Lewandowskis Wechselwunsch wird deutlicher

Robert Lewandowski

Trotz Vertrags bis 2021

Lewandowskis Wechselwunsch wird deutlicher

Von Marco Schyns

Pünktlich zum Start in den Transfersommer gibt es erneut Diskussionen um Robert Lewandowski. Seit gefühlt zwei Jahren ist der Pole auf dem Sprung. Die Worte seines Beraters waren aber nie so deutlich wie aktuell.

Es waren keine einfachen Wochen für Robert Lewandowski im Saison-Endspurt des FC Bayern. Gerade nach dem Aus in der Champions League gegen Real Madrid wurde das erneute Scheitern der Münchner in großen Spielen an seiner Person festgemacht. "Ich sehe Lewandowski in diesen Spielen einfach zu wenig", sagte zum Beispiel Ex-Bayern-Torhüter Oliver Kahn nach der Hinspielpleite gegen die Königlichen im ZDF. Auch im Rückspiel sollte sich daran nichts ändern. Genau eine Torchance hatte sich der Pole im Bernabeu-Stadion erarbeitet.

Die Verantwortlichen der Münchner, allen voran Trainer Jupp Heynckes, nahmen den Stürmer in Schutz. "Was mir so langsam hochkommt ist, dass wenn einer die Lawine lostritt, dass Lewandowski nicht gut spielt, dann ziehen alle Journalisten nach", sagte Heynckes und fügte an: "Er hat gekämpft und sehr gut gespielt."

Immer die höchsten Ansprüche an sich selbst

Dass dürfte Lewandowski selbst ein wenig anders gesehen haben. Dem Polen, der sich nie direkt zur Kritik an seiner Person äußerte, merkte man die Unzufriedenheit an. Fünf Champions-League-Treffer sind eine gute Quote, wenn das letzte Tor aber aus dem Achtelfinal-Hinspiel datiert, kann das einen Stürmer nicht zufriedenstellen. Zumal Lewandowski schon immer die höchsten Ansprüche an sich selbst hatte.

Aus seiner Heimat Polen ging es zu Borussia Dortmund. Dort wurde relativ schnell klar, dass er sich für noch höhere Aufgaben gerüstet sieht. Der Wechsel zum FC Bayern stand schon lange fest - und trotzdem legte Lewandowski im Vergleich zu den Vorjahren noch einen drauf und sicherte sich in seinem letzten Jahr beim BVB erstmals die Bundesliga-Torjägerkrone.

Als er diesen Titel im Jahr 2017 verpasste, weil ihn Pierre-Emerick Aubameyang am letzten Spieltag noch überholte, kritisierte Lewandowski anschließend seine Teamkollegen. "Ich war nicht wirklich zufrieden damit, wie mein Team mir geholfen hat. Ich war verärgert, ich war enttäuscht über die Einstellung des Teams. Das war mein Gefühl nach dem Spiel", sagte der Stürmer damals.

Lewandowski und seine Berater

Überhaupt gibt es nur selten Äußerungen vom Spieler selbst oder aus dessen Umfeld, die medial keinen Wirbel erzeugen. Das war schon zu seiner Zeit bei Borussia Dortmund so und hat sich beim FC Bayern nahtlos fortgesetzt. Die Parallelen sind durchaus gegeben: Die ersten zwei Jahre scheint die Welt in Ordnung zu sein. Lewandowski ist glücklich, erfolgreich und wird geschätzt. Dann beginnt allmählich Unruhe aufzukommen.

Mal sagt der eine Berater gegenüber einem TV-Sender das, mal sagt der andere Berater gegenüber einer Zeitung was anderes. Der Pole Cezary Kucharski war über zehn Jahre gemeinsan mit Maik Barthel zuständig für die Belange von Lewandowski. Sie begleiteten den Stürmer aus Polen bis zum FC Bayern München. Im Januar diesen Jahres folgte dann die überraschende Trennung.

Statt zweier Berater wird Lewandowski seitdem von einer Person vertreten. Auf den ersten Blick sicherlich eine gute Sache für den FC Bayern - weil es nur noch einen Ansprechpartner gibt und nicht zwei Berater zeitgleich unterschiedliche Aussagen tätigen können. Schnell wurde aber klar, dass sich die Aussagen inhaltlich kaum voneinander unterscheiden. Pini Zahavi formuliert die Anliegen seines Mandanten allerdings schärfer und deutlicher als seine Vorgänger.

Neue Töne mit Zahavi

Der neue Lewandowski-Berater Pini Zahavi im Stadion von PSG

Der neue Lewandowski-Berater Pini Zahavi im Stadion von PSG

Der Israeli ist eine schillernde Figur im Weltfußball und arbeitete schon mit Spielern wie Ronaldinho und Rio Ferdinand. Auch Superstar Neymar steht bei ihm unter Vertrag. Anders als seine Vorgänger hat er viel Erfahrung im Umgang mit Managern internationaler Spitzenklubs. Und anders als seine Vorgänger deutet er nichts an, er spricht die Dinge ganz klar aus. "Robert fühlt, dass er eine Veränderung und eine neue Herausforderung in seiner Karriere braucht. Die Verantwortlichen des FC Bayern wissen darüber Bescheid", sagte Zahavi gegenüber der "Sport Bild".

Gefühlt hat man darüber schon in den letzten beiden Jahren gesprochen und debattiert - doch Aussagen seiner Ex-Berater wie "Ja, da ist etwas mit Real Madrid" (2016 von Kucharsky) und "Wer will schon Plan B sein?" (2017 von Barthel über ein angebliches Interesse von Manchester United) ließen immer wieder Spielraum für Interpretationen. Zahavi macht die Sache klar: Lewandowski will weg. Und zwar sofort.

Wohin könnte der Pole wechseln?

Gut möglich, dass dieser Wunsch, den der Stürmer schon länger zu haben scheint, überhaupt erst der Grund für den Beraterwechsel im Februar war. Zahavi soll möglich machen, woran Kucharsky und Barthel gescheitert sind. Lässt man die letzten zwei Jahre Revue passieren, dann scheint der Pole allen voran Real Madrid zu favorisieren. Die Königlichen aber sollen Abstand genommen haben von einer Verpflichtung: Mit 30 Jahren sei Lewandowski inzwischen einfach zu alt.

Stattdessen rückt die Premier League als mögliches Ziel in den Fokus. Laut "Kicker" sollen Manchester United und, noch eindrücklicher, der FC Chelsea Interesse bekunden haben. Auch Paris St. Germain gilt als Option. Auf eben diese Gerüchte reagierte Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Mai gewohnt deutlich. "Wir werden beweisen, dass der Verein noch immer der stärkere ist", sagte Hoeneß gegenüber dem "Kicker".

Vorstandsboss Rummenigge ließ schon im März Ähnliches verlauten: "Die Wette nehme ich gerne an, dass Robert in der nächsten Saison hundertprozentig bei Bayern München spielen wird." Auf eine Anfrage am Mittwoch (30.05.18), kurz nach Bekanntwerden der Zahavi-Äußerungen, gab der Deutsche Rekordmeister keinen offiziellen Kommentar ab. Fortsetzung folgt.

Stand: 30.05.2018, 11:33

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