Auch Königsblau punktet - Schalke gegen den BVB im Vergleich

Erling Haaland, Mats Hummels, Ralf Fährmann und Suat Serdar (v.l.)

Revierderby

Auch Königsblau punktet - Schalke gegen den BVB im Vergleich

Von Jan Wochner

Selten schien der Kräftevergleich vor einem Revierderby eindeutiger als vor diesem Duell. Schalke 04 trennen als Tabellenletzter 24 Punkte von Rivale Borussia Dortmund.

Und das obwohl es beim BVB in der Bundesliga seit Wochen schlecht läuft. Dortmund hat nur eins seiner sechs jüngsten Ligaspiele gewinnen können. Gelingt Schalke ausgerechnet im Revierderby ein Sieg mit Signalwirkung, der Rückenwind im aussichtslos erscheinenden Kampf gegen den Abstieg geben würde? Wir wagen vor dem Revierderby am Samstagabend (20.02.2021) den direkten Vergleich auf allen elf Positionen.

Torwart

Ralf Fährmann: Schalke stellt die mit Abstand schwächste Abwehr der Liga, aber hat kein Torwartproblem. Trainer Christian Gross hat sich bei Amtsantritt zügig für Ralf Fährmann als Stammkeeper entschieden. Fährmann dankt es ihm seitdem mit fehlerlosen Auftritten. 

Marwin Hitz: Auf der Torhüterposition kommt beim BVB einfach keine Ruhe rein. Stammtorhüter Roman Bürki stand immer wieder in der Kritik, fehlte zuletzt verletzt. Ersatzmann Marwin Hitz erlaubte sich in der Bundesliga in den vergangenen Wochen gleich mehrfach Patzer.

Punkt für Schalke - 1:0

Verteidigung

Timo Becker: Lange Zeit in dieser Saison galt die Position des Rechtsverteidigers als Schalkes größtes Problemfeld. Die Lösung stand dabei von Anfang an parat. Erst unter Trainer Christian Gross bekam Timo Becker aber das Vertrauen hinten rechts. Becker spielt defensiv stabil und traut sich offensiv auch immer mehr zu. 

Das vorerst letzte Revierderby?

Sportschau 20.02.2021 01:55 Min. Verfügbar bis 20.02.2022 ARD


Thomas Meunier: Der Belgier gab in einem Interview kürzlich offen zu, dass er sich nach seinem Wechsel zum BVB im Sommer bessere Leistungen von sich selbst gewünscht hätte. Zu Beginn dieses Jahres steigerte sich Thomas Meunier, wurde danach von einer Verletzung aber prompt ausgebremst. Er kommt jetzt erst langsam wieder in Tritt.

Punkt für beide - 2:1

Malick Thiaw: Der Abwehrmann aus Schalkes eigenem Nachwuchs bekommt immer mehr Spielzeit und zeigte zuletzt gute Ansätze. 

Manuel Akanji: Beim Schweizer schleichen sich in dieser Saison immer wieder defensive Flüchtigkeitsfehler ein. Manuel Akanjis Passquote dagegen zählt zu den besten der Liga. Im direkten Vergleich gegen Thiaw ist er auch aufgrund seiner größeren Erfahrung deutlich vorne.

Punkt für Dortmund - 2:2

Shkodran Mustafi: Der Weltmeister von 2014 wirkte bei seinen ersten Bundesligaauftritten wenig eingerostet, überzeugte durch gute Zweikampfführung und einen ordentlichen Spielaufbau. In Sachen Abstimmung, gerade auch bei Standards, hat der neue Schalker Abwehrchef noch viel Luft nach oben.

Mats Hummels: Kein Spieler in der Bundesliga passt den Ball häufiger als Mats Hummels. Seine Zweikampfwerte sind beeindruckend. Hummels gewinnt mehr als zwei Drittel aller Zweikämpfe (67,2 Prozent), in der Luft kommt er sogar auf starke 73,1 Prozent. 

Punkt für Dortmund - 2:3

Sead Kolašinac: Nach seiner Rückkehr aus England im Winter wurde Sead Kolašinac gleich Kapitän auf Schalke. Der Bosnier kam ohne große Spielpraxis, zeigte trotzdem ordentliche, kampfbetonte Auftritte im königsblauen Trikot. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Raphael Guerreiro: Wie wertvoll Raphael Guerreiro für den BVB sein kann, zeigte er in der Hinrunde. Guerreiro kann die Position als Linksverteidiger ungemein offensiv interpretieren. Er agiert dann wie ein verkappter und torgefährlicher Spielmacher. In den vergangenen Wochen spielte er zwar eher unauffällig. Trotzdem entscheidet er den Vergleich mit Kolašinac klar für sich.

Punkt für den BVB - 2:4

Mittelfeld

Benjamin Stambouli: Der Franzose hatte einen starken Auftritt bei Schalkes einzigem Bundesligasieg in dieser Saison gegen Hoffenheim. Ansonsten sind die Leistungen von Benjamin Stambouli von Schnelligkeitsdefiziten, Problemen im Stellungsspiel und schwacher Zweikampfführung geprägt.

