Hamburg steigt erstmals ab

Tatsuya Ito vom HSV

Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 2:1

Hamburg steigt erstmals ab

Von Christian Hornung (Hamburg)

Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat die Stadionuhr der Hamburger SV ausgedient: Das Bundesliga-Gründungsmitglied ist trotz eines Heimsieges gegen Gladbach erstmals abgestiegen.

Das 2:1 (1:1) gegen die schwachen Gladbacher war verdient - die Borussen vergaben damit alle theoretischen Chancen auf die Teilnahme am internationalen Geschäft und beenden die Saison als Neunter.

Titz fühlt Enttäuschung, aber keine Trauer

Hamburgs Trainer Christian Titz, der vor der Partie mit einem Vertrag auch für die Zweite Liga ausgestattet war, sagte anschließend: "Trauer über diesen Abstieg ist das falsche Wort. Als ich vor acht Wochen hier antrat, musste ich schon einkalkulieren, dass dieser Tag am Ende kommen kann. Wir haben trotzdem bis zur letzten Minute alles versucht - deshalb ist die Enttäuschung natürlich enorm."

Genauso bewertete auch Kapitän Gotoku Sakai den schwärzesten Tag in der HSV-Geschichte: "Es tut unglaublich weh. Wir haben bis zuletzt noch dran geglaubt. Ich bin aber trotzdem auch stolz auf meine Mitspieler und das Trainerteam auf das, war wir zumindest in den letzten Wochen noch einmal bewegt haben."

Hecking sieht noch Redebedarf

Bei den Gladbachern gab es auf deutlich weniger dramatischem Niveau ebenfalls nur enttäuschte Gesichter. "Wir haben uns nicht gut aus dieser Saison verabschiedet", gab Christoph Kramer zu. "Aber als ich in der 60. Minute das Zwischenergebnis aus München gehört habe, war mental auch irgendwo der Stecker gezogen."

Trainer Dieter Hecking bilanzierte: "Es gibt sehr viel, was wir in der kommenden Saison besser machen können. Klar hatten wir Probleme mit vielen Verletzten. Aber mir hat beispielsweise heute auch nicht die Körpersprache von einigen gefallen - da gibt es noch Redebedarf."

Mit Schwung gestartet

Die Hamburger waren mit mächtig Schwung in die Partie gestartet. Als Lewis Holtby nach anderthalb Minuten einen Befreiungsversuch von Nico Elvedi blockte und danach die Fans gestenreich anstachelte, war sofort Partystimmung im Volksparkstadion.

In der 10. Minute wurde der Sturm und Drang belohnt. Holtby zog aus zwölf Metern hart ab, Denis Zakaria wehrte das Geschoss mit einer aktiven Handbewegung ab - doch die Pfeife von Felix Brych blieb zunächst stumm. Erst nach einem Hinweis aus Köln sah er sich die Szene nochmal auf dem Monitor am Spielfeldrand an - und gab den fälligen Elfmeter, den Aaron Hunt zum 1:0 verwandelte.

Reporter-O-Töne vom Spiel Hamburg gegen Gladbach

Sportschau | 12.05.2018 | 01:17 Min.

Gladbach mit klassischem Konter

Doch danach befreiten sich die Gäste, erarbeiteten sich mehr Ballbesitz. Der Ausgleich fiel aber durch einen klassischen Konter: Thorgan Hazard eroberte den Ball, schickte Josip Drmic steil, der eiskalt zum 1:1 vollstreckte. Die Hamburger waren in dieser Szene defensiv komplett unsortiert: Hunt musste als letzter Mann aushelfen, war aber gegen Drmic überfordert.

Bis zur Pause befreiten sich die Hamburger wieder, auch wenn aus Wolfsburg (der VfL hätte gegen Köln verlieren müssen) keine gute Nachrichten kamen. Hunt traf bei einem Kracher nur Oscar Wendt (37.), fünf Minuten vor der Pause scheiterte Bobby Wood mit einem Flachschuss.

