Oliver Fink - "Bin dankbar für jedes Spiel"

Oliver Fink  im Trainingslager in Tirol

Ältester deutscher Feldspieler

Oliver Fink - "Bin dankbar für jedes Spiel"

Oliver Fink von Fortuna Düsseldorf geht als ältester deutscher Feldspieler in die neue Bundesliga-Saison. Als 37-Jähriger gehört er mittlerweile zu den Ausnahmen. Früher hätten sich die älteren Alphatiere in den Teams durchgesetzt. Das sei heute anders, sagt Fink im Interview.

Sind Sie sich bewusst, dass Sie der älteste deutsche Feldspieler in der Bundesliga sind?

Oliver Fink: Irgendein Superlativ lässt sich immer finden, wenn genügend Adjektive vorangestellt werden.

Erwischt. Dann lieber ein Quiz. Es gibt vier Feldspieler, die 40 Jahre und älter waren, als sie in der Bundesliga spielten. Wer sind diese Spieler?

Fink: Claudio Pizarro und Mirko Votava auf jeden Fall.

Pizarro ist quasi geschenkt, der andere schon deutlich schwieriger. Beide richtig. Kleine Hilfe beim nächsten: Hat auch bei Werder gespielt, ist bekannt geworden als Schlitzohr bei Borussia Dortmund.

Fink: Manni Burgsmüller.

Fehlt noch der Rekordhalter.

Fink (nach längerem Überlegen): Muss ich passen.

Klaus Fichtel. Er war bei seinem letzten Einsatz in der Bundesliga 43 Jahre, sechs Monate und zwei Tage alt. Sie sind im Juni 37 Jahre alt geworden. Wollen Sie mit 40 noch in der Bundesliga spielen?

Fink: Ich will das nicht kategorisch ausschließen, aber es ist schon relativ unwahrscheinlich. Mein Wunsch ist auch, nochmal in den USA zu spielen. Auslandserfahrung wollte ich schon immer mal sammeln.

Was glauben Sie, wie lange Sie es physisch noch schaffen, auf dem heutigen Niveau zu trainieren und zu spielen?

Fink: Die Bundesliga ist das Nonplusultra. Ich bin dankbar für jedes Spiel. Ich habe mir da aber jetzt keine persönlichen Ziele gesetzt, bis zu welchem Alter ich dabei sein will. Ich weiß natürlich, dass ich über den Zenit bin, was die Zeit meiner Karriere angeht. Es ist überschaubar, wie lange ich noch das Privileg genießen kann, Fußballprofi zu sein.

Oliver Fink im Trainingslager mit Fortuna Düsseldorf in St. Johann

Finks Fitnessrezept: gute Ernährung, gute Regeneration, Schwimmen, ein bisschen Yoga

Seit wann interessieren Sie sich für Fußball?

Fink: Mein Vater war Fußballtrainer, ich war mit meinem Bruder und meiner Schwester von klein auf dabei, wenn er auf dem Platz war. Mein erstes großes Erlebnis war die Weltmeisterschaft 1990.

Welche Spieler der deutschen Mannschaft waren für Sie damals schon alt?

Fink: Damals habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Ich fand es erst interessant, als ich in den Seniorenbereich gewechselt bin. Damals waren 80 Prozent der Mannschaft über 30, der Rest knapp über 20, wahrscheinlich eher Mitte 20. Heute ist es anders herum. 80 Prozent sind 20 oder knapp drüber, der Rest über 30. 35 ist ja schon eher die Ausnahme.

Wie erklären Sie sich diesen Wandel?

Fink: Gute Frage. Woran kann das liegen? Ich glaube, Fußball war früher einfach "männerdominiert". Du hattest schon das Gefühl, dass du erwachsen sein musstest, um in der Seniorenmannschaft zu spielen. Heute wird viel mehr Wert auf gute Ausbildung, Technik und Athletik gelegt. Das wird schon in den Nachwuchsleistungszentren forciert. Damals gab es so etwas nicht. Da haben sich die Älteren, die Alphatiere, durchgesetzt.

Wenn damals ein 18-Jähriger mit einem Ghettoblaster in die Kabine gekommen wäre, wäre was passiert?

