Kommentar zur Bundesliga: Konsequent und am Ende erfolgreich

Die Auswechselspieler von RB Leipzig auf der Tribüne

Nach dem Saisonfinale

Kommentar zur Bundesliga: Konsequent und am Ende erfolgreich

Von Steffen Simon

Geisterspiele sind nicht schön, sie waren aber notwendig, um Vereine finanziell zu retten. Und mehr hat die DFL auch nicht versprochen. Ein Kommentar.

Mir fehlt das soziokulturelle Erlebnis Fußball. Mit den Kumpels im Stadion oder dicht an dicht in der Kneipe. Durch Geisterspiele wird der Fußball zur Nebensache, und nicht zur schönsten der Welt.

Man kann der DFL nicht vorwerfen, dass sie uns belogen hätte. Ihr Vorstandsvorsitzender Christian Seifert hat immer offen gesagt, dass Geisterspiele nicht schön, aber die einzige Möglichkeit zum Überleben vieler Klubs der Bundesliga und 2.Bundesliga seien.

Der 12. Mann fehlt

Warum Vereine einen dreimonatigen Lockdown nicht überleben können - trotz einer Steigerung der Medienerlöse um 85 Prozent drei Jahre zuvor - verdient Kritik an einer Branche, die an ihrer eigenen Gier zu ersticken droht.

Sie haben uns aber nie gesagt, "wir spielen für Euch". Sie spielen für sich und das konsequent. Taktiknerds fanden das Gekicke ohne Emotionen von den Rängen anfangs super, weil der Fußball auf das reine Spiel zurückgeworfen wurde. Mir fehlt die zwölfte Frau/der zwölfte Mann. Kleine wachsen nicht mehr über sich hinaus, weil kein Support da ist, der sie groß machen könnte.

Blaupause für internationalen Fußball

Und trotzdem habe ich Respekt vor der Leistung aller Beteiligten, auch der der DFL. Zu einem Zeitpunkt, an dem niemand einen Plan hatte, ob und wie es trotz der Corona-Pandemie weitergehen könnte, haben die deutschen Liga-Verantwortlichen einen Weg gefunden, der eine Vollendung der Saison ermöglichte. Dadurch sind nicht nur die eigenen Klubs und die eigene Meisterschaft gerettet worden, sondern es wurde zugleich eine Blaupause entwickelt, die international Anwendung fand.

Jürgen Klopp hat einen Dank in Richtung seiner deutschen Heimat gerichtet. Ohne das Hygienekonzept der DFL wäre die Saison in England womöglich nicht beendet worden und Liverpool müsste im 31. Jahr auf die erste nationale Meisterschaft warten. Dass Liverpool am Ende doch Meister werden konnte, führte trotz der Sterilität zu großer Emotion und Romantik.

Es war wirklich eine schräge Saison. Hoffentlich bleibt uns das baldmöglichst alles erspart. Ich sehne mich nach dem Fußball, der mich bis zum März durch mein ganzes Leben begleitet hat.

Stand: 28.06.2020, 17:10

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