Lewandowski - Auftritt beim Präsidenten wird zum Politikum

Robert Lewandowski jongliert den Ball während einer Zeremonie

Fußball-WM-Qualifikation

Lewandowski - Auftritt beim Präsidenten wird zum Politikum

Von Thomas Dudek

Polnische Regierungsmitglieder behaupten, durch eine Intervention bei Angela Merkel Robert Lewandowski die Teilnahme an dem WM-Qualifikationsspiel der Polen in England ermöglicht zu haben. Eine Geschichte die zeigt, wie sich in Zeiten der Pandemie Sport politisch ausnutzen lässt.

Den Status eines Nationalhelden hat Robert Lewandowski in seiner polnischen Heimat bereits. Doch seit dem Montag hat der Stürmer des FC Bayern München diesen Status quasi auch offiziell. Als "unseren Nationalhelden" bezeichnete Polens Staatspräsident Andrzej Duda den Bundesligaprofi und zeichnete ihn wegen seiner "außerordentlichen sportlichen Leistungen und für die Promotion Polens auf internationaler Bühne" mit dem Orden "Polonia Restituta" aus, der zweitwichtigsten zivilen Auszeichnung des polnischen Staates.

Welche Bedeutung Lewandowski in Polen hat, zeigte in diesen Tagen aber noch mehr die Diskussion um seine Berufung in die polnische Nationalmannschaft als die Auszeichnung mit dem prestigeträchtigen Orden.

In London: Polen in WM-Quali gegen England

Denn neben Ungarn und Andorra müssen die "Weiß-Roten" in der nun in Europa beginnenden WM-Qualifikation am 31. März auch in London gegen England antreten. Doch wegen der bis zum Wochenende in Deutschland geltenden Reiseregelungen für Großbritannien war es bis zum Freitagabend fraglich, ob Lewandowski, immerhin Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, überhaupt in der Partie spielen könne.

Da das RKI das Vereinigte Königreich als Virus-Variantengebiet einstufte, hätte dem aktuellen Weltfußballer nach seiner Rückkehr nach München eine 14-tägige Quarantäne gedroht. Aus diesem Grund hat der FC Bayern München bereits angekündigt, seinen Stürmer für die anstehenden Länderspiele nicht abstellen zu wollen. Auch Hertha BSC, wo mit Krzysztof Piatek ein weiterer aktueller polnischer Nationalspieler unter Vertrag steht, war nicht gewillt, seinen Stürmer abzustellen.

Intervention auf politischer Ebene?

Doch bereits am Freitagabend gab Zbigniew Boniek, Präsident des polnischen Fußballverbandes PZPN, Entwarnung. "Nach London fahren wir mit dem gesamten Kader", verkündete der ehemalige Profi von Juventus Turin auf Twitter und richtete dabei einen besonderen Dank an einen überraschenden Adressaten: Die Staatskanzlei von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki.

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Kurz darauf meldete sich auch der polnische Regierungssprecher Piotr Müller zu Wort. "Ich bestätige, dass Ministerpräsident Mateusz Morawiecki persönlich Bundeskanzlerin Angela Merkel kontaktiert habe, um die Teilnahme unserer Spieler in dem anstehenden Spiel zu ermöglichen", erklärte dieser gegenüber der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

Nationalkonservative Regierung Polens wegen Coronapolitik in der Kritik

Einen Tag später äußerte sich Pawel Jablonski, Staatssekretär im polnischen Außenministerium, gegenüber der Nachrichtenagentur zu der Causa Lewandowski. "Solche Situationen sind äußerst ungewöhnlich. Aber wegen der Bedeutung der Angelegenheit für die polnische Nationalmannschaft und die Fans haben wir beschlossen, dass wir als Staat auf der höchsten politischen Ebene intervenieren sollten. Wir haben diplomatische Anstrengungen unternommen. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel intervenierte persönlich Ministerpräsident Mateusz Morawiecki", so der Regierungspolitiker.

Was folgte, waren dementsprechende Schlagzeilen in Polen. Wahrlich enthusiastisch zeigte sich der ehemalige Nationaltorhüter Jan Tomaszewski. "Der Herr Ministerpräsident hat noch einmal bewiesen, dass er in Europa von Bedeutung ist und seine Stimme gehört wird", erklärte der WM-Dritte von 1974, der in der Vergangenheit auch Parlamentsabgeordneter der PiS war. Für die nationalkonservative Regierung, die in Polen unter anderem wegen interner Streitigkeiten und ihrer Coronapolitik in der Kritik steht, waren es willkommene positive Nachrichten.

Inzidenzwert in Großbritannien besser als in vielen EU-Staaten

Die Story von Morawieckis Intervention bei Merkel hat mittlerweile auch den Weg in die deutschen Medien gefunden. Doch wurde die Teilnahme Lewandowskis an den WM-Qualifikationsspielen tatsächlich auf höchster politischer Ebene entschieden?

Auf eine Anfrage der Sportschau, ob ein dementsprechendes Gespräch zwischen der Bundeskanzlerin und dem polnischen Regierungschef stattgefunden habe, heißt es seitens der Bundesregierung: "Über vertrauliche Gespräche der Bundeskanzlerin berichten wir grundsätzlich nicht".

Doch ob Merkel persönlich wegen Lewandowski aktiv wurde, ist zweifelhaft. Mit einem Inzidenzwert von aktuell 58, ist in Großbritannien die Situation mittlerweile besser als in den Staaten der EU. Zahlen, die das RKI zu einer am Freitagabend bekanntgewordenen Aktualisierung seiner Reisewarnungen bewogen haben.

Doch mit nackten Zahlen lässt sich auch in Zeiten einer Pandemie weniger Politik machen - als mit einem Weltfußballer, der ein Nationalheld ist. Die Regierung in Polen hat dies diese Tage eindrucksvoll bewiesen.

Stand: 23.03.2021, 11:00

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