Kommentar - Schalke und die Rückkehr des Großvaters

Mike Büskens und Huub Stevens

Stevens und Büskens übernehmen in Schalke

Kommentar - Schalke und die Rückkehr des Großvaters

Von Steffen Simon

Anders als der VfB Stuttgart verlässt Schalke 04 den modernen Weg, entlässt Trainer Domenico Tedesco und setzt mit Huub Stevens auf eine alternde Klubikone. Der Erfolg wird so nicht zurückkehren - aber die Rettung dennoch gelingen, kommentiert Sportschau-Chef Steffen Simon.

Schalke Mitte März ist wie Stuttgart Mitte Februar. Wankende Tradition kurz vorm Absturz. Beide Klubs sind zunächst den gleichen Weg gegangen, einen neuen, ungewöhnlichen. Statt wie üblich den Trainer zu feuern, standen beide unerwartet mit neuen Managern da. Stuttgart mit Thomas Hitzlsperger (Lieber VfB, dass uns auf diese Weise unser Tiptopbombe-ARD-Experte abhandengekommen ist, werde ich noch sehr lange übel nehmen!), Schalke mit Jochen Schneider. Beide keine üblichen Verdächtigen. Ab dann hört es mit den Gemeinsamkeiten auf.

Hitzlsperger hatte in Stuttgart eine sehr hohe Meinung von seinem Trainer Markus Weinzierl, sowohl menschlich, als auch fachlich. Trotz fehlender Erfolge hatte der seine Mannschaft noch nicht verloren. Auf Schalke entstand vor zwölf Monaten noch scheinbar Großes, da wuchs etwas heran, das nicht nur in der Vizemeisterschaft endete, sondern von Dauer zu sein schien. Nicht erst seit heute ist alles kaputt, die Führungsmethoden von Trainer Domenico Tedesco wurden immer wirrer, die Gelsenkirchener Kabine ist ein zwischenmenschlicher Trümmerhaufen.

Schneider nicht fest in seinem Auftreten

Hitzlsperger sah eine realistische Chance, wenn er ins Risiko gehen und trotz der prekären Tabellensituation personell keine Änderungen herbeiführen, sondern an seinem Trainer festhalten würde. Er war von Anfang an klar und fest in seinen Überzeugungen, trat entsprechend auf. Seitdem präsentiert sich der VfB auf dem Platz geschlossen und ist wieder konkurrenzfähig. Ich bin überzeugt, dass Stuttgart nicht absteigen wird.

Schneider sah diese Chance offensichtlich nicht. Und er war nicht fest in seinem Auftreten. Erst sagte er nichts, gab dann nach einer vermeintlich spielerischen Verbesserung beim 2:4 in Bremen ein bisschen Unterstützung für Tedesco und zelebrierte schließlich nach dem 0:7-Desaster von Manchester eine Entlassung wie in Zeitlupe. Hier fehlen die klare Linie und das klare Konzept.

Großer Respekt, aber Stevens ist ein Großvater

Ich habe maximalen Respekt vor der Lebensleistung von Huub Stevens. Maximalen! Aber er ist aus Sicht einer in sich zerrütteten Gruppe von bocklosen Topverdienern Mitte Zwanzig mit seinen 65 Jahren ein Großvater. Ein Mensch aus einer anderen Zeit, für den sie sich nicht interessieren.

Ich glaube nicht daran, dass der Erfolg nach Schalke zurückkehrt. Ich glaube aber auch nicht, dass Schalke absteigt. Dafür sind Nürnberg und Hannover am Tabellenende zu schlecht und aus der 2. Bundesliga droht im Falle einer Relegation Stand heute keine allzu große Bedrohung.

Stand: 15.03.2019, 17:32

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