Marco Rose - der Bändiger der Klopp-Sehnsucht

Marco Rose (r.) wird Trainer beim BVB. Welche Ähnlichkeiten gibt es mit Jürgen Klopp?

Kommender Trainer in Dortund

Marco Rose - der Bändiger der Klopp-Sehnsucht

Von Sebastian Hochrainer

Seit dem Abgang von Jürgen Klopp sucht Borussia Dortmund nach einem passenden Trainer. Marco Rose könnte dieser sein, aber der BVB muss sich daran gewöhnen, dass er alles andere als ein Klopp-Klon ist.

Wenn man die Worte von Marco Rose ganz genau nimmt, müsste er sich am Samstag (20.02.2021) einen Schalker Derbysieg gegen Borussia Dortmund wünschen. Der Gladbach-Trainer hat nämlich betont, zu 100 Prozent fokussiert auf seinen aktuellen Job zu sein und alles für den Erfolg mit der niederrheinischen Borussia zu geben, ehe er ab Juli bei der westfälischen Borussia angestellt sein wird.

Kontrahenten im Rennen um Europa und den Pokaltitel

Der Trainerwechsel von Rose löste in den vergangenen Tagen große Emotionen aus. Ein Grund dafür ist, dass Dortmund und Gladbach in dieser Saison große Konkurrenten sind. Beide Teams sind punktgleich in der Bundesliga, Dortmund (6.) nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor Gladbach (7.), dazu treffen sie im Viertelfinale des DFB-Pokals aufeinander.

Für den BVB soll das Derby am Samstag auf Schalke nach dem Erfolg in der Champions League gegen Sevilla auch die Rückkehr in die Erfolgsspur in der Bundesliga sein. Unter Edin Terzic hat der Vizemeister in zehn Spielen lediglich 14 Punkte geholt - auch deswegen fiel die Wahl der Verantwortlichen um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc auf Rose als künftigen Dortmund-Trainer.

Rose kommt mit drei Assistenten

Terzic wird in der nächsten Saison wieder ins zweite Glied rücken. Außerdem bringt Rose mit René Maric (Co-Trainer), Alexander Zickler (Offensiv- und Standardcoach) und Patrick Eibenberger (Fitness) seine vertrauten Assistenten mit, die ihm schon von RB Salzburg nach Mönchengladbach folgten und nun auch mit nach Dortmund gehen.

Rose als zentraler Mann des Neubeginns ab Juli soll dabei auch eine jahrelange Sehnsucht befriedigen. Seit dem Abgang von Jürgen Klopp 2015 versuchen die Verantwortlichen, mit einem anderen Mann einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Thomas Tuchel und Lucien Favre waren zwei Top-Trainer, die erfolgreich waren, aber menschlich nicht zu Watzke und Co. passten. Die Klopp-Sehnsucht blieb, die Trainer gingen.

Rose und Klopp sind gut befreundet

Wenn ein Coach dem Dortmunder Trainer-Helden nahekommen kann, ist es Rose. Er war Spieler unter Klopp in Mainz, beide sind bis heute eng befreundet, telefonieren häufig miteinander. Rose orientiert sich an Klopp, führt in Gesprächen auch schonmal Vergleiche an. Seine klare Ansage ist aber auch: Er ist kein Klopp-Klon, sondern Marco Rose.

Jürgen Klopp (li.) und Marco Rose beim Abschiedsspiel von Nikolce Noveski im Jahr 2017

Jürgen Klopp (li.) und Marco Rose beim Abschiedsspiel von Nikolce Noveski im Jahr 2017

Er ist ähnlich emotional wie Klopp, aber auch akribisch und taktikbesessen wie Ralf Rangnick und Thomas Tuchel, unter denen Rose ebenfalls spielte und die ihn inspirierten. Er hat eine klare Spielidee: Hohes Pressing mit großer Intensität und Mut, direktes Spiel in die Spitze. Wer bei Rose eine Rolle spielen will, braucht Wille und Fleiß. Das werden Fußball-Künstler wie Jadon Sancho (sofern er in Dortmund bleibt) oder Giovanni Reyna zu spüren bekommen.

Haaland kennt den neuen Trainer bestens

In der BVB-Kabine dürfte schon viel über Rose gesprochen werden. Der erste Ansprechpartner wird Erling Haaland dabei sein. Er spielte unter Rose in Salzburg und weiß, wie der arbeitet. Wenn der kommende BVB-Trainer lobt, kritisiert er im nächsten Satz. So macht er aus Talenten Top-Spieler. Die Sinne schärfen, sich nie zufrieden geben - das ist Roses Mantra.