Fink: Der Ghettoblaster wäre nicht lange gelaufen. Früher saßest du als junger Spieler in der Kabine in der Ecke, warst ruhig und hast gehofft, dass dich keiner anquatscht. Mittlerweile ist es auch wegen der antiautoritären Tendenzen in der Gesellschaft so, dass es flachere Hierarchien gibt, weil sich jeder ausleben soll. Ich glaube, dass dies auch leistungsfördernd ist.

 Sie haben im Dezember 2003 beim SSV Jahn Regensburg Ihr erstes Spiel als Profi bestritten. Was hat sich in all den Jahren für Sie verändert?

Fink: Bei mir ist ja alles ein bisschen anders verlaufen als bei vielen Kollegen, weil ich nie in eine Auswahl berufen wurde. Mein erstes Seniorenspiel war damals in der Landesliga - glaube ich. Ich bin dann fast jedes Jahr eine Liga höher gerutscht. Als ich in der Bundesliga ankam, war ich dann auch schon 30. Ich habe nach und nach adaptieren können. Am Anfang dachte ich immer, dass die 2. Liga oder Bundesliga so furchtbar weit weg ist. Aber bei einer guten Mannschaft und in einem guten Umfeld ist es leichter mitzuhalten.

Wie wandelte sich der Fußball generell in diesen Jahren?

Fink: Die bedeutendsten Veränderungen sind im athletischen Bereich und vor allem in der Taktik, so wie beim Gegenpressing. Früher hattest du am Ball mehr Zeit, es gab viele Techniker, viele Dribblings. Das funktioniert heute immer noch, aber nicht ohne die konditionellen Voraussetzungen.

Sie haben gerade Ihre 18. Vorbereitung im Sommer hinter sich. Was hat sich da geändert?

Fink: Es ist alles viel wissenschaftlicher geworden. Die Vor- und Nachbereitung von Trainingseinheiten, die Regeneration, die Analysen mit Videos. Das ist kein Vergleich mehr.

Der Waldlauf vor dem Frühstück ist Geschichte.

Fink: Den gibt es manchmal auch noch.

Ihr Trainer ist ja auch Friedhelm Funkel.

Fink: Stimmt. Obwohl ich sagen muss ...

Es war nur ein platter Scherz wegen des Klischees. Funkel gilt als sehr moderner Trainer, obwohl er die Bundesliga schon aus den Zeiten kennt, als Spieler noch Gras fressen und bis zum Erbrechen rennen sollten. Erzählt der Trainer oft von früher?

Fink: Selten. Wenn, dann nie von sich aus, dann muss man ihn danach fragen. Er ist niemand, der sagt, früher war das so und so oder sogar besser. Da bist du bei ihm an der falschen Adresse.

Es gibt auch heute noch im Training das beliebte Spiel Jung gegen Alt. Wann sind Sie zu Alt gewechselt?

Fink: Das ist schon lange her. Mit Mitte 20 bist du bei uns, bei den Alten, dabei.

Was machen Sie, um mit den Jungen mitzuhalten?

Fink: Gute Ernährung, gute Regeneration, Schwimmen, ein bisschen Yoga noch. Das ist kein Hexenwerk, ich mache da nichts Besonderes, aber alles ein bisschen bewusster.

Es ist zu lesen, dass sie die 50 Bundesligaspiele auf jeden Fall schaffen wollen.

Fink: Genau.

Klingt sehr bescheiden, Sie stehen bei 44. Ihr 45. Einsatz steht am Samstag (17.08.2019) bevor. Sie starten mit Fortuna Düsseldorf bei Werder Bremen in die Bundesliga. Was erwarten Sie von der Saison?

Fink: Wir dürfen das Ergebnis der vergangenen mit dem zehnten Platz nicht überbewerten. Wir wissen, das da vieles funktioniert hat. In diesem Jahr wird es sehr schwierig, in der Liga zu bleiben. Deswegen ist unser Ziel der 15. Platz.

Das Gespräch führte Marcus Bark.

DFB-Pokal: Villingen gegen Düsseldorf - die Zusammenfassung Sportschau 10.08.2019 09:11 Min. Verfügbar bis 30.06.2020 Das Erste

Stand: 14.08.2019, 08:00

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