Beendet die Saison regulär - wann auch immer

Achraf Hakimi (L) im Zweikampf mit Bayerns Kingsley Coman

Kommentar

Beendet die Saison regulär - wann auch immer

Von Marcus Bark

Die Fußball-Bundesliga will im Mai wieder ihren Spielbetrieb aufnehmen. Ob das geht, ist fraglich. In Zeiten der großen Unsicherheit kann die DFL trotzdem Klarheit schaffen. Sie sollte entscheiden, dass die Saison auf jeden Fall regulär beendet wird, wann immer dies auch sein mag.

Der Kalender hilft in den Zeiten der Corona-Pandemie nur, um zu wissen, welcher Tag gerade ist. Ansonsten sind da nur Fragezeichen. Bundesliga wieder ab 2. Mai? Vielleicht. Oder ab 9. Mai? Vielleicht. Ab Juni? Vielleicht auch erst wieder im September.

Wir gieren derzeit in allen Bereichen des Lebens nach einer Gewissheit, nach einem Datum. Wir wollen im Kalender dick und fett rot markieren, wann wir wieder all das machen können, was wir derzeit so vermissen. Das geht aber nicht.

Gewissheit in ungewissen Zeiten

Trotzdem können Entscheidungen getroffen werden. Die Deutsche Fußball Liga könnte entscheiden, dass die Saison abgebrochen wird. Sie sollte aber das Gegenteil tun und sagen: Wir spielen diese Saison zu Ende, wann immer dieses Ende auch sein wird.

Dann hätte Werder Bremen die Gewissheit, sich noch vor dem Abstieg retten zu können, dann hätte Arminia Bielefeld die Gewissheit, in die Bundesliga aufsteigen zu können. Klar, wenn die Saison jetzt abgebrochen würde, gäbe es diese Möglichkeiten auch. Aber die Fragen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem Gericht beantwortet.

DFL-Boss Seifert: Stadien bleiben erstmal leer Sportschau 31.03.2020 00:37 Min. Verfügbar bis 31.03.2021 Das Erste

Die Saison auf jeden Fall zu Ende spielen zu lassen, birgt auch Probleme, vor allem auch juristische. Wie sieht es mit den Verträgen aus? Den Verträgen zwischen Spielern und Vereinen, denen zwischen der DFL und den Medienrechteinhabern? Wie sieht es mit der Transferperiode aus? Alles schwierige Fragen.

Transferperiode wäre keine Wettbewerbsverzerrung

Eine Fortsetzung der Saison bis in den Herbst, Winter oder gar ins Jahr 2021 hinein ist ohne Transferperiode nicht vorstellbar. Es hieße also, dass Vereine ihren Kader irgendwann nach dem 25. und vor dem 34. Spieltag noch neu sortieren dürfen. Das Argument, dies verzerre den Wettbewerb, ist valide.

Allerdings: Ist es das dann nicht in einem Winter genauso? Auch da gilt, wer mehr hat, kann mehr ausgeben, und wer wenig hat, gibt es trotzdem aus, weil er verzweifelt ist. So ist es seit Jahrzehnten, das wird sich in wirtschaftlich äußerst angespannten Zeiten vielleicht sogar ein bisschen bessern.

In Europa ist Pragmatismus gefragt

Eine weitere Schwierigkeit: Wie sieht es mit den europäischen Wettbewerben aus? Wen schickt die Bundesliga in Champions und Europa League, wenn die Liga noch nicht durch ist? Eine berechtigte Frage, auf die es keine Antwort gibt. Es ist verzwickt, denn der europäische Verband UEFA wird mit der Einladung nicht warten, wenn die Bundesliga sich verspätet.

Könnte eine Lösung sein, dass die Mannschaften, die zum Ende einer von der UEFA gesetzten Frist die entsprechenden Plätze belegen, dann auch in den europäischen Wettbewerben starten? Mit Pragmatismus und Konsens - der ja derzeit so beschworen wird - sollte auch das zu lösen sein.

Wie sieht die Saison 2020/21 aus?

Eine letzte wichtige Frage, die sich bei einer bedingungslosen Fortführung der Saison bis zum 34. Spieltag mit anschließender Relegation stellt, ist diese: Wie sieht die Saison 2020/21 aus?

Meisterrunde, Playoffs - verschiedene Modelle möglich

Hier können in den kommenden Monaten Modelle entwickelt werden. Vielleicht wird nur eine Halbserie gespielt. Vielleicht wird auch nach der Hinserie die Liga in eine Meister- und eine Abstiegsrunde geteilt. Dann gibt es vielleicht Playoffs, die bei großer Zeitnot mit nur einem Spiel entschieden werden. Wer verliert, ist raus.

Diese Lösungen werden vielen Traditionalisten zuwider sein. Aber die aktuelle Situation, die so außergewöhnlich ist, dass sie in den Statuten der DFL gar nicht berücksichtigt wird, erfordert den Mut, zumindest mal für ein Jahr kreativ zu sein.

Stand: 06.04.2020, 11:51

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