Sommer pariert glänzend

Auch in der zweiten Halbzeit kam der Gastgeber sofort besser in den Rhythmus, vor allem der quirlige Tatsuya Ito bereitete den Borussen größte Mühe. Seinen gefährlichen Schrägschuss lenkte Yann Sommer im VfL-Tor so gerade noch über die Latte (48.), auch gegen Matti Steinmann (58.) und Filip Kostic aus kurzer Distanz (58.) parierte der Schweizer Goalie glänzend.

Nach einer Stunde hätte dann Wendt die Moral der Hamburger möglicherweise brechen können, doch aus fünf Metern vor dem beinahe leeren Tor gelang ihm das Kunststück, auf der Linie noch Sakai anzuschießen. Brych sah sich die Szene wegen eines möglichen Handspiels ebenfalls nochmal am Monitor an, gab aber zu Recht keinen Elfmeter.

Wood muss vom Platz

In der Folge sah es so aus, als hätten die Gäste, die angesichts der Ergebnisse der Konkurrenten Stuttgart und Leipzig im Kampf um Europa mittlerweile ohnehin chancenlos waren, schon die vorzeitige Sommerpause angetreten hätten. Wieder spielte Ito auf rechts Matthias Ginter aus, seinen Flachpass drückte Holtby zum 2:1 über die Linie (63.).

Bobby Wood sorgte mit einer völlig unnötigen Gelb-Roten Karte nach Foul gegen Christoph Kramer (71.) noch einmal kurz für Aufregung - doch auch daraus schlugen die Gäste kein Kapital mehr.

Fans sorgen für Chaos

Das Spiel endete im Chaos, weil HSV-Anhäger das Stadion in dichten, schwarzen Rauch hüllten. Erst nach einer rund 20-minütigen Unterbrechung mit Hunderten von Polizisten, Hunden und Pferden auf dem Rasen pfiff Schiedsrichter Brych die Partie wieder an, nur um diese nach einer Sekunde offiziell beenden zu können.

Fußball · Bundesliga · 34. Spieltag 2017/2018

Samstag, 12.05.2018 | 15.30 Uhr

Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

Pollersbeck – Sakai, K. Papadopoulos, G. Jung, Douglas Santos – Steinmann (78. Ekdal) – Kostic (82. Jatta), Hunt, L. Holtby (89. L. Waldschmidt), Tat. Ito – Wood

2
Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Sommer – Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt – C. Kramer, Zakaria (57. Cuisance) – Hofmann (57. Traoré), T. Hazard (78. Grifo) – Raffael, Drmic

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Hunt (11./Handelfmeter)
  • 1:1 Drmic (28.)
  • 2:1 L. Holtby (63.)

Strafen:

  • gelbe Karte Zakaria (11 )
  • gelbrote Karte Wood (71./Wiederholtes Foulspiel)
  • gelbe Karte Douglas Santos (6 )

Zuschauer:

  • 57.000

Schiedsrichter:

  • Dr. Felix Brych (München)

Vorkommnisse:

  • Entscheidung auf Handelfmeter (Hamburger SV) nach Videobeweis (11.).Das Spiel wurde aufgrund des Abbrennens von Pyrotechnik für 17 Minuten unterbrochen (90.+1).

Stand: Sonntag, 13.05.2018, 13:25 Uhr

Wappen Hamburger SV

Hamburger SV

Wappen Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach

Tore 2 1
Schüsse aufs Tor 8 2
Ecken 8 3
Abseits 3 4
gewonnene Zweikämpfe 94 91
verlorene Zweikämpfe 91 94
gewonnene Zweikämpfe 50,81 % 49,19 %
Fouls 10 7
Ballkontakte 592 618
Ballbesitz 48,93 % 51,07 %
Laufdistanz 113,38 km 112,4 km
Sprints 178 144
Fehlpässe 51 62
Passquote 86,99 % 85,17 %
Flanken 6 5
Alter im Durchschnitt 25 Jahre 26,1 Jahre

Stand: 12.05.2018, 18:51

Darstellung: