Kommentar: Hoeneß schadet Neuer

Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei einer Pressekonferenz am 30.08.

Nach Poltereien des Bayern-Präsidenten

Kommentar: Hoeneß schadet Neuer

Von Marcus Bark

Uli Hoeneß bringt Marc-André ter Stegen in Misskredit, obwohl ihm jegliche Grundlage dafür fehlt. Letztlich schadet er damit sogar Manuel Neuer, den er angeblich nur schützen will. Ein Kommentar.

Diskussionen um den Torhüter der deutschen Fußballnationalmannschaft haben eine Tradition. Sie laufen auch traditionell aus dem Ruder.

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, sagte vor dem Spiel seines Klubs in der Champions League gegen Roter Stern, dass sich der DFB in der aus dem Ruder gelaufenen Diskussion um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen endlich mal klar äußern solle. Die Tage danach zeigen, dass diese Forderung berechtigt ist.

Der Deutsche Fußball-Bund sollte klar sagen: "Sehr geehrter Herr Hoeneß, hören Sie auf mit dieser Kampagne gegen ter Stegen, denn sie beruht auf einem abstrusen Konstrukt." Hoeneß spinnt sich in seinen beiden folkloristischen Polterauftritten etwas zusammen. Er will ter Stegen für etwas "in die Ecke stellen" lassen (bei dieser Wortwahl schaudert es einen schon), das der gar nicht getan hat.

Zurück zur Quelle

Es bietet sich bei Diskussionen, die aus dem Ruder laufen, immer an, an die Quelle zurückzugehen. In der Causa Neuer/ter Stegen ist dies eine Werbeveranstaltung eines Sportartikelherstellers. Der Torhüter des FC Barcelona sagte, dass die vergangene Länderspielreise ein "harter Schlag" für ihn gewesen sei.

Er hatte in den beiden Spielen der Qualifikation zur Europameisterschaft nur auf der Bank gesessen. Dass Bundestrainer Joachim Löw nach dem Sieg in Belfast gegen Nordirland sagte, er habe nach der Niederlage zuvor gegen die Niederlande "nicht auch noch den Torhüter wechseln" wollen, lässt zusammen mit der Aussage ter Stegens vom harten Schlag vermuten, dass es eine Zusage für einen Einsatz gegeben hat. Reine Spekulation.

Wollen ist nicht fordern

Fakt ist: Ter Stegen äußerte sich bei dem PR-Termin mit keiner Silbe direkt über Manuel Neuer. Das bestätigte einen Tag später Manuel Neuer in Leipzig. Dass er nach dem Bundesligaspiel an den Teamgeist ter Stegens appellierte, war daher überzogen, aber noch im Rahmen. Der Zwist war allerdings nun da. Ter Stegen kritisierte Neuer bei einer Pressekonferenz persönlich, aber es ging nur um die Aussagen in Leipzig, die "unpassend" gewesen seien.

Nie behauptete ter Stegen, er sei besser als Neuer. Nie sagte er, dass er die Nummer eins sein müsse. Er akzeptierte nolens volens, dass Neuer nach langer Verletzungspause bei der WM in Russland spielte. Er akzeptierte auch, dass Löw nach der WM sagte, dass Neuer bis mindestens zur Europameisterschaft 2020 die Nummer eins bleibe.

Ter Stegen will die Nummer eins werden, und wollte das ein Torwart des FC Barcelona nicht, der seit Jahren mit Leistung überzeugt und auch fußballerisch auf dem Niveau von Neuer liegt, wäre das merkwürdig.

Hoeneß missachtet die Fakten

Uli Hoeneß missachtet – nicht zum ersten Mal in den vergangenen Monaten – die Fakten. Er biegt sich etwas zurecht, um einen Nationalspieler in Misskredit zu bringen. Er fordert sogar eine Entschuldigung von ter Stegen. Wofür? Warum?

Der erste Auftritt nach dem Spiel gegen Belgrad war schon peinlich. Dass Hoeneß einen Tag später nachlegte, zeigt, dass er nicht mehr reflektiert. Hoeneß schützt gerade nicht seinen Spieler. Er läuft aus dem Ruder. Letztlich schadet er Manuel Neuer sogar. Mit seinen wüsten Angriffen treibt Hoeneß viele von denen auf die Seite ter Stegens, denen es bislang egal war, wer von den beiden im Tor der Nationalmannschaft steht, weil beide außergewöhnlich gut sind.     

Disclaimer: Der Autor ist über den Regionalverein "Verband Westdeutscher Sportjournalisten" Mitglied im "Verband Deutscher Sportjournalisten".

Stand: 20.09.2019, 11:29

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