Dominik Kaiser - das Gesicht von RB Leipzig verabschiedet sich

Dominik Kaiser

Interview mit dem früheren Kapitän zum Abschied

Dominik Kaiser - das Gesicht von RB Leipzig verabschiedet sich

Bei RB Leipzig wird es am Sonntag (13.05.2018) emotional: Dominik Kaiser verlässt nach sechs Jahren den Bundesligisten. Der 29-Jährige war Kapitän und "Gesicht des Vereins", wie Sportdirektor Ralf Rangnick sagt. Nun bekommt Kaiser ein Abschiedsspiel.

sportschau.de: Ein Abschiedsspiel mit 29 Jahren - klingt das nur für Leute außerhalb von Leipzig verrückt, oder auch ein bisschen für Sie?

Dominik Kaiser: Für viele war das schon vielleicht ein bisschen ungewöhnlich. Aber ich hatte ja klar gesagt, dass es für mich kein Abschied vom Fußball ist, sondern von Leipzig.

Wer hatte die Idee?

Kaiser: Die kam von unserem Direktor für Marketing und Kommunikation Florian Scholz. Im Februar haben wir überlegt, wie man das aufziehen könnte. Im März haben wir uns dann festgelegt. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, meine Zeit in Leipzig mit einem Pflichtspiel zu beenden und da noch mal 90 Minuten auf dem Feld zu stehen. Aber in der Zeit Februar/März kam ich nur sehr selten oder gar nicht zum Einsatz. Deswegen fand ich die Möglichkeit für ein Abschiedsspiel eine tolle Sache.

Trotzdem klingt das ein bisschen wie Karriereende ...

Kaiser: Ich traue mir schon zu, noch ein paar Jahre auf höchstem Niveau zu spielen. Es geht für mich keinesfalls bergab. Was ich in diesem Jahr weniger gespielt habe, kann ich hinten dranhängen.

Bleibt die unvermeidliche Frage, wo Sie nächste Saison spielen.

Kaiser: Es gibt noch nichts zu lüften. Ich brauche nicht lügen: Die Entscheidung ist wirklich noch nicht gefallen.

Lassen Sie uns zurückschauen: Wie viele Freunde und Bekannte haben 2012 den Kopf geschüttelt, als Sie vom Erstligisten Hoffenheim zum Viertligisten Leipzig gewechselt sind?

Kaiser: Wer mich nicht so richtig kennt, hat sich bestimmt gefragt, was ich in der Regionalliga Nordost will. Das kann ich auch nachvollziehen. Ich hatte damals die Hoffnung, in einer Mannschaft eine wichtige Rolle spielen zu können. Auch wenn es nur die vierte Liga ist.

Riskant war der Schritt aber schon.

Kaiser: Man muss sehen, dass ich 2012 kein fertiger Spieler war und auch keine 100 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel hatte. Ich war im Hoffenheimer Team, war ein ergänzender Faktor und hatte meine Einsätze. Zur Rückrunde wurde es aber immer dünner und schwieriger, bei einem anderen Topklub in der Bundesliga unterzukommen. Es gab ein paar Möglichkeiten in unteren Ligen. Bei RB hatte ich mit den handelnden Personen Ralf Rangnick und Alexander Zorniger ein gutes Gefühl und entschied mich für Leipzig.

Was war in den darauf folgenden sechs Jahren für Sie am Aufregendsten: Einer der drei  Aufstiege, das erste Bundesliga-Tor für RB oder die Champions League?

Kaiser: Da kann ich nicht den einen Moment rausnehmen. Der wichtigste Schritt für den Verein war der Aufstieg in die 3. Liga. Mit den Aufstiegsspielen durch das Nadelöhr Regionalliga zu kommen, war auch für mich der wichtigste Schritt. Aber auch das erste Bundesliga-Tor von RB werde ich nicht vergessen.

Können Sie mal den Fußball der obersten vier Ligen charakterisieren?

Kaiser: Der Sprung in die 1. Bundesliga war der größte, was die individuelle Qualität und die Geschwindigkeit vor allem mit dem Ball angeht. In der vierten Liga ging es vor allem darum, voll gegenzuhalten. Auch in der 2. Bundesliga wird sehr körperbetont gespielt.

Im Leben als Profi-Fußballer gibt es auch dunkle Zeiten. Wann waren die bei Ihnen?

Kaiser: Ich hatte fast nur positive Erlebnisse. Wir haben immer um den Aufstieg gespielt. Das letzte Jahr war für mich persönlich von den Einsatzzeiten betrachtet natürlich enttäuschend. Es war schwer, das zu verdauen, aber da muss man als Profi auch durch und die Situation so annehmen.

Seit 2017 lief es für Sie nicht mehr. Sind Sie ein Opfer des Spielsystems oder der Neuzugänge?

Kaiser: Des Spielsystems eher nicht. Auf meiner Position haben wir tatsächlich viele überdurchschnittliche Spieler. Die Größe und Stärke der Konkurrenz war mir bewusst. Dennoch war ich mir nach der Vorbereitung im Sommer sicher, die eine oder andere Chance mehr zu bekommen. Leider hat das nicht so gut funktioniert.

Oft standen Sie nicht mal im Kader. War es schwer, sich immer wieder zu motivieren?

Kaiser: Das geht sicher jedem Spieler so. Vor allem wenn man das Gefühl hat, gerade weit weg von der Startelf zu sein. Aber ich habe immer versucht, mich nicht zu sehr runterziehen zu lassen und das Beste aus der Situation zu machen. Denn wenn du plötzlich gebraucht wirst, musst du wieder 90 Minuten abliefern. Hätte ich mich hängen gelassen, hätte mir der Trainer zum Beispiel gegen Wolfsburg nicht das Vertrauen geschenkt.

Sie sind von eher ruhiger Natur, haben in den sechs Jahren bei RB nie öffentlich aufbegehrt. Waren Sie auch etwas zu zurückhaltend?

Kaiser: Das ist natürlich möglich, aber nicht so wahrscheinlich. Ich bin nicht der Typ, der Feuer legt und Unruhe in die Mannschaft bringt. Dafür ist das Team mir dann doch zu wichtig. Und selbst wenn ich wenig gespielt habe, hatte ich immer einen hohen Stellenwert im Team.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer, VDV, mahnt regelmäßig, immer eine Laufbahn jenseits des Sports im Blick zu haben. In welche Richtung könnte das bei Ihnen gehen?

Kaiser: Ich habe ja studiert, aber leider noch nicht abgeschlossen. Vielleicht steige ich da noch mal ein. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, im Fußball zu bleiben.

Was haben Sie studiert?

Kaiser: Sport und Mathematik auf Lehramt.

Am Sonntag feiern Sie Ihr Abschiedsspiel. Werden Tränen fließen?

Kaiser: Das wird sich zeigen. Letzten Samstag habe ich nur versucht, die Stimmung zu genießen. Vor allem bei der Auswechslung in der 89. Minute. Das war sehr emotional. Mal sehen, wie es am Sonntag läuft.

Das Gespräch führte Sven Kups

Stand: 11.05.2018, 14:53

Mehr zum Verein

RangTeamSP
1.Bor. Dortmund717
2.RB Leipzig714
3.Bor. M´gladbach714
4.Werder Bremen714
5.Hertha BSC714
 ...  
15.FC Schalke 0476
16.Hannover 9675
17.Fort. Düsseldorf75
18.VfB Stuttgart75
Darstellung: