Video-Assistent: Regelhüter wollen Schiedsrichter-Durchsagen im Stadion testen

Schiedsrichter Manuel Gräfe kommuniziert.

IFAB-Sitzung

Video-Assistent: Regelhüter wollen Schiedsrichter-Durchsagen im Stadion testen

Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des IFAB suchen nach einem Weg, die Transparenz beim Video-Assistenten zu verbessern. Die Schiedsrichter könnten ab Sommer zumindest testweise Durchsagen machen oder der Schiedsrichterfunk könnte im Fernsehen übertragen werden. Zumindest eine Idee stößt beim DFB auf Gegenliebe.

Das IFAB, das die Fußballregeln berät und beschließt, beschloss bei seiner Sitzung am Dienstag (04.12.2019) in Belfast, eine Testphase vorzubereiten, in der mehr Transparenz beim Video-Assistenten geschaffen werden soll.

"Wir wollen den Spielraum der Verbände möglicherweise vergrößern", sagte IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud im Gespräch mit sportschau.de. "Manchmal können Fans oder Spieler die Entscheidung nicht nachvollziehen. Wir überlegen, wie man das verbessern kann."

Ideen: Durchsagen der Schiedsrichter, öffentlicher Funk, Bilder im Stadion

Dabei würden verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Die naheliegenden sind:

  • Die Durchsage auf dem Platz: Der Schiedsrichter teilt seine Entscheidung im Stadion per Mikrofon mit.
  • Der Funk im Fernsehen: Zumindest im Fernsehen könnte teilweise der Funkverkehr veröffentlicht werden.
  • Die Bilder im Stadion: Auf den Videowänden im Stadion können Bilder die Entscheidung stützen und für mehr Akzeptanz sorgen.

Diese oder andere Vorschläge könnten bei einer Unterstützung durch das IFAB von den Verbänden zumindest in der Testphase individuell umgesetzt werden. Wenn sich eine Maßnahme bewährt, könnte sie in den kommenden Jahren Eingang in das Protokoll zum VAR (Video Assistant Referee) finden, das den Ablauf bestimmt.

Dabei hat die Durchsage auf dem Platz wohl die größte Chance, da sie technisch einfach umzusetzen und aus anderen Sportarten bekannt ist. Auch im American Football oder bei vielen Wettbewerben im Eishockey teilt der Schiedsrichter seine Entscheidung per Mikrofon mit

DFB steht Durchsagen offen gegenüber

Anzeigetafel in der Fußballbundesliga.

In der Bundesliga gibt es derzeit Texttafeln auf den Videowänden. Diese kommen spät, lassen manchmal Fragen offen und sind deshalb bei vielen Fans unbeliebt.

"Dass der Schiedsrichter auf dem Feld die Entscheidung kommuniziert, halte ich perspektivisch für eine gute Option", sagt Jochen Drees, Projektleiter Video-Assistent beim DFB. "So könnte man die Zuschauer stärker mitnehmen." Allerdings wisse man noch nicht, was genau vom IFAB vorgeschlagen werden wird. Deswegen sei es zu früh zu sagen, dass die Durchsagen des Schiedsrichters bald im deutschen Fußball zu hören sein werden.

Was er nicht will, weiß Drees dagegen jetzt schon: Einer Veröffentlichung des Schiedsrichterfunks: "Da ist es schwierig, den richtigen Moment zu identifizieren, der dann zur Veröffentlichung bereitgestellt werden würde. Derzeit halte ich das für nicht sinnvoll."

Entscheidung am 29. Februar

Eine Entscheidung, ob diese Testphase wirklich gestartet wird und welche Vorschläge das IFAB unterstützt, fällt am 29. Februar. Dann findet wiederum in Belfast die Generalversammlung des IFAB statt. Das ist der einzige Termin im Jahr, bei dem die Regeln des Fußballspiels verändert werden können. Stimmberechtigt sind traditionell die vier Verbände aus England, Wales, Nordirland und Schottland mit jeweils einer sowie die FIFA mit vier Stimmen.

Zuletzt hatte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin deutlich Kritik am Video-Assistenten geübt und Vorschläge für Änderungen angekündigt.

Stand: 04.12.2019, 18:59

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