Mit Haaland - stürmische Zeit beim BVB

BVB-Neuzugang Haaland: "Ich versuche, Spaß zu haben" Sportschau 10.01.2020 01:25 Min. Verfügbar bis 10.01.2021 Das Erste

Trainingslager Borussia Dortmund

Mit Haaland - stürmische Zeit beim BVB

Von Anne van Eickels (Marbella)

Der Hype um Erling Haaland ist groß. Viele Klubs in Europa wollten den 19-Jährigen. Der BVB hat den Stürmer bekommen. Und der ist ein ganz anderer Typ als sein Mitspieler Paco Alcácer.

So richtig wohl fühlt sich Erling Haaland nicht. Elf Mikrofone sind vor ihm auf einem Stehtisch aufgebaut. Haaland (19) setzt ein Poker-Gesicht auf. Der feste Blick aus den grün-braunen Augen fokussiert die Journalisten. Die schmalen Lippen bewegen sich schnell, wenn er seine kurzen englischen Sätze spricht. Haalands Stimme ist fest, klingt überzeugt.

Mit seinen 1,94 Metern, breitem Kreuz und den streng nach hinten gegelten, blonden Haaren wirkt der Norweger älter als er ist. "Machen Sie sich selbst ein Bild über meine Stärken, wenn Sie mich spielen sehen!" Die Antwort auf die Frage nach physischen und psychischen Stärken ist kurz und deutlich. Und für einen 19-Jährigen bei seiner ersten Pressekonferenz im neuen, großen Klub schon bemerkenswert. Kein verlegenes Herumdrucksen oder ein verschämtes "Das sollen andere bewerten".

Erling Haaland - Shootingstar und Hoffnungsträger

Sportschau 10.01.2020 02:08 Min. Verfügbar bis 10.01.2021 ARD

Alcácer und Haaland: Zwei völlig unterschiedliche Typen

Vor einem Jahr stand sein Dortmunder Stürmer-Kollege Paco Alcácer vor den Mikrofonen - an genau derselben Stelle, an der jetzt Haaland steht. Derselbe Ort - aber zwischen den beiden BVB-Stürmern liegen Welten. Nicht nur optisch. Der kleine Alcácer ist viel schüchterner, weicht in Interviews oft aus mit seinem Blick. Der Spanier mag es nicht, im Fokus zu stehen. Er fühlt sich am wohlsten auf dem Platz. Aber genau da war er in der Hinrunde einfach zu selten. Viele kleine Verletzungen, dann ein Infekt, und der Stürmer fehlte. Und dann fehlte ihm die Konstanz.

Erling Haaland (l.) mit Paco Alcacer

Paco Alcácer ist nicht zufrieden mit seiner Situation. Die Stimmung beim Spanier ist schlecht, auch weil seine Verlobte sich in Dortmund nicht so wohl fühlt. Er wolle in Zukunft gerne in die erste spanische Liga zurückkehren, sagte Alcácer zuletzt, ihm fehle das spanische Wetter, das Essen.

Kein aktuelles Angebot für Alcácer

Ein schneller Wechsel ist aber aktuell (noch) kein Thema. Sportdirektor Michael Zorc liegen keine Angebote vor, "über die man reden müsste". Lieber redet Zorc über seinen neuen Stürmer: "Ein lustiger, positiver Typ. Erling ist jemand, der um jeden Preis gewinnen will." Und genau diese Eigenschaft fehlte dem BVB in der Hinrunde. Mentalität sagen einige dazu. Auch wenn das "M-Wort" in Dortmund ja eigentlich ein Unwort ist.

Haaland und der BVB, das könnte eine Win-Win-Beziehung werden. Auch, weil der Norweger mit seiner Physis und Schnelligkeit ins Spielkonzept des BVB passt. Die schnellen Spieler auf den Außenbahnen haben mit Haaland in der Mitte jetzt eine Anspielstation. In den Trainingseinheiten in Marbella wird daher viel von außen in den Strafraum geflankt. Das ist Haalands Sektor. Paco Alcácer kam bisher eher aus der Tiefe, konnte zuletzt aber nur selten mit der Geschwindigkeit seiner Mitspieler Achraf Hakimi und Jadon Sancho mithalten. In der Mitte, vor dem Tor, war oft ein Loch. Das soll Erling Haaland jetzt besetzen - und nach seiner Verletzungspause kann und will der Norweger sofort spielen.

Haaland hatte bei Dortmund das beste Gefühl

"Ich bin nach Dortmund gewechselt, weil ich dort das beste Gefühl hatte", sagt Haaland. In diesem einen Satz, ganze sechs Sekunden lang, steckt viel Erklärungs-Potenzial. BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärt, wie er einen der begehrtesten jungen Stürmer in Europa nach Dortmund locken konnte. Der BVB sei für dieses Profil von Toptalenten aktuell die beste Adresse, so Zorc: "Wir geben ihnen auf höchstem Niveau Spieleinsätze und sie müssen bei uns lernen mit Drucksituationen umzugehen."

Zum sportlichen Druck kommt bei Haaland ein echter Hype. Seine 28 Tore in 22 Pflichtspielen für Salzburg versprechen viel. Und viele sehen in dem Norweger schon fast so etwas wie einen Erlöser. Aber der Stürmer sagt nur: "Ich versuche, nicht an den Druck zu denken."

Haalands Vater Alf-Inge ist in Marbella dabei

Sein Vater Alf-Inge, der im Trainingslager in Marbella bei den Einheiten am Platz zuschaut, ist sich sicher, dass Erling mit dem Hype umgehen kann: "Er hat sich auf die Aufmerksamkeit vorbereitet. Er geht ziemlich entspannt damit um." Alf-Inge Haaland war früher selbst Fußball-Profi, spielte in Leeds und bei Manchester City. Er sei aber lange nicht so gut wie sein Sohn gewesen, fügt der 47-Jährige mit einem Lachen hinzu.

Papa Haaland ist stolz, dass sein Sohn jetzt bei einem so großen Klub wie Dortmund spielt. Und Sohn Erling ist froh, dass er Unterstützung bekommt: "Es ist gut, dass er mir hilft. Er weiß, was auf mich zukommt und hat mich bei meinem Wechsel beraten. Schön, dass er an meiner Seite ist." Diese Antwort ist mit 15 Sekunden die längste in seinem ersten Pressegespräch mit den Journalisten im Trainingslager in Marbella. Und: Erling Haaland lächelt zum ersten Mal während der Fragerunde.

"Er gibt nicht gerne Interviews", hatte Alf-Inge Haaland schon vorher gesagt. Sein Sohn spiele eben am liebsten Fußball. Denn auf dem Platz fühlt sich Erling Haaland viel wohler als vor den Mikrofonen der Journalisten.

Stand: 10.01.2020, 19:51

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