HSV-Abstieg spaltet die Anhänger

HSV-Fan

Randalierende Ultras von den Fans aus dem Stadion gebrüllt

HSV-Abstieg spaltet die Anhänger

Von Christian Hornung (Hamburg)

Hamburgs erster Abstieg war gespenstisch: Böller, schwarzer Rauch und hunderte Polizisten auf dem Rasen in Hamburg - und die Partie war noch nicht abgepfiffen. Am Ende wurden die Ultras aber von den eigenen Fans aus dem Stadion gebrüllt.

Es lief schon die Nachspielzeit. Die in den letzten Wochen so oft in den Fokus gerückte Stadionuhr des Dinos tickte noch, aber alle im Stadion wussten: nur noch für Sekunden. Denn das 2:1 am Samstag (12.05.18) gegen Gladbach würde angesichts des Wolfsburger Sieges gegen Köln auch nicht mehr helfen.

Beeindruckener Gegenprotest

Dann krachte es ohrenbetäubend im Ultra-Block der Hamburger, Raketen flogen auf das Feld. Schiedsrichter Felix Brych unterbrach sofort die Partie. Ein schneller Abpfiff hätte möglicherweise viele Probleme erspart, doch so war klar: Das war es noch nicht.

Die Gewaltbereiten unter den HSV-Anhängern hatten den unmittelbar bevorstehenden Abstieg erstmal hinausgezögert - viele von ihnen mögen das vielleicht sogar als Erfolg verbucht haben. Anerkennung dafür ernteten sie aber nicht, im Gegenteil. Aus der Fassungslosigkeit der anderen 56.500 Menschen im Stadion wurde relativ schnell ein beeindruckender Protest.

Pfiffe immer lauter

Als sich binnen Sekunden reihenweise schwerbewaffnete Polizisten, dazu eine Hunde- und sogar eine Reiterstaffel auf dem Feld versammelt hatten, um einen Platzsturm zu verhindern, wurden die Pfiffe der Tribünengäste immer lauter - und die richteten sich gegen die eigenen Ultras.

Im Volksparkstadion in Hamburg brennen vor dem Abpfiff Feuerwerkskörper   auf der Tribüne.

Im Volksparkstadion in Hamburg brennen vor dem Abpfiff Feuerwerkskörper auf der Tribüne.

"Wir sind Hamburger - und ihr nicht!", brüllte die große Mehrheit der Hamburger, die zuvor auch bis zur 90. Minute ihr Team supportet hatte. Die Ultras ließen sich zunächst nicht beeindrucken, feuerten weiter Pyros ohne Ende, enthüllten eine schwarze Flagge mit Friedhofsambiente, einer rannte sogar mit einem Trauerkranz mit weißen Rosen Richtung Rasen - wurde aber gestoppt.

"Holt sie raus!"

Die Fans rechts und links des schwarz verhüllten Blocks setzten noch einen drauf: "Holt sie raus! Holt sie raus!", hallte es in Richtung der Polizei - eine kollektive Aufforderung an die Ordnungskräfte, das schlimme Szenario zügig zu beenden. Die große Mehrheit in diesem Stadion wollte ihre Traurigkeit friedlich ausleben und sich diese Momente nicht von den rund 500 Selbstdarstellern zerstören lassen.

Nach gut einer Viertelstunde hatten die Ultras offenbar verstanden - oder sie sahen ihre Mission als erfüllt an. Sie verließen die Tribüne, trollten sich in Richtung Parkplätze, wo sie sofort wieder von den Einsatzkräften empfangen wurden - den Rasen gaben diese dann so langsam wieder frei.

Polizisten auf der Torlinie

Brych holte daraufhin beide Teams aus den Kabinen zurück und erklärte den Spielern, wie er sich das Ende dieser Partie vorstellte: möglichst zügig.

Der Schiedsrichter musste aber noch rund zehn Polizisten bitten, die Torlinie zu verlassen, was dem bizarren Szenario die Krone aufsetzte. Als das erfolgt war, gab Brych einen Schiedsrichterball, den Julian Pollersbeck quer über das Feld zu Sommer beförderte - dann folgte der Abpfiff.

"Das ist Wahnsinn"

Viele HSV-Spieler hatten Tränen in den Augen, doch der Jubel auf den Rängen beeindruckte sie: "Sowas zu erleben, an so einem furchtbaren Tag, das ist Wahnsinn", sagte Lewis Holtby, der in den vergangenen Wochen mit seinen Toren fast allein die Hoffnung hochgehalten hatte.

Kyriakos Papadopoulos betonte: "Die Fans haben honoriert, dass wir bis zur letzten Minute alles reingeworfen haben. Allein dafür haben wir die Pflicht, den sofortigen Wiederaufstieg anzugehen."

"Schwachmaten lieben den Fußball nicht"

Gladbach-Manager Max Eberl sagte anschließend: "Diese 500 Schwachmaten lieben alles, nur nicht den Fußball. Aber statt diese Idioten in den Vordergrund zu stellen, fand ich überragend, wie die riesige Mehrheit der Anhänger hier regaiert hat."

Es gab sogar noch eine Art "Ehrenrunde", möglicherweise war es aber auch ein kollektiver Entschuldigungsmarsch aller Hamburger Spieler. Viele Fans klatschten und jubelten und hielten wieder die Plakate hoch, die sie zu Beginn auf ihren Plätzen liegen hatten: Vorne die HSV-Raute, hinter der Satz: "Supporte, was du liebst".

Stand: 12.05.2018, 20:03

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