichheit geht es darum, dass wir es schaffen, Zuschauer in die Stadien zurückzubekommen, um diesen Wettbewerb, diesen alten Charme, diese alte Freude, diese alte Emotion zurückzubringen im Rahmen der Möglichkeiten – und es ist trotzdem eine Vorfreude auf den Fußball da.

Borussia Mönchengladbach hat keinen Mäzen, keinen strategischen Partner und auch den Stadionnamen nicht verkauft. Trotzdem hat sich der Klub in der Spitzengruppe der Liga etabliert, spielt in der Champions League. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Eberl: Es liegt einfach an einem sehr guten Team, das hier arbeitet. Die Relegationsrettung 2011 war eine Art Initialzündung. Sie hat sehr, sehr viel bewirkt, hat sehr klar aufzeigen können, was kann dieser Klub eigentlich und welchen Weg wollen wir gehen. Den Weg haben wir 2011 beschrieben und ich glaube, dass wir nachhaltig sowohl finanziell als auch sportlich gezeigt haben, dass wir das, was wir uns vorgestellt haben, erreicht haben. Ich stehe jetzt nicht hier, um mich selbst zu loben, aber ich glaube, dass wir einen sehr guten Job gemacht haben auf allen Ebenen und dass alle Beteiligten die Bodenhaftung nie verloren haben. Auch mit einer einmaligen Teilnahme am Europapokal wurde nicht angefangen zu träumen und zu fliegen, sondern man hat weiter gearbeitet.

Max Eberl: "Ich bin eher Asterix oder Idefix" Sportschau 09.09.2020 03:19 Min. Verfügbar bis 09.09.2021 Das Erste

"Gladbach ist das gallische Dorf", haben Sie zuletzt mal gesagt. Sind sie der Miraculix?

Eberl: Ich denke, ich bin eher Asterix oder Idefix. Ich bin eher der Untergrundkämpfer, ich bin nicht der, der den Zaubertrank erfunden hat. Wir sind ein großartiger Klub aus den Siebzigern mit den Fohlen. In den Achtzigern haben wir tolle Erfolge mit den Europapokalteilnahmen gehabt, hatten den letzten Pokalerfolg 1996. (stockt) 1995? 1995! Und dann hatten wir eben eine Zeit, wo wir in der 2. Liga waren und quasi ständig im Niemandsland der Bundesliga. Wir haben uns jetzt seit 2011 dahin entwickelt, dass wir uns eine Rolle in der Bundesliga erarbeitet haben, wo wir ständig um Europa spielen, auch ständig um Europa gehandelt werden und das mit den Möglichkeiten, die eben anders sind als bei den großen Vereinen. Und deshalb habe ich gesagt: Gladbach ist für mich wie das gallische Dorf gegenüber Bayern, Dortmund, Leipzig, Wolfsburg und Leverkusen. Da sind wir eben die, die immer versuchen, gegen die Großen anzustinken, sie zu ärgern, ihnen gefährlich zu werden. Aber wir sind nicht mehr das gallische Dorf gegenüber Mainz und Augsburg – mit allem Respekt vor meinen Kollegen und den Vereinen – aber da haben wir uns in den letzten Jahren einfach sportlich anders entwickelt.

Sie sind ein Mann mit Visionen, genau wie ihr Trainer Marco Rose – und Sie haben Träume! Mal ehrlich: Sehen Sie sich gemeinsam mit einer Schale in der Hand? Oder anders gefragt: Was ist möglich in der kommenden Saison?

Eberl: Also in Träumen bin ich schon zehnfacher deutscher Meister, ich glaube, ich habe auch den Pokal schon dreimal hochgehalten. Champions League habe ich noch nicht geträumt, soweit war ich noch nicht, aber natürlich habe ich Träume, natürlich treibt mich das an und natürlich möchte ich den größtmöglichen Erfolg haben. Und das ist eben das, was ich gerade gesagt habe, Pokal in die Höhe stemmen. Wir haben eine gute Ausgangslage jetzt. Wir haben einen Trainer, der großartig zu Borussia Mönchengladbach passt, der einen großartigen Job letzte Saison gemacht hat. Er hat es schnell geschafft, seine Idee an die Spieler zu bringen. Wir haben jetzt keinen Spieler verloren, alle Leistungsträger behalten. Und dann wollen wir eben mit einer Mannschaft, die zusammen ist, mit dem Trainer, der schon ein Jahr da war, versuchen, Schritte nach vorne zu gehen. Deswegen arbeiten wir. Ob es dann wie gesagt zu Pokalen reicht, ob die Realität auch so ist wie meine Träume, das weiß ich noch nicht, aber trotzdem werde ich abends weiter so ins Bett gehen und wenn ich so träume, dann träume ich so.

Stand: 10.09.2020, 07:00

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