Die Probleme und das Restprogramm

Bundesliga - Augsburg, Hoffenheim und Bremen plötzlich in Not

Von Christian Hornung

Es sah lange so aus, als würde das Quintett aus Schalke, Köln, Hertha, Mainz und Bielefeld die Absteiger unter sich ausspielen. Doch nach rasanten Talfahrten ist das Trio Augsburg, Hoffenheim und Bremen plötzlich mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt - was läuft da schief?

FC Augsburg, 33 Punkte, 29:42 Tore, Tabellenplatz 11

Kein Tor gegen Schalke (0:1) und auch kein Tor gegen Bielefeld (0:0) - die aktuelle Verfassung des FCA ist beängstigend. Momentan muss man sehr lange suchen, um ein offensiv ideenloseresTeam als den FC Augsburg zu finden. Aber eine Gefahr besteht bei den bayerischen Schwaben definitiv nicht: die des Schönredens.

Wohl sehr selten in den vergangenen Bundesligajahren hat ein Vereinspräsident derart deutliche Worte für die fortgesetzten Zumutungen seiner Profis gefunden wie Klaus Hofmann nach der Nullnummer gegen Arminia Bielefeld. Als "grausam" bezeichnete er das, was er da auf der VIP-Tribüne ertragen musste und spottete: "Zumindest mal drei Pässe hintereinander zum eigenen Mann zu bringen, das wäre schon mal ein Anfang."

Herrlich erkennt die harte Kritik an

Trainer Heiko Herrlich verkroch sich daraufhin nicht etwa beleidigt in eine Ecke, sondern räumte ein, der Präsident habe "selbstverständlich das Recht", sich so zu äußern. Und: "Die Kritik ist sicherlich auch berechtigt." Im Spiel nach vorne müsse seine Mannschaft mutiger sein - und beim Spiel ins letzte Drittel "müssen wir uns auf jeden Fall verbessern". Immerhin: Im Training klappe dies "in der Regel schon sehr gut", lobt der Trainer, was allerdings ein bisschen so klingt, als sei man gerade noch in der Saisonvorbereitung und nicht schon vor dem 30. Spieltag.

Das Restprogramm mit noch drei Auswärtsspielen taugt auch nicht unbedingt als Mutmacher, zumal alle fünf Gegner durchaus noch Ziele haben. Ob es ein Vorteil ist, in den beiden Heimspielen gegen zwei direkte Konkurrenten anzutreten (Köln und Bremen), lässt sich dabei erst hinterher beantworten - die Erfahrungen aus dem Doppelpack Schalke/Bielefeld legen aber eher den gegenteiligen Schluss nahe.

Restprogramm FC Augsburg
AuswärtsEintracht FrankfurtDi., 20.04.21, 20.30 Uhr
Heim1. FC KölnFr., 23.04.21, 20.30 Uhr
AuswärtsVfB StuttgartSo., 09.05.21, 18 Uhr
HeimWerder BremenSa., 15.05.21, 15.30 Uhr
AuswärtsBayern MünchenSa., 22.05.21, 15.30 Uhr

1899 Hoffenheim, 32 Punkte, 41:47 Tore, Tabellenplatz 12

TSG-Trainer Sebastian Hoeneß braucht noch Punkte für die Rettung | Bildquelle: Uwe Anspach/dpa

Wenn es nur noch gegen Top-Mannschaften der Bundesliga gehen würde, müsste man sich um 1899 Hoffenheim kaum Sorgen machen. Bei den beiden 0:0-Spielen gegen Bayer Leverkusen und zuletzt bei Titelkandidat RB Leipzig agierte die Mannschaft von Sebastian Hoeneß kompakt, verteidigte als Team hervorragend und hätte mit etwas Glück sogar beide Spiele auch gewinnen können - so wie das am 24. Spieltag auch gegen Champiomns-League-Aspirant VfL Wolfsburg gelungen ist (2:1).

Aber aus den Top sechs wartet nun im Schlussspurt kein Gegner mehr, es geht sogar noch ins allerunterste Regal der Liga: Der FC Schalke und die Berliner Hertha kommen noch in die Sinsheimer Arena, ein Auswärtsspiel in Bielefeld steht auch noch auf dem Plan.

