Analyse - Woher kommt die Krise bei Werder Bremen?

Bremens Geschäftsführer Frank Baumann

Bundesligist im Sinkflug

Analyse - Woher kommt die Krise bei Werder Bremen?

Von Frank Hellmann

Werder Bremen schien auf dem besten Wege, die Überraschungsmannschaft der Liga zu werden. Vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf setzen sich Trainer und Spieler nach nur einem Punkt aus fünf Spielen selbst unter Druck. Eine Analyse.

Die Bremer Delegation hatte einen Stehplatz gewählt: Geschäftsführer Frank Baumann, der technische Direktor Thomas Schaaf und Björn Schierenbeck, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, hielten sich beim "Leadership-Festival“ in der Frankfurter DFB-Zentrale im Hintergrund auf. Aber auch von den Stehtischen ließ sich gut verfolgen, welche Anstöße Führungskräfte aus der Wirtschaft oder Sportunternehmen den rund 120 Teilnehmern aus dem deutschen Spitzenfußball gaben.

Mit seiner dreiköpfigen Delegation hatte der SV Werder dieser über die  DFB-Akademie offerierten Veranstaltung seine Wertschätzung erwiesen. Die Sinne schärfen, nicht den Anschluss verpassen: Dasselbe Leitmotiv wird auch die Bremer Bundesligaprofis umtreiben, wenn das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (Freitag 20.30 Uhr) ansteht.

Mit nur einem Punkt aus fünf Spielen haben sich die Hanseaten in Zugzwang gebracht. Nur ein Sieg zählt. Zumal es die Gegner bis Heiligabend in sich haben: Danach geht es nach Dortmund (15.12.), gegen Hoffenheim (19.12.) und nach Leipzig (22.12.). "Freitag müssen wir gewinnen, und wir werden auch gewinnen“, sagte Trainer Florian Kohfeldt unmittelbar im Anschluss an die 1:2-Heimniederlage gegen Bayern München.

Baumann sieht Werder in der Mitte der Tabelle

Damit hat der 36-Jährige die Messlatte hoch gelegt. Geschäftsführer Baumann findet diese Höhe aber richtig, wie er im Gespräch mit sportschau.de sagt: "Florian Kohfeldt hat die Erwartungshaltung formuliert, die wir uns selbst stellen. Aber wir alle wissen, dass es kein Selbstläufer wird. Fortuna Düsseldorf hat nicht erst mit dem 3:3 in München bewiesen, zu welch guten Leistungen sie fähig sind.“

Der 43-Jährigen ist bemüht, die Lage mit Augenmaß einzuschätzen: "Wir haben nie etwas anderes gesagt, dass wir uns im Normalfall in der Mitte der Tabelle wiederfinden werden. Es gibt sechs, sieben, acht andere Klubs, die deutlich mehr Möglichkeiten besitzen als wir. Als Tabellenachter sind wir absolut in dem Bereich, in dem wir uns selbst sehen. Auch wenn wir fünf Spiele nicht gewonnen haben, werden wir nicht die Nerven verlieren. “

Die Leistungsträger hängen in den Seilen

Dennoch herrscht statt des Begeisterungssturms vom Saisonstart nun Flaute an der Weser. Viele Leistungsträger hängen in den Seilen: Maximilian Eggestein ist auf dem absteigenden Ast, seit der Mittelfeldspieler mit der A-Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wird. Davy Klaasen wirkt matt; vielleicht, weil der Rekordeinkauf vom FC Everton zuvor fast ein Jahr ohne Spielpraxis war.

"Individuell sind wir nicht auf dem alten Level", gibt Kohfeldt zu. Zur Unzeit muss der 36-Jährige nun auch die komplette Innenverteidigung ersetzen, denn der verletzte Milos Veljkovic und der gesperrte Niklas Moisander fehlen.

Geschwindigkeit fehlt

Werder Bremens Spieler auf dem Weg zum Training

Werder Bremens Spieler auf dem Weg zum Training

Außerdem ist die fehlende Geschwindigkeit ein Kardinalproblem. Werder beschäftigt nach dem FC Bayern den zweitältesten Kader der Liga. Im direkten Duell war die Bremer Startelf mit 28,13 Jahren im Schnitt sogar ein wenig älter als jene der Münchner. Zweimal musste der überlaufene Abwehrchef Moisander (33 Jahre) zu Fouls greifen. Die Folge: Gelb-Rot.

Baumann aber sagt: "Ich glaube nicht, dass unser Kader zu alt ist. Bei den Gegentoren gegen Bayern hatten wir kein Teamproblem, die Zuordnung wurde in diesen Situationen nicht so umgesetzt.“

Wahr ist aber auch, dass sich Mittelfeldmann Nuri Sahin (30) vor dem 1:2 viel zu leicht von Thomas Müller abhängen ließ. Die Last-Minute-Verpflichtung von Borussia Dortmund hat bei Dynamik und Durchsetzungsvermögen erhebliche Defizite, ist daher als Backup für den verletzungsanfälligen Abräumer Philipp Bargfrede nur bedingt geeignet. Oft hebt der türkische Ex-Nationalspieler im Ballbesitz die Hände, weil er keine Anspielstation findet.

Thema in: Sportschau, Das Erste, 08.12.2018, ab 18 Uhr

Stand: 07.12.2018, 08:45

Darstellung: