Marco Rose und Sandro Schwarz: Beste Freunde im direkten Trainerduell

Marco Rose (l.) und Sandro Schwarz

1. FSV Mainz 05 gegen Borussia Mönchengladbach

Marco Rose und Sandro Schwarz: Beste Freunde im direkten Trainerduell

Von Michael Ostermann

Sie haben zusammen in einer WG gelebt und fahren regelmäßig gemeinsam in Urlaub. Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose und der Mainzer Coach Sandro Schwarz sind beste Freunde. Am 2. Spieltag der Bundesliga treffen sie erstmals im direkten Duell aufeinander, und die Freundschaft muss ruhen.

"Wenn ich denke, dass er denkt, dann denkt er, dass ich denke, dass er denkt. Und dann bist du im Karussell und am Ende denkst du falsch." Marco Rose ist Fußball-Trainer, aber er hätte nach diesem Satz zu urteilen durchaus auch das Zeug zum Philosophen. Der Chefcoach von Borussia Mönchengladbach trifft am 2. Spieltag der Bundesliga mit seiner Mannschaft auf den 1. FSV Mainz 05 - was ihn zu dieser komplexen Aussage über das Denken bewogen hat. Denn der Trainer des Gegners, Sandro Schwarz, ist gleichzeitig sein bester Freund. Die beiden kennen also die Denkweise des jeweils anderen, weshalb sie nun beide ins Grübeln kommen über die taktischen Absichten des Gegenübers.

Wohngemeinsschaft, Urlaub, Patenschaft

Rose und Schwarz sind seit 17 Jahren befreundet. Sie haben damals in Mainz zusammen Fußball gespielt und später, als Schwarz nach einem Gastspiel in Essen für Wehen Wiesbaden kickte und Rose weiterhin in Mainz, lebten sie gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Heute fahren sie regelmäßig zusammen mit ihren Familien in Urlaub und haben gegenseitig Patenschaften für ein Kind des anderen übernommen. Dass sie sich nun am Samstag (24.08.2019) in der Bundesliga erstmals als Trainer duellieren, empfinden beide daher als etwas Besonderes.

Rose: "Nach dem Spiel sind wir dann wieder die besten Freunde" Sportschau 22.08.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 22.08.2020 Das Erste

"Eigentlich geht nichts zwischen uns", sagt Rose, "aber am Samstag geht doch mal der Fußball für 90 Minuten dazwischen." Sogar etwas länger. Denn zuletzt haben die beiden am Montag miteinander telefoniert. Man habe über alle möglichen Dinge geredet. "Dabei bleibt es", sagt Schwarz. Der Mainzer Trainer ist nicht sicher, wie sich der Samstag an der Seitenlinie anfühlen wird, wenn an der Bank nebendran sein Trauzeuge und Freund das gegnerische Team anleitet. "Ich habe noch kein Gefühl dafür. Es geht erst mal ganz klar um den Job, den wir an diesem Spieltag zu bewerkstelligen haben. Coaching, Hilfestellung, Analyse, Interviews, das alles", sagt Schwarz.

Beide Teams noch mit Problemen

Sandro Schwarz

Sandro Schwarz will breiter spielen lassen.

Damit dürften beide zunächst auch erstmal genug zu tun haben. Vor allem Schwarz und seine Mainzer sind bislang noch gar nicht in der neuen Saison angekommen. Im DFB-Pokal verabschiedete sich das Team nach einer 0:2-Niederlage beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern gleich in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. Zum Bundesliga-Auftakt setzte es dann am vergangenen Wochenende ein 0:3 beim SC Freiburg. In einem Spiel, in dem die Mainzer lange die bessere Mannschaft waren, dann aber binnen fünf Minuten auseinanderbrachen. "Natürlich fühlt es sich beschissen an", sagte Schwarz danach. "Aber wir dürfen uns nicht in ein Stimmungstief reinquatschen."

In ein solches will auch Rose gar nicht erst hineingeraten. Der 42-Jährige soll als Nachfolger von Dieter Hecking in Mönchengladbach einen neuen Spielstil mit aggressivem Pressing und spielerischen Lösungen bei Ballbesitz etablieren, mit dem er in Salzburg sehr erfolgreich war. Doch noch hat sein neues Team den neuen Ansatz nicht verinnerlicht. Im Pokal gelang der Borussia ein mühsamer 1:0-Sieg beim Zweitligisten SV Sandhausen. Am 1. Spieltag der Bundesliga folgte ein 0:0 gegen Schalke 04, bei dem Roses Team ebenfalls noch in vielen Phasen die Abstimmung fehlte. "Wir haben viele Dinge von dem gesehen, wie wir uns das in Zukunft vorstellen. Aber es ist noch weit weg von zufrieden", gab der Trainer zu.

Punkte dringend benötigt

Marco Rose

Marco Rose will auch breiter spielen lassen.

In Mainz soll Roses Mannschaft nun die nächste Lernphase absolvieren. Eine Niederlage dort wäre kaum geeignet, die Erwartungen, mit denen der im Frühjahr von vielen Klubs umworbenen Trainer in Mönchengladbach konfrontiert ist, zu bestätigen. "Für mich steht die Art und Weise, wie wir spielen, im Vordergrund", hat Rose vor der Saison in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärt. "Das ist ein Prozess, der dauert, aber ich will schnell auf den Punkt kommen. Denn in der Bundesliga sind schnell Ergebnisse gefragt. Und die hohe Erwartungshaltung allein bringt uns keine Punkte."

Die aber hat sein bester Freund, von dem Rose sagt, dass er ihn "so liebt, wie er ist", ebenfalls bitter nötig. Sandro Schwarz geht in seine dritte Saison als Cheftrainer in Mainz und auch eine weitere Pleite dürfte dort niemanden gleich nervös werden lassen. Aber die Gefahr, dass seine Mannschaft doch noch ins Stimmungstief rutscht, ist groß. Denn nach der Partie gegen Mönchengladbach steht am 3. Spieltag ein Auswärtsspiel beim FC Bayern München an.

Gemeinsames Abendessen nach dem Spiel

Rose sagt über Schwarz, dass dieser sehr ehrgeizig sei und "ganz schlecht verlieren" könne. Schwarz selbst will daher auch nicht ausschließen, dass er am Samstag im Eifer des Gefechts mit seinem Freund aneinandergeraten könnte. "Fragt mich bitte nach dem Spiel", erklärte er der "Bild-Zeitung". "Wir haben schon Diskussionen in der Vergangenheit gehabt." Aber egal wie die Partie ausgeht, am Abend, wenn der Job erledigt ist, sind die beiden Trainer zum Abendessen verabredet. Dann können sie sich erzählen, was sie gedacht haben, was der andere gedacht hat, was man gedacht hat.

Stand: 22.08.2019, 14:16

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bor. M´gladbach1328
2.RB Leipzig1327
3.FC Schalke 041325
4.Bayern München1324
5.Bor. Dortmund1323
 ...  
16.Hertha BSC1311
17.1. FC Köln138
18.SC Paderborn 07135
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