Schalke 04 - Tönnies als verschmähter Retter

Schalkes ehemaliger Präsident Clemens Tönnies

Kommentar

Schalke 04 - Tönnies als verschmähter Retter

Von Marcus Bark

Der FC Schalke 04 lehnt Hilfe von Clemens Tönnies ab, weil der die Bedingungen bewusst hoch legte. Nun steht er als verschmähter Retter da - will er genau das?

Clemens Tönnies singt gerne, und er hat nichts dagegen, wenn Videos von seinen Auftritten im Internet geklickt werden. Die Interpretation von Udo Lindenbergs "Ich mach mein Ding" ist sehr beliebt, vor allem, weil sie den Fleischunternehmer im Sommer 2020 bloßstellte, als sich in seiner Firma massenweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infizierten.

Offiziell trat er deshalb als Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zurück. Er müsse und wolle sich um seine Firma kümmern, sagte Tönnies. Viele Fans der Schalker waren froh, dass sie ihn los waren, weil sie vor allem auch die Alleingänge leid waren. Gleichwohl befürchteten sie, dass er irgendwann wieder auf der Matte stehen könnte, spätestens als Investor nach einer Ausgliederung, die er noch im Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrates verbal bewarb.

Ausgliederung als letzte Chance

In einem Interview, das kurz vor Silvester veröffentlicht wurde, bezeichnete er die Ausgliederung als letzte Chance für den Klub, der schon mit ihm auf rasanter Talfahrt war, sohne ihn diese aber nochmal beschleunigte.

Schalke 04 lehnt Millionen-Hilfe von Tönnies ab

Sportschau 07.01.2021 00:51 Min. Verfügbar bis 07.01.2022 ARD Von Mareike Zeck


Eine Ausgliederung wird es eventuell geben, aber nicht von heute auf morgen, denn darüber entscheiden die Mitglieder des Klubs. Da gilt es Fristen einzuhalten, die Coronalage zu berücksichtigen und eine satte Mehrheit von mindestens 75 Prozent der Mitglieder zu überzeugen.

Jeder kennt die Notlage

Die Millionen an Euro, die es so vielleicht geben wird, sind aktuell außer Reichweite. Schalke braucht aber jetzt Geld, um einen Kader aufzubessern, der - größtenteils mit dem Segen von Tönnies - einige Schwachstellen aufweist.

Da die Schalker hochverschuldet sind, die Verantwortlichen Engpässe zugaben und der Verein eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen benötigte, um im Juli einen Millionenkredit zu bekommen, weiß jeder um die finanzielle Notlage.

"Hallo, da bin ich wieder"

Einer nutzt sie sogar aus, um mal wieder virtuell auf dem Berger Feld vorbeizuschauen und zu winken: "Hallo, da bin ich wieder." Clemens Tönnies bot seine Hilfe an, durch die Blume und flankiert von Medien, die ihn schon immer flankierten. Tenor: Schalke hat noch eine Chance, und die heißt Clemens Tönnies! Der Retter, er ist wieder da.

Das war der Spin, das ist der Spin, und dieser Spin gefiel und gefällt Clemens Tönnies. Der vermeintliche Retter wollte, so die "Bild"-Zeitung, ein einstimmiges Votum von Aufsichtsrat und Vorstand für seine wie auch immer geartete Rettungstat.

Kein einstimmiges Votum

Am Dreikönigstag - so auch die Informationen der Sportschau - haben zwei der elf Aufsichtsräte allerdings die Hilfe abgelehnt. Tönnies, das erfuhr die Sportschau aus einem Vereinsgremium, wusste, dass er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kein einstimmiges Votum bekommen würde. Schon vor Weihnachten hatte es Vorgespräche gegeben, in denen mindestens ein Aufsichtsrat seine grundsätzliche Ablehnung kundgetan haben soll. Zumindest gilt das für einen möglichen Kredit, der in Höhe eines niedrigen achtstelligen Betrags im Raum stand.

Ein Kredit ist eine mögliche Form der "finanziellen Hilfe", von der nun im Zusammenhang mit Tönnies die Rede ist. Eine andere wäre, einen bestehenden Sponsorvertrag zu erweitern oder einen neuen abzuschließen. Wurstmarken gibt es im Imperium Tönnies genug.

Warum keine Schenkung?

Noch eine Möglichkeit ist die einer Schenkung. Das Vermögen von Clemens Tönnies soll deutlich mehr als eine Milliarde Euro betragen. Wenn ihm der Verein so sehr am Herzen läge wie behauptet, könnte er ihm dann nicht Geld schenken? Die fällige Schenkungssteuer, die angeblich diese Variante ausschließt, kann die bei solchen Dimensionen ein K.o.-Kriterium sein?

Der vermeintliche Retter steht jetzt als verschmähter Retter da, der später sagen kann: Ihr wolltet meine Hilfe ja nicht. Was ja falsch ist, denn eine satte Mehrheit stimmte im Aufsichtsrat für die Hilfe. Warum reicht Clemens Tönnies das nicht? Geht es ihm vielleicht um Clemens Tönnies und gar nicht so sehr um Schalke? Oder, um es mit Herbert Grönemeyer zu grölen: "Was soll das?"

Stand: 07.01.2021, 12:04

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