Hertha BSC und der programmierte Einbruch

Fußball, Hertha BSC: Dardai

Absturz in der Rückrunde

Hertha BSC und der programmierte Einbruch

Von Jens Mickler

Es gehört mittlerweile zur schönen Regelmäßigkeit im deutschen Fußball, dass Hertha BSC nach einer guten Hinrunde eine schwache Rückrunde folgen lässt. In dieser Saison ist es nicht anders. Trainer Pal Dardai gesteht auch eigene Fehler ein.

Als es darum ging, die nächste Niederlage seiner Mannschaft zu erklären, da kamen sie wieder hervor, die alten Kämpferqualitäten von Pal Dardai, die noch aus seiner aktiven Zeit in Erinnerung sind.

"Alles kaputt machen"

"Ich habe die Situation vielleicht ein bisschen unterschätzt", sagte Dardai mit Blick auf die zurückliegenden Spiele, als sein Team 0:5 gegen Leipzig verlor und jetzt auch noch zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf. "Wenn man 0:5 verloren hat", sagte Dardai, "dann geht man raus - also ein erfahrener Spieler wie ich hätte das gemacht - , dann geht man raus und fängt an zu beißen und alles kaputt zu machen, richtig zu kämpfen und den Gegner zu erledigen. Das war nicht der Fall." Dardai sprach genauso, wie er früher auch auf dem Platz agierte.

Diese Tugenden vermisst der Trainer bei seiner Mannschaft, die jetzt schon vier Spiele in Folge in der Bundesliga verloren hat und auf Platz elf zurückgefallen ist - die schlechteste Platzierung der Saison. Für die Hertha-Fans ist dieser Saisonverlauf nicht neu, sondern schon zur Gewohnheit geworden in den etwas mehr als vier Jahren unter Trainer Dardai. Immer wenn die Frühlingsblumen anfangen zu blühen, lassen die Berliner Spieler auffällig oft die Köpfe hängen.

Hertha BSC - Platzierung nach Hin- und Rückrunde
SaisonHinrundeRückrunde
2014/2015Platz 13, 18 PunktePlatz 15, 35 Punkte
2015/2016Platz 3, 32 PunktePlatz 7, 50 Punkte
2016/2017Platz 5, 30 PunktePlatz 6, 49 Punkte
2017/2018Platz 10, 24 PunktePlatz 10, 43 Punkte
2018/2019Platz 8, 24 Punkte???

"Es hat mit Qualität zu tun"

Die Worte, die Dardai dann wählt, sind in leicht veränderter Form bekannt. Es dürfe nicht sein, in solch ein Loch zu fallen, sagte er nach dem Spiel gegen Düsseldorf. Auch für ihn sei das jetzt eine Riesenerfahrung. Aber man müsse mutig bleiben, schließlich habe er eine gute Mannschaft. Nur klar sei auch, dass die Hertha in ihren Möglichkeiten beschränkt sei. "Ich kann nicht von einem Spieler, der eine Million kostet, eine Leistung erwarten, die 60 Millionen kostet. Das muss man einfach akzeptieren", sagte Dardai.

In den vier Jahren seiner Zeit als Chefcoach habe er noch kein Spiel gesehen, in dem sein Team einen Gegner mit 5:0 überrollt hätte. "Ich habe noch nie drei Spiele am Stück gewonnen. Warum nicht? Es hat mit Qualität zu tun. Die Spieler haben Potenzial nach oben, aber das braucht Zeit", so der Ungar.

"Es darf gern mehr kommen"

Fraglich ist, ob dem Trainer diese Zeit gegeben wird. Die Gemengelage in der Hauptstadt ist schließlich so, dass Trainer Dardai und Hertha-Manager Michael Preetz nicht die besten Freunde sind. Nach der Leipzig-Pleite war Preetz sehr deutlich geworden. "Und dass immer gesagt wird, dass etwas entstehen kann, wenn die Mannschaft zusammen bleibt, das stört mich", sagte Preetz. "Im Moment ist die Mannschaft komplett. Da darf gern jetzt mehr kommen."

Für die Berliner stehen in den kommenden Wochen schwierige Auswärtsspiele an - zunächst geht es zur TSG Hoffenheim, anschließend nach Frankfurt. Dazwischen liegt die Heimpartie gegen Hannover 96. Zumindest ein Spiel sollte Dardai gewinnen, damit es nicht noch ungemütlicher um seine Person wird.

Stand: 08.04.2019, 11:50

Darstellung: