Beleidigungen gegen Hopp - wie es weitergehen könnte

Anfeindungen der BVB-Fans gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp

Eklat in Sinsheim

Beleidigungen gegen Hopp - wie es weitergehen könnte

Was tun nach den erneuten Schmähungen gegen Hoffenheims Mehrheitseigner Dietmar Hopp? Wortmeldungen gibt es viele, Vorschläge ebenso. Auch Hopp selbst äußerte sich.

Der Eklat von Sinsheim und die Vorfälle in anderen Stadien haben für viele Diskussionen gesorgt. Die Verantwortlichen haben - zumindest verbal - Hass und Hetze den Kampf angesagt. "Es muss aufhören. Ich werde mich nicht mehr wegducken", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München, der den Rekordmeister an die Spitze der Bewegung "gegen die Feinde unserer Sportart" stellen möchte.

Die Bayern wollen die Täter ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. "Wir haben diese ganzen Vorkommnisse filmen lassen, wir werden mit aller Schärfe gegen die Verantwortlichen, die den FC Bayern diskreditiert haben, juristisch vorgehen und sie zur Rechenschaft ziehen", sagte Rummenigge. Zudem ermitteln der DFB-Kontrollausschuss und die Polizei Mannheim.

"Erfahrene szene- und ortskundige" Beamte sollen diese Gruppe bilden, teilte die Polizei mit. Zudem würden derzeit die Videoaufzeichnungen aus dem Stadion ausgewertet, "um vermeintliche Täter zu identifizieren. Den verbalen und nonverbalen Straftätern dürfen wir nicht das Feld überlassen", sagte Mannheims Polizeipräsident Andreas Stenger.

Hopp äußert sich

"Es ist leider eine neue Dimension erreicht. Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen", sagte Hopp am Sonntag bei Sport1. "Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten." Den Dialog mit Fangruppen will Hopp aber nicht mehr suchen. "Ich sehe keinen Sinn darin, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, denen ich noch nie etwas getan habe, die mich seit Jahren grundlos massiv beleidigen und gar keinen Konsens wollen", wurde er in einem Statement auf der TSG-Homepage zitiert.

Kollektivstrafe gegen Dortmunder Fans der Auslöser

In den Fan-Blöcken mehrerer Arenen hatte es am Samstag (29.02.2020) und auch am Sonntag offenbar abgesprochene Hass-Aktionen der Ultra-Gruppierungen gegeben. Vor allem die Münchner, bei denen Teile der Anhänger während der Partie bei der TSG für den größten Eklat gesorgt haben, wollen nun Taten sprechen lassen. "Wir wollen mit diesen Leuten beim FC Bayern nichts zu tun haben", sagte Rummenigge.

Die Liga solidarisiert sich mit Dietmar Hopp

Sportschau 29.02.2020 02:38 Min. Verfügbar bis 28.02.2021 ARD Von ARD-Reporter Jens Wolters

Auch bei der Partie zwischen Borussia Dortmund und dem SC Freiburg, dem Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 und dem Duell zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg hetzten Ultras gegen Hopp - wie schon am vergangenen Spieltag in Mönchengladbach. Als Auslöser gilt die zuletzt vom  DFB-Sportgericht ausgesprochene Kollektivstrafe gegen die BVB-Fans. Die Dortmunder Anhänger dürfen in den kommenden beiden Spielzeiten wegen ihrer Hopp-Schmähungen in der Vergangenheit nicht ins Sinsheimer Stadion.

Einheitliche Linie gefragt

Mit Worten und der Täter-Suche vonseiten der Klubs sowie den Ermittlungen durch den DFB-Kontrollausschuss wird es aber nicht getan sein. Der gesamte deutsche Fußball muss sich auf eine einheitliche Linie einigen. Das beginnt mit einer konkreten Definition, bei der die Frage geklärt werden muss, an welchem Punkt die Hetze (Rassismus, Homophobie) beginnt und der Schiedsrichter die Drei-Stufen-Vorgabe bis hin zum Spielabbruch umsetzen soll.

