Bundesliga

Kommentar: Niemand mehr da für Schalkes Zukunft

Von Jörg Strohschein

Der FC Schalke 04 sorgt mal wieder für Aufsehen. Der Klub entlässt seine komplette sportliche Führung. Der zuletzt so oft zaudernde Aufsichtsrat hat eine einschneidende Entscheidung getroffen. Aber wer stellt den Klub eigentlich für die Zukunft auf? Ein Kommentar.

Wie anders als mit einem lauten Knall sollen in diesen Tagen Entscheidungen beim FC Schalke 04 fallen? Am Sonntagmorgen (28.02.2021) gab es das nächste bemerkenswerte Kapitel aus rund 14 Monaten vom Berger Feld, das den ungebremsten Fall des Ruhrgebietklubs ins Bodenlose nahezu perfekt skizziert. Schalke wickelt sich ab.

Nach dem 1:5 beim VfB Stuttgart wurden Sportchef Jochen Schneider, Trainer Christian Gross, Teammanager Sascha Riether, Co-Trainer Rainer Widmayer und Fitnesstrainer Werner Leuthard freigestellt. Ein Vorgang, der selbst beim skandalerprobten S04 in seiner Komplexität einzigartig ist. Allerdings ist er auch folgerichtig. Und viel zu spät eingeleitet.

Schneider eine "lame duck"

Der Schalker Aufsichtsrat hat dem Absturz viel zu lange tatenlos zugesehen - und Sportvorstand Jochen Schneider weiterarbeiten lassen, obwohl dieser mit seinen Trainer - und Personalentscheidungen so oft falsch lag. So durfte man an seiner Sachkenntnis erhebliche Zweifel haben. Damit hat Schneider die einzigartige sportliche Krise geprägt.

Der 50-Jährige blieb selbst dann in seiner Funktion, als die Trennung zum Sommer bereits beschlossene Sache war - und Schneider eine "lame duck". Eine personelle Neuaufstellung wurde als nicht notwendig erachtet.

Schalke am Tiefpunkt

Der Abstieg ist nun kaum noch zu verhindern. Auch diese Dynamik hätte sich wohl vor einigen Wochen noch aufhalten lassen, hätte es im Aufsichtsgremium die nötige sportliche Kompetenz gegeben, um dies erkennen zu können. Auch das: Fehlanzeige.

An diesem Wochenende ist die Situation - nicht zuletzt durch den vermeintlichen Spieler-Aufstand der vergangenen Tage - eskaliert. Und Schalke gibt ein Bild in der Öffentlichkeit ab, das in seiner Selbstzerstörung seinesgleichen sucht. Die Botschaft dieses Sonntags aus Gelsenkirchen lautet: Schalke hat seinen Tiefpunkt erreicht.

Der Klub benötigt nicht weniger als einen Neuanfang auf allen Ebenen. Selten war ein Verein auch intern so beschädigt, wie es die Schalker derzeit sind. Und es stellt sich eine überaus wichtige Frage: Wer soll den Schritt in die Zukunft nachhaltig vorantreiben? Es ist ja kaum noch jemand da.