Hertha BSC in Quarantäne - Folgen für die gesamte Bundesliga

Dunkle Wolken über dem Berliner Olympiastadion

Hertha BSC in Teamquarantäne

Hertha BSC in Quarantäne - Folgen für die gesamte Bundesliga

Von Christian Mixa

Hertha BSC muss nach mehreren Corona-Fällen für zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Drei Partien der Berliner wurden verlegt. Dies trifft die Fußball-Bundesliga in der Endphase der Saison hart. Die DFL muss sich auf einmal wieder mit dem drohenden Szenario eines Saisonabbruchs beschäftigen.

Krzysztof Piatek war einer der ersten Hertha-Profis, die sich aus der Heim-Quarantäne meldeten. Der Stürmer schickte am Donnerstagabend (15.04.2021) über Instagram ein Bild vom Spieleabend mit der Familie, über das Foto schrieb er "Game Changer".

Mit dieser Überschrift lässt sich auch gut die Gesamtsituation bei Hertha BSC beschreiben - und wohl auch in der kompletten Fußball-Bundesliga. Denn das gesamte Team der Berliner wurde für zwei Wochen in häusliche Quarantäne geschickt, nachdem binnen kürzester Zeit ein vierter positiver Coronatest in der Mannschaft bekannt geworden war.

Erste Bundesliga-Mannschaft in Quarantäne

Damit ist nun auch die Fußball-Bundesliga in der Pandemie-Realität angekommen. Im Basketball und im Handball etwa wurden in der laufenden Saison mehrmals ganze Mannschaften nach einzelnen Coronafällen in die Isolation geschickt. Der Profifußball dagegen blieb lange von Komplett-Quarantänen verschont. In Erinnerung blieb dabei unter anderem das Bild von Thomas Müller, der nach einem bei der Klub-WM in Katar attestierten positiven Corona-Test im Ganzkörper-Schutzanzug aus dem Flugzeug stieg, während der Rest des Bayern-Teams weiter regulär am Spiel- und Trainingsbetrieb teilnehmen durfte.

Doch nachdem in der vergangenen Woche schon mit Holstein Kiel, Sandhausen und Karlsruhe drei Zweitliga-Teams in Quarantäne geschickt wurden, erwischte es nun mit der Hertha auch eine Mannschaft aus der höchsten deutschen Spielklasse. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger ausfallen können, die Folgen für die anstehende Endphase der Bundesliga-Saison sind nur schwer abzusehen.

Hertha in Quarantäne - was bedeutet das für die Liga?

Sportschau 16.04.2021 03:50 Min. Verfügbar bis 16.04.2022 ARD Von Anne van Eickels


Die Hertha hat bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Neuansetzungen der drei Partien in der nun anstehenden englischen Woche beantragt, die DFL hat die Spielabsagen inzwischen bestätigt. Es sind die ersten Spielverlegungen in der ersten Liga infolge der Corona-Pandemie während der laufenden Saison. Für die Spiele beim 1. FSV Mainz 05, gegen den SC Freiburg und beim FC Schalke 04 müssen nun neue Termine für die Zeit nach dem 28. April gefunden werden. Darüber solle in der kommenden Woche entschieden werden, ließ die DFL mitteilen.

14 Tage Quarantäne für Hertha - oder auch länger

Wann die Berliner den Spiel- und Trainingsbetrieb wieder aufnehmen dürfen, ist derzeit nicht abzusehen. Die verhängte häusliche Quarantäne gelte "im günstigsten Fall für 14 Tage", betonte Detlef Wagner vom zuständigen Gesundheitsamt Charlottenburg. Es werde weiterhin engmaschig kontrolliert, so Wagner. Die Quarantäne könnte demnach im Falle weiterer Positiv-Tests verlängert werden - möglich, dass die Berliner noch länger vom Spielbetrieb ausgesperrt bleiben könnten.

Der Klub geht allerdings nach eigenen Angaben fest davon aus, dass die Quarantäne nach 14 Tagen endet. Geschäftsführer Carsten Schmidt widersprach am Freitag der Aussage der Berliner Behörden über eine mögliche weitere Verlängerung der Quarantäne über den 29. April hinaus. "Wir haben das gerade mit dem Gesundheitsamt geklärt."

Friedrich: "Wir werden gestärkt aus dieser Situation herausgehen" Sportschau 16.04.2021 01:46 Min. Verfügbar bis 16.04.2022 Das Erste

Erinnerungen an Dynamo Dresden

In Berlin dürften nun manche mit Sorgen an den Fall von Dynamo Dresden denken. Die Dresdner mussten in der vergangenen Zweitliga-Saison in der entscheidenden Saisonphase ebenfalls in eine 14-tägige Corona-Isolation inklusive Trainingsverbots.

Im Anschluss hatten die Dresdner ein Restprogramm von neun Spielen innerhalb von 27 Tagen zu bestreiten - und konnten den Rückstand im Kampf um den Klassenerhalt nicht mehr wettmachen.