Probleme gegen einfach spielende Gegner

Da kommen dann schnell die jüngsten Pleiten gegen Augsburg und Mainz wieder hoch, bei denen es die Kellerkonkurrenten mit vergleichsweise simplen Mitteln schafften, Hoffenheim vor unlösbare Probleme zu stellen: harte Zweikampfführung, tiefstehende Deckung, schnelle Konter.

Kaum ein anderes Team war in dieser Saison allerdings von Verletzungen und Corona-Erkrankungen so betroffen wie die TSG. Allerdings beklagt man dieses Pech gerade in Hoffenheim auf einem hohen Niveau, weil der Kader auch in der Breite sehr gut besetzt ist: Sturmalternativen zum lange Zeit maladen Andrej Kramaric, der rechtzeitig zum Endspurt wieder besser in den Rhythmus kommt, wie Munas Dabbur, Ishak Belfodil, Ihlas Bebou, Georginio Rutter, Sargis Adamyan oder auch Offensivallrounder Christoph Baumgartner haben nicht mal die Bayern, wenn dort Robert Lewandowski ausfällt.

Restprogramm TSG 1899 Hoffenheim
HeimBorussia MönchengladbachMi., 21.04.21, 20.30 Uhr
AuswärtsSC FreiburgSa., 24.04.21, 15.30 Uhr
HeimFC Schalke 04Sa., 08.05.21, 15.30 Uhr
AuswärtsArminia BielefeldSa., 15.05.21, 15.30 Uhr
HeimHertha BSCSa., 22.05.21, 15.30 Uhr

SV Werder Bremen, 30 Punkte, 33:47 Tore, Tabellenplatz 13

Florian Kohfeldt und seiner Werderaner treffen in diesem Monat gleich zweimal auf RB Leipzig. | Bildquelle: Carmen Jaspersen/dpa

Vor fünf Spieltagen hatte Werder beinahe schon Planungssicherheit. Elf Punkte Vorsprung waren es nach einem Sieg gegen Frankfurt (2:1) und einem Remis gegen Köln (1:1) auf den Relegationsrang. Alles schien auf einen diesmal deutlich entspannteren Endspurt hinauszulaufen als noch im Vorjahr mit den beiden hochdramatischen Entscheidungsspielen gegen den 1. FC Heidenheim, in denen nur ein mehr geschossenes Auswärtstor den Klassenerhalt bedeutete.

Zu den 30 Punkten am 24. Spieltag ist aber bis jetzt keiner dazugekommen, und der Albtraum einer erneuten Relegation rückt näher und näher: Hertha auf Rang 16 ist nur vier Punkte hinter Bremen, hat aber auch noch eine Partie mehr in der Hinterhand. Dass Trainer Florian Kohfeldt vor dem Wegweiserspiel gegen Mainz seine Profis in die Pflicht nimmt und jegliche Ausreden verbietet, ist verständlich. Er selbst muss sich aber auch mehr einfallen lassen als zuletzt.

Werder fehlt der "Plan B"

Denn: Was Werder beim 1:4 in Dortmund fehlte, war neben einer Abwehr vor allem ein Plan B des Trainers. Der Plan A, das erklärte hinterher auch Kapitän Niklas Moisander, passte perfekt: sehr tief stehen, Dortmund weit rauslocken und dann in die Räume hinter den überschaubar schnellen Mats Hummels und Manuel Akanji Konter fahren. Klappte perfekt, bis aus der 1:0-Führung binnen fünf Minuten ein 1:2-Rückstand wurde. Danach klappte gar nichts mehr. Bremen fehlte jegliche Idee, wie man plötzlich selbst das Spiel nach vorn transportieren sollte. Ein, zwei gute Einzelaktionen von Maximilian Eggestein waren das einzig Vorzeigbare im weiteren Verlauf.

Jetzt gegen Mainz und auch am 33. Spieltag in Augsburg wird es kaum reichen, nur tief zu stehen und auf Umschaltmomente zu warten. Welche Antwort Kohfeldt auf diese Herausforderung findet, wird im Kampf um die Rettung vielleicht die entscheidende Komponente sein.

Restprogramm SV Werder Bremen
Heim1. FSV Mainz 05Mi., 21.04.21, 20.30 Uhr
Auswärts1. FC Union BerlinSa., 24.04.21, 15.30 Uhr
HeimBayer 04 LeverkusenSa., 08.05.15.30 Uhr
AuswärtsFC AugsburgSa., 15.05.21, 15.30 Uhr
HeimBorussia MönchengladbachSa., 22.05.21, 15.30 Uhr