Rose-Abschied aus Gladbach - zwei Perspektiven, eine Klausel

Mönchengladbachs Trainer Marco Rose wechselt im Sommer zum BVB

Ab Sommer Trainer beim BVB

Rose-Abschied aus Gladbach - zwei Perspektiven, eine Klausel

Von Christian Hornung

Es war am Ende keine Überraschung mehr, trotzdem verstehen viele in Mönchengladbach weder die Hektik noch den Zeitpunkt der Entscheidung: Marco Roses Abschied in Richtung Borussia Dortmund nach nur zwei Jahren sorgt für Verstimmung beim VfL.

Wie das mit den Emotionen im Dortmunder 80.000-Mann-Tempel so ist, weiß Marco Rose noch sehr genau aus der Vor-Corona-Zeit. Am 30. Oktober 2019 bekam der Trainer seine Emotionen beim unglücklichen Pokal-Aus seiner Gladbacher in Dortmund nicht unter Kontrolle. Rose sah die erste Rote Karte für einen Coach in diesem Wettbewerb und schrieb damit ein ganz kleines Kapitel Fußballgeschichte.

Auch wieder mit Ausstiegsklausel - wie schon in Salzburg

Jetzt wird die Stelle seines größten Wutausbruchs sein neuer Arbeitsplatz, er will seine eigene Fußballgeschichte in Dortmund weiterschreiben. Unterschreiben wird er angeblich einen Vertrag bis 2024, und auch der wird wieder eine Ausstiegsklausel enthalten.

Das mit der Klausel hat Rose bisher immer so gemacht. In Salzburg folgte er vor anderthalb Jahren vorzeitig dem Ruf aus Mönchengladbach, die "Fohlen" überwiesen festgeschriebene drei Millionen Euro an den Red-Bull-Klub. In Gladbach lief sein Kontrakt eigentlich bis 2022, aber auch dort ließ sich der frühere Mainzer Verteidiger ein Szenario für den vorzeitigen Abschied einbauen, von dem nun die Dortmunder profitieren. Dieses Mal soll die Ablöse nach Sportschau-Informationen bei fünf Millionen Euro liegen.

Gerüchte schon seit Mitte Dezember

Warum er nach so kurzer, aber sehr erfolgreicher Zeit am Niederrhein schon wieder seine Zelte abbricht, teilte Rose am Rosenmontag (15.02.21) morgens zunächst Max Eberl in dessen Büro im Borussia Park mit. Der Manager hatte, so ließ er später über den Verein mitteilen, in den vergangenen Wochen einige Gespräche zu diesem Thema mit Rose geführt.

Die Gerüchte waren bereits aufgekommen, als sich Dortmund Mitte Dezember von Lucien Favre getrennt hatte - auch der hatte zuvor die Gladbacher trainiert. Von Beginn an gab Rose, der in vielen Interviews immer wieder auf das BVB-Thema angesprochen wurde, kein glückliches Bild ab: Er vermied stets ein klares Bekenntnis zum VfL, lange wiederholte er die Floskel, er wolle sich "nicht an Spekulationen beteiligen".

Abschied im Sommer: Roses Zeit in Gladbach endet

Sportschau 15.02.2021 01:21 Min. Verfügbar bis 15.02.2022 ARD Von Ulli Schäfer


Eberl muss wieder bei Null beginnen

Dass es mehr als Spekulationen waren, ist nun klar. Eberl ist darüber sehr enttäuscht. Er entließ vor nicht einmal zwei Jahren Ex-Coach Dieter Hecking auf dem fünften Tabellenplatz - weil er unbedingt mit Marco Rose in eine längerfristige Zukunft gehen wollte. Jetzt muss er wieder bei Null beginnen. Aus den Nachfolge-Kandidaten, die seit Wochen gehandelt werden, wie Salzburgs Jesse Marsch, Gerardo Seoane von den Young Boys Bern, Bremens Florian Kohfeldt oder Erik ten Hag von Ajax Amsterdam, gilt es nun wieder mal, den für die Gladbacher Vereinsphilosophie vom mitreißenden Offensivfußball geeigneten Übungsleiter zu finden. Auch die Mannschaft, die Rose anschließend in der Kabine vor dem Training informierte, reagierte sehr betroffen.

Ob er die Klausel verflucht, die er Rose bei der Verpflichtung in dessen Vertrag schreiben ließ, hat sportschau.de Eberl Ende der vorigen Woche gefragt. Der Sportdirektor sagte: "Nein, denn ohne diese Vertragsgestaltung hätten wir Marco damals nicht bekommen. So ist das Geschäft nun mal."

Ein vom Ehrgeiz Getriebener

Unter anderem der FC Schalke und der VfL Wolfsburg wollten Rose, der in Salzburg mit begeisterndem Pressing-Fußball auf sich aufmerksam gemacht hatte, ebenfalls unbedingt verpflichten. Eberl musste also auf Roses Bedingungen eingehen - und der scheint in diesem Fußballgeschäft ein Getriebener zu sein: vom eigenen Ehrgeiz und von der Karriereplanung, möglichst schnell möglichst weit nach oben zu kommen.

Mal in Ruhe einen Erfolg zu genießen, wie beispielsweise eine Gruppenphase in der Königsklasse mit Real Madrid, Inter Mailand und Schachtjor Donezk überstanden zu haben, ist so gar nicht sein Ding.

Schlechter kann es Rose in Dortmund kaum machen

Dazu haben zwei weitere Szenarien die Entscheidung des Trainers maßgeblich beeinflusst. Mit dem, was er bisher in Mönchengladbach erreicht hat, sieht er sich in diesem Verein am Limit. Denn nach dieser Saison geht womöglich nicht nur er.

Auch Denis Zakaria wird aller Voraussicht nach in der kommenden Spielzeit den viel zitierten "nächsten Schritt" machen, bei Matthias Ginter ist das auch nicht ausgeschlossen, Florian Neuhaus und Marcus Thuram könnten per Ausstiegsklausel folgen. Alles andere als am Limit ist hingegen der selbsternannte Bayern-Jäger BVB, der mit Stars wie Jadon Sancho oder Erling Haaland vielleicht der derzeit größte Underperformer in ganz Europa ist. Hier kann Rose eigentlich nur gewinnen.

Sofortiger Wechsel ist kein Thema

Ein sofortiger Wechsel, den sich die Dortmunder angesichts des chronisch erfolglosen Interims-Trainers Edin Terzic sicher gut vorstellen könnten, ist nach Sportschau-Informationen kein Thema. Zum einen will sich Rose, der seine Co-Trainer Alexander Zickler und René Maric mit zum BVB nehmen wird, in Gladbach vernünftig verabschieden. Zum anderen betont Eberl: "Wir werden mit Marco gemeinsam alle Kräfte mobilisieren, um unsere Ziele in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League zu erreichen."

Da ist noch einiges möglich: In der Liga hat Gladbach aktuell sechs Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz, ist aber im aktuellen Wettbewerb noch vertreten und freut sich auf die Achtelfinal-Duelle am 24. Februar und 16. März gegen Manchester City. Im DFB-Pokal steht der VfL im Viertelfinale, und der Gegner am 2. März ist auch ein Grund, warum Rose die Bekanntgabe seiner Entscheidung jetzt nicht länger hinauszögern wollte: Borussia Dortmund.

Stand: 15.02.2021, 20:48

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