Sechs Spiele innerhalb von drei Wochen für Hertha - drohende Wettbewerbsverzerrung

Ein ähnliches Schicksal droht nun womöglich auch der Hertha. Nach den Absagen der drei kommenden Spiele werden die Berliner im Mai wohl sechs Spiele innerhalb von drei Wochen bestreiten müssen - davon fünf gegen die direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg. Zwei dieser Duelle, gegen Mainz und Schalke, zählen zu den bereits verschobenen Partien, die erst nachgeholt werden können, wenn die Berliner wieder aus der Quarantäne entlassen sind.

Robert Hunke zur Hertha-Quarantäne: "Auf jeden Fall ein Wettbewerbsnachteil" Tagesschau 16.04.2021 03:01 Min. Verfügbar bis 16.04.2022 Das Erste

Bis dahin haben die Konkurrenten die Chance, im Abstiegskampf vorzulegen und weiter Punkte zu sammeln. Die Hertha hingegen muss erst einmal zuschauen - und dann mit Trainingsrückstand noch mehrere mögliche Abstiegs-Endspiele bestreiten. Ein Szenario, das den Berlinern im Rennen mit der Konkurrenz am Ende womöglich den Liga-Verbleib kosten könnte.

Liga bangt in Corona-Krise um Einnahmen

Abgesehen von der drohenden sportlichen Wettbewerbsverzerrung steht auch wirtschaftlich einiges auf dem Spiel - nicht nur für die Hertha, die einen möglichen Abstieg teuer bezahlen müsste. Der Liga könnten empfindliche Einnahmeverluste drohen, wenn die Saison vorzeitig abgebrochen werden müsste.

Eine Pandemie ist in den aktuellen TV-Verträgen nicht als höhere Gewalt abgesichert. Große Lizenznehmer wie Sky wären nicht verpflichtet, die volle Gebühr zu erstatten. Da viele Klubs durch die Corona-Krise sowieso schon wirtschaftlich schwer angeschlagen sind, könnte es in einem solchen Fall um Existenzen gehen.

Deadline: 31. Mai - Worst Case: Saisonabbruch

Viel Luft bleibt nicht mehr im eng getakteten Spielplan, der rund um den 1. Mai auch noch ein spielfreies Wochenende vorsieht. Deadline ist nach aktuellem Stand der 31. Mai, dann beginnt die Abstellungsperiode für die EURO 2020. Die Relegationsspiele zur Bundesliga sind für den 26. und 29. Mai angesetzt. Welcher Bundesligist am Ende auf Platz 16 landet, darüber entscheiden auch die Ergebnisse der Hertha in den ausstehenden sechs Spielen, womöglich sind es dann die Berliner selbst.

Noch sind alle Spiele, inklusive der Nachholspiele im Terminkalender unterzubringen. Bei weiteren Spielabsetzungen, bei der Hertha oder anderswo, könnte die Saison mit 34 Spieltagen und Relegation aber womöglich bis Ende Mai nicht zu Ende gespielt sein. Es wäre der "Worst Case" mit kaum absehbaren Folgen, möglicherweise auch einem juristischem Nachspiel, mit dem sich die DFL nun aber beschäftigen muss.

DFL-Chef Seifert über Saisonabbruch: "Noch stehen wir nicht davor"

"Solch eine fundamentale Entscheidung würde immer im Rahmen einer Vollversammlung getroffen werden. Es gibt nicht die eine goldene Regel, wie die Saison gewertet würde, wenn sie aufgrund der Pandemie abgebrochen werden müsste", sagte DFL-Chef Christian Seifert bei "Bild live", spielte aber zunächst auf Zeit. "Es verbietet sich, zum jetzigen Zeitpunkt über einen Saisonabbruch nachzudenken. Über diese Brücke gehen wir erst, wenn es soweit ist. Aber noch stehen wir nicht davor."

Quarantäne-Trainingslager als möglicher Ausweg

Die Liga ist vor allem wegen der drohenden Einnahmeausfälle dazu verdammt, die Saison sportlich im Zeitplan zum Ende zu bringen. Dies dürfte auch die DFL-Spitze im Hinterkopf gehabt haben, als sie Anfang März die Idee eines Quarantäne-Trainingslagers diskutierten.

Um Spielabsetzungen im Saisonendspurt und ein drohendes unkontrollierbares Spielplan-Chaos zu vermeiden, sollten Mannschaften je nach Infektionslage auf DFL-Anordnung vorsorglich in Quarantäne geschickt werden können, mit einer Vorlauffrist von acht Tagen.

Ein entsprechender Beschluss fand aber am Ende nicht den Weg ins Hygienekonzept. Dies könnte die DFL nun angesichts der Ereignisse in Berlin schnell korrigieren.

Nach Informationen des Sport-Informationsdienstes wird das DFL-Präsidium in der kommenden Woche nochmals Gespräche zu diesem Thema führen - und sich diesmal mutmaßlich für mögliche, verpflichtende Quarantäne-Trainingslager entscheiden. Die wahrscheinlichste Variante sei ein Beschluss, der für die letzten zwei oder drei Spieltage gilt.

Stand: 17.04.2021, 10:00

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