Lizenzverfahren in Fußball-Krisenzeiten - Lockerungen gefordert

Die Zentrale der Deutschen Fußball Liga

Deutscher Profifußball

Lizenzverfahren in Fußball-Krisenzeiten - Lockerungen gefordert

Von Marcus Bark

Das Lizenzverfahren im deutschen Profifußball läuft. Aufgrund der Krisenzeiten fordern Klubs wesentliche Lockerungen. Die DFL deutet an, dass sie diese gewähren wird.

In der Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) findet sich überraschend ein Hauch Romantik. Paragraf 8 regelt die Frist zur Abgabe der Bewerbungsunterlagen, und die endet für die "Vereine und Kapitalgesellschaften" der höchsten beiden Profiligen am 15. März um 15.30 Uhr, also zur Kernanstoßzeit der Bundesliga.

Da der kürzlich verstrichene 15. März ein Sonntag war, gab es einen Aufschub um 24 Stunden in einer Zeit, in der niemand weiß, wann mal wieder ein Bundesligaspiel um 15.30 Uhr angepfiffen werden wird.

Seriöse Vorhersagen sind angesichts der Coronavirus-Pandemie schwierig bis unmöglich. Streng genommen forderte die Lizenzierungsordnung jedoch, dass die Klubs "Konzern-Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen" vorlegen müssen, nicht nur bis zum Ende der offiziell bis zum 2. April ausgesetzten Saison, sondern auch für das erste Halbjahr der folgenden.

Fokus: Saubere Finanzierung des Spielbetriebs

Im Lizenzierungsverfahren sollen die Vereine nachweisen, dass sie die folgende Spielzeit sauber finanziert bekommen. Außer den zentral vermarkteten Medienrechten fließen vor allem Einnahmen durch Sponsoring und Ticketing in die Berechnungen ein. Wer will das in diesen Tagen kalkulieren? Wer seriös bewerten? Wenn es gut läuft, ist im Herbst ein fundiertes Urteil möglich. Am 31. Oktober läuft eine Frist ab, bis zu der "ein Lizenznehmer seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestätigen" muss. Die Bewertungsgrundlage ist dann zumindest bedeutend besser als im März.

Als die 36 Vereine und Kapitalgesellschaften der höchsten beiden Ligen am Montag (16.03.2020) mit ihrer Muttergesellschaft DFL zusammenkamen, sei es nur kurz um das Thema Lizenzierung gegangen, sagte ein Teilnehmer zur Sportschau. "Es wird Auflockerungen geben, der Situation angepasst", fasste er zusammen, was angerissen worden und aufgrund der Selbstverständlichkeit nicht näher besprochen worden sei.

Klubs arbeiten mit Hochdruck

Zunächst, das hatte Christian Seifert nach dem Treffen erläutert, gehe es darum, ein "Extremstszenario" von jedem Klub erstellen zu lassen. "Wer hält wie lange durch, wenn nicht gespielt wird?", will der DFL-Boss wissen.

Die Klubs arbeiten mit Hochdruck an den Antworten, die bis Ende März vorliegen müssen. Dann will die DFL erneut eine Vollversammlung einberufen. In der könnte es dann detaillierter um das geregelte Lizenzierungsverfahren gehen.

Dann könnte es um "Liquiditätsunterdeckungen" gehen, mit denen die DFL bislang streng umgegangen sei, das könne aber zumindest für die nächste Lizenzperiode nicht sein, wie der Vertreter eines Zweitligisten sagte.

DFB soll "flexibel reagieren"

Er sprach nur vertraulich mit der Sportschau, genau wie der Boss eines Drittligisten, bei dem der DFB über die Lizenz entscheidet: "Der DFB muss zeigen, dass er flexibel auf diese Katastrophenlage reagieren kann. Das hat er aber auch schon angedeutet."

Da die Satzung direkte Finanzspritzen des Verbandes ausschließe, sei die Lizenzierung das wirksamste Instrument. "Damit können sie uns extrem helfen", so der Klubchef, der forderte: "Es darf beispielsweise nicht den sofortigen automatischen Abzug von neun Punkten geben, wenn ein Verein geordnet in die Insolvenz gehen will. Das muss ein Jahr ausgesetzt werden."

Kommen staatliche Hilfen?

Die Sportschau richtete bezüglich der laufenden Lizenzierungsverfahren einen Fragenkatalog an die DFL. Ein Sprecher teilte mit, dass sich die Liga derzeit noch nicht dazu äußern wolle. Der DFB erklärte über Jochen Breideband, den Sprecher der 3. Liga: "Es sind noch keine Details besprochen, aber es ist davon auszugehen, dass das Lizenzierungsverfahren nicht eins zu eins wie in den sonstigen Jahren zur Anwendung kommen wird. Uns ist allen bewusst, dass besondere Situationen auch besondere Lösungen erfordern."

In vertraulichen Gesprächen war zu erfahren, dass technisch derzeit ein Verfahren wie in den Vorjahren vorgesehen ist. Heißt: DFL und DFB stellen Rückfragen, in der zweiten Aprilhälfte wird dann im ersten Schritt entschieden, ob ein Klub Auflagen (mildere Form) auferlegt bekommt oder Bedingungen erfüllen muss.

Auch staatliche Hilfen ein Thema

Bedingungen sind im Normalfall daran geknüpft, zusätzliche Liquidität bis Ende Mai nachzuweisen oder zumindest schriftliche Zusagen vorlegen zu können. Dass deswegen nun sehr wohl auch an staatliche Hilfen gedacht wird, wie ein Zweitligavertreter der Sportschau sagte, liegt nahe.

Stand: 20.03.2020, 17:12

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