Emre Can: Emre Can war zuletzt kein Stammspieler beim BVB. Unter der Woche überzeugte er aber beim Dortmunder Sieg in der Champions League in Sevilla. Sein kampfbetontes, intensives Spiel scheint in der für Dortmund schwierigen Phase aktuell gefragter denn je. Klarer Punktgewinn für den BVB.

Punkt für Dortmund - 2:5

Omar Mascarell: Schalkes Ex-Kapitän war in der Hinrunde der vergangenen Saison der vielleicht geschickteste Abräumer der Bundesliga. Seitdem sucht der Spanier, immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, aber seine Form. Sein Timing in den Zweikämpfen stimmt überhaupt nicht mehr, sein Stellungsspiel war in dieser Saison häufig haarsträubend abenteuerlich.

Jude Bellingham: Auch hinter dem jungen Dortmunder Talent liegen komplizierte Wochen. Der 17-Jährige war zu Jahresbeginn nur noch Reservist, erkämpft sich aber immer mehr Spielzeit zurück. Sein Auftritt unter der Woche in der Chamions League gegen den FC Sevilla war beeindruckend stark.

Punkt für Dortmund - 2:6

Suat Serdar: Suat Serdar soll Schalkes Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld sein. Der Nationalspieler hatte in den vergangenen Monaten jedoch ein schier unglaubliches Verletzungspech, musste immer wieder pausieren. Jetzt ist Serdar schon länger wieder fit, seinen Auftritten fehlt aber die Leichtig- und Selbstverständlichkeit. Auch von seiner großen Torgefahr der Vorsaison ist nichts mehr zu sehen.

Mahmoud Dahoud: Welchen Wert der Mittelfeldspieler für den BVB haben kann, unterstrich er in Sevilla. Sein Tor zum 1:1-Ausgleich war sehenswert. Mahmoud Dahoud kann an guten Tagen die perfekte Schnittstelle zwischen Defensive und Offensive beim BVB sein. Allerdings taucht Dahoud, wenn er von Beginn an ran darf, viel zu häufig ab.

Punkt für beide - 3:7

Angriff

William: Schalkes Neuzugang bringt den Speed auf der Außenbahn mit, den die Mannschaft über weite Strecken der Saison vermisst hat. In Wolfsburg spielte William meist Außenverteidiger, Gross setzt ihn auf Schalke mangels Alternativen meist offensiver ein. Problem: Der Brasilianer wirkt zwar sehr bemüht, bleibt aber ineffektiv, bereitet kaum Torchancen vor.

Marco Reus: Marco Reus ist als Kapitän und Anführer beim BVB das Gesicht der Mannschaft. Seine schwachen Auftritte in den Vorwochen standen sinnbildlich für die Talfahrt der Dortmunder in der Bundesliga. Dass Reus es besser kann, bewies er in Sevilla, als er kämpferisch voll überzeugte und Haalands zweites Tor stark vorbereitete.

Punkt für Dortmund - 3:8

Amine Harit: Schalkes Kreativzentrale spielt unter Coach Gross meist auf dem linken Flügel. Amine Harit soll von dort mit Dribblings ins Zentrum Lücken reißen und mit Steckpässen hinter die Abwehr, Mittelstürmer Matthew Hoppe in Position bringen. Es bleibt aber fast immer beim Plan. Die Ausführung klappt bei Schalke viel zu selten.

Jadon Sancho: In der Hinrunde wirkte Dortmunds Senkrechtstarter der Vorsaison wie gelähmt von den Wechselgerüchten um seine Person. Seit Wochen aber zeigt die Formkurve des Engländers steil nach oben. Sechs Torbeteiligungen in den vergangenen sechs Pflichtspielen sprechen für sich. Nur Leverkusens Diaby geht häufiger ins Dribbling als Jadon Sancho, der im direkten Vergleich mit Harit Dortmunds achten Punkt sichert. 

Punkt für Dortmund - 3:9

Matthew Hoppe: In einer über weite Strecken der Saison desolaten Schalker Saison, ist Hoppe der große Gewinner im königsblauen Trikot. Der 19-jährige US-Amerikaner half als Notnagel im Sturmzentrum aus und überzeugte nach Anlaufschwierigkeiten. Fünf Saisontore und starke Auftritte brachten ihm sogar einen langfristigen Profivertrag ein - mit Gültigkeit auch für die zweite Liga.

Erling Haaland: Hoppe mag gut drauf sein und sein Potenzial angedeutet haben. Dortmunds Sturmtank Erling Haaland bewegt sich aber in einer ganz anderen Liga. 15 Tore allein in der Bundesliga: Haaland vereint pure Power mit technischer Klasse und einem Killerinstinkt beim Torabschluss. Dortmunds Norweger ist Weltklasse und holt locker den letzten Punkt.

Punkt für Dortmund - 3:10

Fazit: Auch wenn Dortmunds Leistungen in der Bundesliga zuletzt oft schwach und wenig überzeugend waren: Im direkten Vergleich ist der BVB den Schalkern in fast allen Belangen überlegen. Erreicht der BVB also am Samstag Normalform, dürfte er das Derby für sich entscheiden. Schalke 04 - Borussia Dortmund 3:10

Stand: 19.02.2021, 08:30

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