Krise in Leverkusen - Ein Job für die Benders

Gefordert in Zeiten wie diesen: Lars (l.) und Sven Bender

Bundesliga

Krise in Leverkusen - Ein Job für die Benders

Von Tim Beyer

Elf Spiele, elf Punkte, nur Platz 13 - Leverkusen taumelt durch diese Spielzeit, auf glanzvolle Siege folgen Niederlagen, die ernüchtern. Es ist eine Phase, in der die Bender-Zwillinge für Bayer wichtiger denn je sind.

Man hat die Fußballer Lars und Sven Bender von Bayer Leverkusen zuletzt oft sehr nachdenklich gesehen, sie haben mit sich und ihren Mitspielern gehadert und manchmal sahen sie einfach nur niedergeschlagen aus. Leverkusen, das ist in diesen Herbstwochen 2018 ein sehr ambitionierter Verein, der großen Schwankungen unterliegt, und deshalb noch Probleme bekommen könnte.

Heiko Herrlich, der Trainer, hat zuletzt viel versucht, es hat nur nicht so richtig viel gebracht. Er hat mit Dreierkette gespielt und dann wieder mit vier Spielern auf einer Linie, er hat einen Angreifer aufgestellt und dann wieder drei. Einmal gewann Leverkusen hintereinander 6:2 gegen Bremen in der Liga und 5:0 gegen Gladbach im Pokal, nur um dann gegen Hoffenheim und Leipzig zu verlieren und dabei sieben Gegentore zu kassieren. Die Mannschaft von Bayer Leverkusen, in der sich lauter Hochbegabte wie Jonathan Tah, Julian Brandt, Leon Bailey oder Kai Havertz tummeln, sie ist in diesen Tagen das größte Rätsel der Bundesliga.

Was läuft da nur schief?

Ein Drittel der Bundesligasaison ist absolviert und Leverkusen ist der Abstiegszone näher als den Champions-League-Plätzen. Zuletzt, nach der Niederlage in Leipzig, hat Kevin Volland Dinge gesagt, die man heute so nur noch ganz selten hört. "Es hatte heute keine Struktur, es war jeder für sich. Oft wurde im falschen Moment gespielt, zu viele Bälle gingen verloren, das war gar nix", sagte Volland. Es wirkte wie eine Abrechnung mit der Mannschaft, es war aber auch kein Kompliment für den Trainer. Sicher lag Volland nicht ganz falsch, auch wenn er seine Kritik vielleicht besser intern geäußert hätte.

Stehen für das kämpferische Element: Sven und Lars Bender (r.)

Stehen für das kämpferische Element: Sven und Lars Bender (r.).

Am Freitagabend (23.11.2018) eröffnet Leverkusen den zwölften Spieltag mit einem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, es spielt dann der Tabellendreizehnte gegen das Schlusslicht, für den Moment ist das weit entfernt vom Glamour der Champions League. Es ist ein Szenario, in dem Spieler Lars und Sven Bender noch wichtiger werden könnten als sie es ohnehin schon sind.

Lob von Hrubesch

"Charakterlich top, die schonen sich nie. Die stehen für mich für einen ehrlichen Fußball", hat Horst Hrubesch, einst im Nachwuchs des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Trainer der Benders, kürzlich gesagt. Er sprach über Lars, den Kapitän und unverzichtbaren Sechser, und Sven, den ebenso unabkömmlichen Innenverteidiger. Auch in Leverkusen weiß man nur zu gut, was man an den Spielern hat. Inmitten all der Techniker und Künstler, man denke nur an die schon erwähnten Brandt, Havertz und Bailey, verkörpern die Bender-Brüder das kämpferische Element, das denen, die öfter im Mittelpunkt stehen, mitunter abgeht.

In den vergangenen Wochen aber konnte man durchaus das Gefühl bekommen, dass die beiden Defensivspieler mitunter fassungslos beobachteten, wie sich immer wieder Lücken vor ihnen auftaten. Sie schauten dann nachdenklich aus, und auch unzufrieden - mit ihren Mitspielern, der Fußballwelt und sicher auch mit sich selbst. In der Liste der besten Zweikämpfer der Liga wird Sven Bender mit 54,26 Prozent gewonnener Duelle auf Platz 84 geführt, Lars folgt mit 50,98 Prozent auf Rang 121. Es lief schon mal besser für das derzeit bekannteste Zwillingspaar im deutschen Fußball

"Ey Benders, da is noch Pfand drauf"

In einer Szene aus besseren Zeiten jonglieren die Benders in einer Umkleidekabine mit einer leeren Dose, sie tragen Trainingsanzüge der deutschen Nationalmannschaft und was sie dort mit dem kleinen Spielgerät anstellen, sieht locker und leicht aus. Da stehen sie also, und weil sie sich so ähnlich sehen, weiß man ohne Nummer und ohne Position nie so richtig, wer da nun wer ist. Jedenfalls nimmt ein Bender die Dose volley, sie fliegt auf eine von drei aufgestellten Mülltonnen zu und teilt dann ein Schicksal, das in den vergangenen Jahren viele gegnerische Angreifer ereilt hat: Die Dose landet in der ausgestreckten Hand von Manuel Neuer. Er sagt: "Ey Benders, da is ja noch Pfand drauf."

Die Benders waren vor einigen Jahren nämlich noch Teil der Nationalmannschaft, Lars etwas länger, Sven kürzer. Man vergisst ja so schnell: Es war die Zeit, in der solche Spielertypen bei Bundestrainer Joachim Löw noch gefragt waren, zumindest in bestimmten Situationen. Lars Bender hat 19 Länderspiele gemacht, er schoss auch vier Tore, das wichtigste bei der EM 2012 im Gruppenspiel gegen Dänemark. Weil er im Gegensatz zu Sven (sieben Länderspiele) nicht auf das Mittelfeldzentrum oder die Abwehrzentrale angewiesen ist, sondern auch einen wirklich passablen Rechtsverteidiger abgibt, hatte Lars bei Löw lange gute Chancen. Wer weiß, wie viele Länderspiele noch dazugekommen wären, wenn er nicht so oft verletzt gewesen wäre.

Und als Sven Bender zum bislang letzten Mal das Trikot der Nationalmannschaft übergezogen hat, gewann Deutschland 1:0 gegen England. Es war der 19. November 2013, das Tor erzielte Per Mertesacker, rechts hinten verteidigte Heiko Westermann, sein Pendant auf links war Marcel Schmelzer. Und davor räumten die Benders Seite an Seite ab, und sie machten das gut.

In Leverkusen hoffen sie nun, dass in den kommenden Wochen noch mehr solcher Auftritte dazukommen, nur eben im Vereinstrikot. Denn wenn Lars und Sven Bender gut spielen, das zeigt die Erfahrung, dann stimmt in Bayers Spiel die Statik und meist punktet der Klub dann. Und nichts braucht die Werkself gerade so dringend wie Punkte.

Stand: 21.11.2018, 08:31

Die Bundesliga-Tabelle

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16.VfB Stuttgart1411
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