Bayern Meister, Verfolger zementiert - es braucht Veränderungen

Bayerns Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Benjamin Pavard jubeln, Axel Witsel und Throgan Hazard von Dortmund sind enttäuscht

Der Kommentar

Bayern Meister, Verfolger zementiert - es braucht Veränderungen

Von Marcus Bark

Schon wieder ist der FC Bayern Meister geworden, obwohl er Vieles dafür getan hat, einem anderen Verein den Vortritt zu lassen. Die eintönige Liga ist ohne abwechslungsreichen Titelstreit kaum noch zu vermarkten. Auch dahinter fehlt es an einem gesunden Wettbewerb, daher müssen Veränderungen her. Der Kommentar.

Nach dem 28. Spieltag war es dieses Mal so weit. Die Bayern wurden wieder Meister. Das war nach dem 1:0-Sieg der Münchner bei Borussia Dortmund, auch wenn es rechnerisch noch Möglichkeiten... und so weiter und so fort.

Es ist schon ein bemerkenswertes Zeichen für die Stärke der Bayern, aber vor allem auch für die Schwäche der Konkurrenz, dass die Meisterschaft praktisch nach dem 28. Spieltag entschieden war. Immerhin wiesen diese Bayern nach der Hinrunde, also dem 17. Spieltag, noch vier Punkte Rückstand auf den Tabellenführer aus. Der hieß damals RB Leipzig. Es ist fast schon grotesk, sich den Verlauf der Saison nochmal vor Augen zu führen, denn nach dem 15. Spieltag war sogar der FC Schalke 04 besser als die Münchner.

Als die Bayern schwächelten, war niemand da

Von den 17 Spielen bis Weihnachten gewannen die Bayern nur zehn. Sie wechselten den Trainer, weil sie weit unterdurchschnittlich punkteten und unter Niko Kovac häufig auch mäßig attraktiven Fußball spielten.

Als die Bayern schwächelten, war niemand da, der entscheidend enteilte. Im Gegenteil: Borussia Dortmund holte in der Hinrunde drei Punkte weniger als die Münchner. Sie hatten den Titel zum Ziel erklärt, teuer eingekauft (Julian Brandt, Thorgan Hazard, Nico Schulz), kamen aber erst auf Touren, nachdem nochmal teuer eingekauft worden war - mit Erling Haaland und Emre Can.

Vor der Saison hatten die Dortmunder die Strategie gewechselt, die Meisterschaft als Ziel ausgegeben. Sie scheiterten. Für dieses Scheitern gibt es viele Gründe, einer davon ist die herausragende Rückrunde des FC Bayern.

Bundesliga als "Ein-Verein-Show"

Die Gründe werden aber nicht in die Schale graviert. Dort ist abzulesen, dass die Bundesliga an der Spitze eine Ein-Verein-Show geworden ist. Dahinter mühen sich mit Dortmund und Leipzig zwei Klubs, die zu schwach für die Bayern, aber vermutlich auch mittelfristig stärker als die sonstige Konkurrenz sein werden. Das heißt: Für ein Viertel bis ein Drittel der Klubs geht es um exakt einen Platz in der Champions League. Das befördert ein von Ökonomen so bezeichnetes "Rattenrennen". Klubs investieren riskant, um ein Ziel zu erreichen, die Mehrheit muss aber scheitern. Passiert das häufiger, drohen sportlicher Absturz und wirtschaftliche Probleme. Als Warnung: Hamburger SV, VfB Stuttgart, Werder Bremen. Der FC Schalke 04 könnte der nächste sein.

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Sportschau 16.06.2020 01:31 Min. Verfügbar bis 16.06.2021 ARD

Allesamt sind Klubs, die mehrfach Meister wurden, manche sogar in diesem Jahrtausend. Klubs, die in den vergangenen Jahrzehnten sehr häufig in erbittertem Wettbewerb zum FC Bayern standen. Inzwischen sind sie Lichtjahre entfernt. Weil andere Akteure, teilweise üppig alimentiert und daher mit geringerem wirtschaftlichen Risiko, nach vorne kamen. Aber auch, weil das System einen Fehler hat. Das Geld, vor allem das aus dem Verkauf der Medienrechte, wird so verteilt, dass die Verhältnisse zementiert werden. Der Wettbewerb wird so unterhöhlt. Das fördert die Vermarktung des FC Bayern, der ohnehin schon einen auf absehbare Zeit nicht einzuholenden Vorsprung hat, aber es schadet der Vermarktung der Bundesliga.

Bundesliga braucht Wettbewerb

Es wird derzeit viel darüber geredet, dass sich nach Corona im Fußball vieles ändern muss. Es gibt bislang nur Absichtserklärungen, substanzielle Vorschläge etwa zu einer Gehaltsobergrenze oder einer Regulierung des Transfermarktes fehlen. Die Akteure müssen nachdrücklich daran erinnert werden, dass sie ihr Produkt wieder für Fußballfans attraktiver machen. Dazu gehört auch ein Wettbewerb.

Stand: 16.06.2020, 22:51

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