Jonas Hofmann - Durchbruch mit ganz langem Anlauf

Jonas Hofmann

Gladbachs Offensivallrounder hat endlich die perfekte Position

Jonas Hofmann - Durchbruch mit ganz langem Anlauf

Von Christian Hornung

52 Spiele lang ist Jonas Hofmann einem Tor hinterhergehechelt. Ein neues System und etwas Dreistigkeit haben das Warten nun beendet: Es könnte sein Durchbruch werden.

Viel versprochen haben sie sich in Gladbach immer schon von Hofmann. Als die Ablösesummen noch in ganz anderen Kategorien lagen, überwies das VfL-Management im Januar 2016 für seine Verhältnisse sehr stolze acht Millionen Euro nach Dortmund, um den damals 23-Jährigen Offensivallrounder aus seinem Vertrag herauszukaufen.

Bescheidene Rendite

Die Rendite bis zum 2:0 beim Saisonauftakt gegen Bayer Leverkusen fiel sehr sparsam aus: Obwohl ihm der Einsatz nie abzusprechen war, kam er in der gesamten Zeit nur auf sechs Vorlagen - und keinen Treffer.

Dass sich das gegen Leverkusen änderte, hatte einiges mit dem neuen Mut zu tun, den Hofmann aus dem neuen System von Dieter Hecking schöpft. Statt des angestaubten 4-4-2, indem der ehemalige Mainzer meist eine der offensiven Außenbahnen rauf und runter rannte, ohne gefährlich zu werden, hat er nun im 4-1-2-3 viel mehr Tornähe.

Mehr Präsenz im Strafraum

Hofmann spielt im Wechsel mit Florian Neuhaus auf einer der beiden Achterpositionen und ist von seinem Coach ausdrücklich mit dem Auftrag versehen worden, nicht nur die drei Spitzen zu bedienen, sondern auch selbst tief im gegnerischen Strafraum Präsenz zu zeigen.

Die kam ihm dann bei seinem Debüt-Tor durchaus zugute. Als es beim Stand von 0:0 den zweiten Strafstoß für Gladbach gab (den ersten hatte Thorgan Hazard verschossen), stand Hofmann ganz in der Nähe des Elfmeterpunktes und nahm den Ball auf.

Sogleich kam der für die Ausführung vorgesehene VfL-Star Raffael heran und freute sich kurz, dass Hofmann so nett war, ihm die Kugel anzureichen. Doch die ausgestreckte Hand des Brasilianers klatschte Hofmann nur lächelnd ab, drehte sich um und legte sich selbst den Ball auf den Punkt. Genauso entschlossen verwandelte er.

Wunsch nach mehr Verantwortung

Als sportschau.de Hecking auf diese Szene ansprach, musste der schmunzeln. "Mir ist völlig egal, wer den Elfmeter letztlich reinmacht", sagte der Trainer zunächst wie kaum anders zu erwarten. Dann gab er aber ein paar Einblicke in sein spezielles Verhältnis zu Hofmann, den er seit seinem Amtsantritt im Dezember 2016 auch gegen den Widerstand vieler Fans sehr stark stützt.

Hecking sagte: "Ihr wisst, was ich von Anfang hier von Jonas’ Fähigkeiten gehalten habe, von seiner Schnelligkeit, seiner Technik, seinem Zug nach vorn, seinem Auge für die Mitspieler. Auf der Acht kann er jetzt viel mehr am Spiel teilnehmen. Und im Training kam er zuletzt so zwischen Tür und Angel zu mir und meinte: Trainer, ich will mehr Verantwortung tragen. Für die Mannschaft, aber auch auch für mich.“

"90 Minuten mitten im Geschehen"

Beides zeigte sein Elfmetertor. Hofmann hat zu oft in aussichtsreichen Positionen noch das Abspiel gesucht, sich im Abschluss viel zu wenig zugetraut, ein Egoist war er nie - doch das soll nun Vergangenheit sein.

Hofmann wirkt ziemlich sicher, dass er sowohl für die nächste Partie am Samstag in Augsburg (01.09.2018) als auch generell in Zukunft beim VfL seinen persönlichen Durchbruch erwartet: "Die neue Position ist genau mein Ding. Da bin ich die kompletten 90 Minuten mitten im Geschehen, viel näher am Tor, kann mich viel besser einbringen."

Rekord-Laufwert

Die Spieldaten unterstützen seine Ansicht. Neben seinem Elfmeter war Hofmann an fünf weiteren Abschluss-Situationen direkt beteiligt, dazu eroberte er im Mittelfeld zahlreiche Bälle. Der Rekordwert von 13,44 Kilometern Laufleistung am ersten Spieltag, dazu 35 Sprints und 95 (!) intensive Läufe bewiesen zudem, dass er für seinen neuen Stellenwert auch enorm viel tut.

Zum "geklauten" Elfmeter meinte er schließlich noch: "So richtig war da kein zweiter Schütze festgelegt. Es sollte der schießen, der sich am besten fühlt. Und deshalb habe ich Raffa gesagt, dass ich den schieße. Das heißt nicht automatisch, dass das in Augsburg auch wieder so sein muss." Es schließt es aber auch nicht aus.

Stand: 31.08.2018, 08:22

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