Zudem steht das Verhältnis der Vereine zu ihren Ultras auf dem Prüfstand. Während Rummenigge laut über den Rauswurf der Gruppierungen nachdenkt, dürften sich andere Klubs mit einer derartigen Maßnahme gegen die mittlerweile mächtigen Organisationen schwerer tun.

Schalkes Schneider: "Ein Transparent - Spielabbruch!"

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider hat sich bei Beleidigungen oder Schmähungen im Stadion für ein radikales Durchgreifen ausgesprochen. Auch einen sofortigen Spielabbruch in solchen Fällen hält Schneider für denkbar. "Man kann darüber diskutieren, ob ein Dreistufenplan sinnvoll ist. Vielleicht brauchen wir einen Einstufenplan: Ein Transparent - Spielabbruch!"

"Bislang hat es die Bundesliga nicht in den Griff bekommen. Wir werden das Thema intern besprechen, vielleicht auch die Klubs untereinander", kündigte Dortmunds Sportdirektor Michel Zorc an: "Wir haben einen Punkt erreicht, der nicht mehr zu tolerieren ist. Wenn du auf mehreren Plätzen an der Grenze zum Spielabbruch stehst: Das ist scheiße."

Teufelskreis Aktion-Reaktion-Gegenreaktion

Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach werden sich also vor der Partie am nächsten Wochenende absprechen und womöglich einen gemeinsamen Appell an eine Fanszene richten, deren radikalere Teile ohnehin nicht zu erreichen sind. "Das sind die Ultragruppierungen, die das immer wieder aufs Neue machen", sagte Zorc konsterniert: "Ob wir uns davon distanzieren oder nicht: Ich glaube nicht, dass die das interessiert."

In der Dortmunder Szene werden die Beleidigungen inzwischen als Teil einer Folklore gesehen, es geht gegen die Kommerzialisierung des Fußballs und gegen die Kollektivbestrafung. Dem DFB wird nach der Blocksperre für BVB-Fans in Hoffenheim für zwei Jahre vorgeworfen, er habe das Versprechen gebrochen, auf Kollektivstrafen zu verzichten.

Dies führte zu den Solidaritätsbekundungen von Gladbacher und Münchner Fans. Allerdings hatten die BVB-Fans mit erneuten Hass-Tiraden gegen Hopp im vergangenen Dezember gegen das Urteil auf Bewährung verstoßen. Ein Ausweg aus dem Teufelskreis Aktion-Reaktion-Gegenreaktion ist nicht abzusehen.

ProFans: Kollektivstrafe abschaffen

Das Fadenkreuz-Plakat und die Schmähkritik gegen Hopp sind nach Ansicht der Fanorganisation ProFans zum Symbol gegen die Kollektivstrafe geworden. "Ein Weg zur Befriedung wäre freilich, wenn der DFB wirklich die Kollektivstrafe abschafft. Dann wäre die Luft sofort raus", sagte ProFans-Sprecher Sig Zelt.

Dieser Schritt sei überfällig. Er erwarte aber nicht, dass der Deutsche Fußball-Bund über seinen Schatten springen werde - "gerade jetzt nicht". Der DFB verhalte sich in der Frage "nicht geschickt", sagte Zelt: "Man zeigt die Stirn und provoziert damit nur noch Gegenreaktionen, so dass keiner zurück weicht. Im Moment sehe ich da keine Bewegung aufeinander zu."

Hopp will in Zukunft übrigens nicht zu Hause bleiben. "Warum soll ich nicht mehr in mein Stadion gehen? Die Personen, die das anrichten, müssen dann halt weg bleiben", sagte Hopp: "Ich warte jetzt gespannt ab, wie das jetzt alles ins Rollen kommt."

sid/dpa | Stand: 01.03.2020, 13:29

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