Horst Heldt - "Dritter Europapokal ist Schwachsinn"

Manager Horst Heldt mit Trainer Andre Breitenreiter beim Training von Hannover 96

Kritik an UEFA-Vermarktung

Horst Heldt - "Dritter Europapokal ist Schwachsinn"

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit: Ein dritter europäischer Fußballwettbewerb wird kommen, der ein weiteres Puzzleteil im Portfolio des europäischen Fußballverbandes UEFA darstellen soll. Auch von den Verantwortlichen von Hannover 96 hagelt es jetzt Kritik.

Hannovers Manager Horst Heldt hat sich zu der Gruppe von Fußballfunktionären gesellt, die mit der immer exzessiveren Vermarktung des Profifußballs Probleme haben. "Euroleague 2 zum Beispiel - das lässt einen mit offenem Mund zurück", sagte Heldt am Freitag (14.09.2018). Er fügte an: "Die Leute, die so einen Schwachsinn entscheiden, sind weit entfernt von der Basis. Die haben gar keine Ahnung, was die Leute bewegt."

Diese neue Liga und auch die Planungen, ein Champions-League-Finale außerhalb Europas auszutragen, so der 48-Jährige weiter, seien weltfremd und reine Politik. Heldt prophezeite für die Vereine Schwierigkeiten: "Ich kann mich nicht damit identifizieren, muss es aber mit ausbaden, weil uns viele Leute in diesen Topf hineinwerfen und sagen: ihr blöden Fußballer." Er könne sich mit dieser Denkweise nicht identifizieren, Heldt plädierte für eine andere Marschroute als die, welche die UEFA aktuell verfolgt: "Statt immer nur zu fragen: 'Was kann ich noch vermarkten? Wo kann ich noch mehr verdienen?', sollte man mal in eine andere Richtung denken."

Überflutung der Fans verhindern

96-Trainer André Breitenreiter kritisierte die unübersichtliche Situation bei den TV-Rechten. "Warum so viel? Warum so kompliziert? Wir müssen aufpassen, dass wir die Fans nicht überfluten", erklärte er. Diese Problematik habe er auch schon am eigenen Leibe erlebt: "Kürzlich musste ich bei meinem Schwiegervater alle Decoder neu installieren."

Kleine und mittlere Verbände sollen profitieren

Dass die Einführung des dritten europäische Pokalwettbewerbs nur noch eine Formsache ist, dürfte mittlerweile klar sein. Andrea Agnelli, Chef der Klubvereinigung ECA, bestätigte zuletzt: "Die Zustimmung des UEFA-Exekutivkomitees vorausgesetzt, wurde 'grünes Licht' gegeben."

Die UEFA und die ECA haben folgende Reformpläne: Die Champions League bleibt unverändert beim aktuellen System mit 32 Klubs. Jedoch soll die Europa League von 48 auf 32 Vereine reduziert werden. Im dritten europäischen Pokalwettbewerb sollen dann weitere 32 Vereine einen Pokalsieger ausspielen.

Durch diese Maßnahmen soll auch die Attraktivität der Europa League gesteigert werden. Zudem soll Klubs aus kleineren Fußballnationen ermöglicht werden, an einem Europapokalwettbewerb teilzunehmen.

sid/dpa/red | Stand: 14.09.2018, 13:35

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