Gladbachs Fans rücken von Marco Rose ab

Marco Rose echauffiert sich am Seitenrand

Harte Vorwürfe nach dem verlorenen Derby gegen Köln

Gladbachs Fans rücken von Marco Rose ab

Von Christian Hornung

Es könnte alles so schön sein in Mönchengladbach: In der Champions League wartet Manchester City, im Pokal Borussia Dortmund. Doch von Ruhe und Harmonie ist der Verein gerade erstaunlich weit entfernt - Trainer Marco Rose hat jetzt sogar ein Problem mit den eigenen Fans.

Alexander Zickler ist ein sehr guter Freund von Marco Rose, er wohnt mit ihm auch Tür an Tür im Nachbarort Willich. Als Rose vor anderthalb Jahren von RB Salzburg zu den Borussen kam, brachte er "Zico", der mit den Bayern als schneller Angreifer 20 Titel geholt hat, als Co-Trainer mit nach Gladbach. "Zico" ist bei den "Fohlen" hauptsächlich für das Einstudieren von Standardsituationen verantwortlich. Und ganz aktuell auch als Rose-Anwalt in den sozialen Netzwerken.

Fan-Wut über Rotation im Derby

Bei Instagram reagierte "alexzickler" am Sonntag (07.02.2021) auf die geballte Fan-Wut, die der bisher sehr erfolgreiche und trotz seiner Vergangenheit bei einem Red-Bull-Klub auch äußerst beliebte Cheftrainer in den Internetforen abbekommt. "Liebe Fans, wir bedauern eure Enttäuschung über das verlorene Derby", schreibt Zickler. Und betont: "Wir geben Tag und Nacht alles für diesen einzigartigen Verein. Daher ist uns sehr wichtig, dass ihr geschlossen hinter uns steht."

Letzteres ist nicht mehr der Fall. Auslöser war in erster Linie die durch einen pomadigen Auftritt selbst verschuldete 1:2-Derbypleite gegen den Rheinrivalen 1. FC Köln. In diesem Spiel hatte Rose gegenüber dem Pokal-2:1 am Mittwoch zuvor beim VfB Stuttgart sein Team gleich auf sieben Positionen verändert.

Auf der Bank gab es ein Promiaufkommen wie selten zuvor beim VfL: Marcus Thuram, Alassane Plea, Jonas Hofmann, Nico Elvedi und Ramy Bensebaini saßen dort. Der Marktwert der Gladbacher Ersatzspieler an diesem Samstagnachmittag überstieg den des gesamten Kölner Kaders um 51 Millionen Euro.

"Mit dem Derby spielt man nicht"

Gladbachs Stefan Lainer (l.) gegen den Kölner Ismail Jakobs (r.)

Gladbachs Stefan Lainer (l.) gegen den Kölner Ismail Jakobs (r.)

Dazu äußerte sich noch in der Nacht das in Gladbach einflussreiche Fanprojekt, dem beinahe 6.500 Mitglieder angeschlossen sind und das zu den größten Dachorganisationen von Fußballanhängern in Deutschland gehört. "Mit dem Derby spielt man nicht...", schrieb die Gruppierung über einen knappen Kommentar an der Stelle, wo sonst so eine Partie manchmal auch recht witzig und mit viel Hingabe aufgearbeitet wird. "Wer das Derby als idealen Zeitpunkt für ein Rotationsexperiment ansieht, hat Borussia Mönchengladbach nicht verstanden - Textende", heißt es anschließend nur noch barsch.

Der Vorwurf an Rose ist hart, aber eindeutig. Die Fans sind der Ansicht, dass er ihr Spiel des Jahres durch Arroganz und Leichtfertigkeit abgeschenkt hat.

Rätsel auch bei der Wahl der Wechsel

Dass der Trainer in den Monaten mit Dreifachbelastung für seine Spieler rotieren muss, ist selbstverständlich. Dass er das auf sieben Positionen gleichzeitig tut, nicht.

Nach dem Köln-Spiel hat seine Mannschaft acht Tage frei. Thuram beispielsweise, der mit seiner Wucht gegen einen mit acht Spielern verteidigenden Gegner Eins-gegen-Eins-Situationen hätte lösen können, war auch gar nicht überspielt: Er fehlte zuletzt fünf Partien wegen einer Rot-Sperre und hatte danach nur ein einziges Match über 90 Minuten in den Beinen.

Statt auf Thuram und dem auch in Bedrängnis abschlussstarken Plea setzte Rose auf Breel Embolo und Patrick Herrmann. Diese beiden Angreifer können ihre Schnelligkeit aber nur ausspielen, wenn sie Raum für ihre Läufe in die Tiefe haben - den es gegen Köln vorhersehbar nicht gab.

Wenn jemand mal eine Pause gebraucht hätte, dann eher der immer eingesetzte Stefan Lainer, der dann auch prompt den Ball vor dem 1:2 verlor. Rose kommentierte das halb einsichtig, halb trotzig mit den Worten: "Wenn man diesen Fehler von Steve sieht, habe ich vielleicht noch zu wenig rotiert."

Kein Bekenntnis zu seinem Verein

Was die Distanz zwischen den Fans und Rose derzeit ebenfalls immer größer werden lässt, ist dessen fehlendes Bekenntnis zu seinem Verbleib nach der Saison. Seit Wochen schwelen die Gerüchte, dass sich Borussia Dortmund Roses Ausstiegsklausel nach dieser Saison zunutze machen möchte und die Zukunft mit diesem Liebhaber des offensiven Fußballs plant.

In Gladbach verstehen wenige, warum es ihn nach nur zwei Jahren schon wieder zur nächsten Station weiterziehen sollte. Aber noch weniger verstehen die Fans, warum er sich zu der Thematik nicht eindeutig erklärt.

Alle zwei, drei Tage wird Rose gerade bei Pressekonferenzen sowie vor und nach den Spielen zum BVB-Thema befragt. Der Trainer wirkt zunehmend genervt, mal schweigt er, mal wiederholt er, dass er sich nicht "an Spekulationen" beteilige und "nicht ständig Wasserstandsmeldungen" abgebe.

"Vielleicht" reicht Eberl nicht

Rose sagte aber auch: "Meine Vertragssituation ist bekannt, ich bin Trainer bei Borussia Mönchengladbach und sehr gerne hier." Und dann vielleicht etwas zu flapsig: "Max Eberl weiß über den Status quo Bescheid. Und irgendwann vielleicht auch mal über meine Zukunft."

Der angesprochene Sportdirektor Max Eberl ließ anschließend durchklingen, dass ihm dieses "vielleicht" nicht reicht: "Natürlich wollen wir so schnell wie möglich eine Entscheidung haben, weil es wichtig für unsere Planung ist."

Dass sich die Gladbacher das leidige Thema nicht einfach durch eine klare Aussage in die eine oder andere Richtung vom Hals schaffen, lässt eigentlich nur zwei Interpretationen offen: Rose will sich derzeit noch alle Türen offenhalten und wartet die sportliche Entwicklungen bei beiden Borussias ab. Oder er hat Dortmund längst seine Zusage gegeben.

Stand: 08.02.2021, 12:49

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