Nach Dortmund geht er, um Titel zu gewinnen. Das sagt er (noch) nicht öffentlich, in der Gladbacher Kabine hat er dieses Ansinnen aber bereits hinterlegt. Er begründete den Schritt zum BVB gegenüber seinen aktuellen Schützlingen damit, schnellen Erfolg zu wollen, da er nicht ewig als Trainer tätig sein möchte. Heißt auch: Dortmund ist dafür der richtige Ort, Gladbach nicht.

Rose hat große Ziele und äußert sie auch

Dort musste man sich erst an diese Einstellung gewöhnen. In der vergangenen Saison belegten Roses Gladbacher wochenlang die Tabellenspitze,. Während sich die Bosse um Sportdirektor Max Eberl gegen jegliche Meisterschafts-Gedanken wehrten, machte Rose klar, dass er das Optimum anstrebe. So wurde auch im Laufe der Saison die Ausdrucksweise im gesamten Klub an Roses angepasst.

Beim BVB dürfte dieses Thema ebenfalls eine große Rolle spielen. Rose wird die Bayern angreifen wollen, das hat er mit seiner Entscheidung, die er "aus dem Gefühl heraus" getroffen habe, weil der BVB "eine reizvolle Aufgabe" sei, auch klargemacht. Roses Verpflichtung ist als der Angriff auf die Bayern zu verstehen, dagegen werden sich Watzke, Zorc und Sebastian Kehl nicht wehren können. Und wenn doch, wird Rose seine persönliche Stoßrichtung höchstpersönlich klarmachen.

Rose verspricht: Dortmund macht keinen weiteren Gladbach-Transfer

Das hat Rose schon verdeutlicht, bevor er überhaupt seinen neuen Job angetreten hat. Mit einem klaren "Ja!" beantwortete er die Frage, ob er ausschließen könne, einen Spieler von Gladbach nach Dortmund mitzunehmen. Er würde sogar ein Veto einlegen, sofern seine kommenden Bosse doch noch Florian Neuhaus oder Marcus Thuram zum BVB lotsen wollten. An diesen Worten wird er sich im Sommer messen lassen müssen.

So oder so: Rose ist ein Mann mit Prinzipien, er hat seine klaren Vorstellungen und erwartet, dass er dabei unterstützt wird. Von den Spielern, aber auch von den Verantwortlichen des Klubs. Wer ihm nicht folgt, könnte ein Problem bekommen. Denn der nette Herr Rose, der bei ersten Begegnungen meistens sofort das "Du" anbietet, kann auch schnell ungemütlich werden. Nämlich dann, wenn er seine Arbeit nicht gewürdigt sieht und sich falsch behandelt und bewertet fühlt.

Emotional, aber auch mal empfindlich

So erlebte man Rose in den vergangenen Wochen und Monaten einige Male zerknirscht, in ungemütlichen Zeiten passiert das bei ihm schonmal häufiger. Zu seiner Emotionalität gehört auch ein Stück weit Empfindlichkeit. Deswegen eckt er in Spielen häufig mit dem Schiedsrichter an und gibt sich medial auch mal einsilbig.

In Mönchengladbach war Rose für Fans und Journalisten am Borussia-Park stets greifbar, bevor es Corona gab. In Dortmund ist die Welt eine andere, dort finden die meisten Trainingseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, der Draht zur Presse ist nicht so eng wie im beschaulichen Gladbach.

Klopp hat das für sich genutzt, um sich etwas loszueisen vom medialen Spiel, Rose könnte das auch umsetzen.

Dortmund ist der logische nächste Schritt

Dass er der neue BVB-Trainer wird, ist eine Entscheidung mit Ansage. Eine Entwicklung, die auch Jürgen Klopp mit begleitet hat. Bevor Rose an den Niederrhein wechselte, nannte Klopp ihn "den Gehyptesten von allen", als er bei den Borussen angestellt war, schmeichelte er ihm ob seiner sportlichen Leistungen.

Klopp hat noch immer einen engen Draht nach Dortmund und wird seinem Freund Watzke den 44-Jährigen empfohlen haben. Er wird dem BVB-Boss aber auch gesagt haben, dass Rose kein aalglatter und einfacher Typ ist.

Vielversprechende Kombination

In der Form ist er ein Stück weit wie Klopp. Wie der heutige Liverpool-Coach wird er sich ein wenig an den BVB gewöhnen müssen, der Klub aber auch an ihn. Die Dortmunder werden schnell feststellen, dass Rose nicht der neue Klopp ist. Aber er ist eine Person, die hervorragend zu dem passt, was Dortmund haben will. Es ist eine Vereinigung, die viel Erfolg verspricht.

Roses erstes Versprechen ist jedoch, erstmal alles zu geben, um mit Gladbach erfolgreich zu sein. Dabei würde ihm eine Derby-Niederlage der Dortmunder am Samstag durchaus weiterhelfen.

Stand: 19.02.2021, 08:30

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