Klauseln für die Krise

Jochen Schneider und Frank Baumann jeweils mit Mundschutz

"Finanzielles Risiko abfedern"

Klauseln für die Krise

Einige Vereine wollen in die Verträge ihrer Profis zukünftig Krisen-Klauseln einbauen. Damit erhoffen sie sich eine Absicherung, falls es erneut zu einem Ligastopp kommt, und wieder Existenzängste geschürt werden.

Die steigenden Infektionszahlen sind Warnung genug, sie bestärken die Fußball-Bosse in ihrem Handeln zusätzlich. Und so könnten die "Krisen-Klauseln", also die Absicherung für den drohenden Fall erneuter Umsatzeinbußen, schon bald zur Normalität in den Verträgen der hochbezahlten Profis werden. Von der Coronakrise arg gebeutelte Vereine machen es bereits vor.

So werden in den Arbeitspapieren der beiden Bundesligisten Schalke 04 und Werder Bremen zukünftig Passagen eingebaut, die den Klubs das Recht einräumen, das Gehalt ihrer Angestellten in Notzeiten zu kürzen. "Das setzen wir genauso um", sagte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider dem SID: "Und das betrifft nicht nur Spieler der Profimannschaft, sondern auch der U23 oder Mitarbeiter im Staff." Die Regelung gilt bei neuen Verträgen und Vertragsverlängerungen.

Finanziell angeschlagene Klubs machen den Anfang

Ähnlich soll es in Bremen gehandhabt werden, wenngleich dort zunächst einmal lediglich die üppig bezahlten Kicker mit einem entsprechenden Paragrafen rechnen müssen. "Ich gehe davon aus, dass wir das bei allen Spielern mit in die Verträge nehmen werden, um das finanzielle Risiko nach einem unvorhergesehenen Ereignis abzufedern", sagte Sportchef Frank Baumann dem "Weser-Kurier". Dass genau diese Vereine den Anfang machen und diesen auch offensiv kommunizieren, ist dabei kein Zufall. Die extrem verschuldeten Schalker hatten schon das Geschäftsjahr 2019 mit Verbindlichkeiten von insgesamt 197 Millionen Euro abgeschlossen, die Folgen der Coronakrise werden die "Königsblauen" zusätzlich belasten. Auch deshalb beantragte der Klub eine Bürgschaft, die das Land Nordrhein-Westfalen auch erteilte - über die Höhe wurde nichts bekannt. Bremen hatte derweil Kredite bei der staatlichen KfW-Bank beantragt.

Die Klubs, die ihre Planungen tatsächlich in die Tat umsetzen - auch bei Eintracht Frankfurt sollen die Klauseln trotz einer deutlich besseren Finanzlage eingebaut werden - müssen aber einige Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Denn die Musterverträge der Deutschen Fußball Liga (DFL) beinhalten derzeit noch keine Klausel, individuelle Vertragsspezifika sind vorstellbar.

"Wir müssen schauen, ob es eine einheitliche Regel gibt oder Unterschiede", sagte Baumann: "Bei dem einen reduziert es sich um zehn Prozent, bei dem anderen um 20." Aber wie genau wird das aussehen? Müssen Profis mehr Einbußen hinnehmen, die mehr verdienen? Oder jene, die weniger Einsatzzeiten verbuchen?

Mahnendes Beispiel DEL

Eine allgemein gültige Regelung "von oben herab" wird es sicher nicht geben. Das Beispiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat gezeigt, dass dadurch das Tischtuch zwischen Spielern auf der einen sowie Klubs und Liga auf der anderen Seite schnell zerschnitten werden kann.

Die DEL hat die Einwilligung der Spieler für einen 25-prozentigen Gehaltsverzicht mit der Lizenzierung der Klubs für die kommende Saison verknüpft. Das umstrittene 75/25-Modell sieht vor, dass ein Viertel des vertraglich vereinbarten Gehalts zunächst nicht ausgezahlt wird, sondern nur dann, wenn der Klub trotz Coronakrise die Einnahmen der Vorsaison erreichen sollte.

sid | Stand: 30.07.2020, 12:42

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