Eintrittskarten: "Härtefallantrag" sorgt auf Schalke für Unruhe

Schalke-Fans beim Champions-League-Spiel gegen Manchester City.

Ärger für "Königsblau" in den sozialen Medien

Eintrittskarten: "Härtefallantrag" sorgt auf Schalke für Unruhe

Von Jörg Strohschein

Wer statt eines Gutscheins sofort sein Geld für seine wegen der Corona-Pandemie verfallenen Eintrittskarten zurückhaben möchte, muss beim FC Schalke 04 nun einen "Härtefall"-Antrag ausfüllen. Das sorgt bei vielen Fans in den sozialen Medien für Verwunderung und Ärger. Der Klub beruft sich auf die aktuelle Gesetzgebung.

Die Aufregung in den sozialen Medien ist groß, die Diskussionen sind intensiv: Die Reaktionen vor allem von Anhängern des FC Schalke 04 gehen von Empörung über Verärgerung bis hin zum Vorwurf eines unsensiblen sowie unzulässigen Eingriffs in die Privatsphäre eines Einzelnen. Worum geht es?

Seit Mittwochmittag (03.06.2020) kursiert ein Schreiben des Ruhrgebietsklubs, das sich an seine Dauerkartenbesitzer und Erwerber von Tagestickets richtet. Das als "Härtefallantrag" deklarierte Schriftstück sieht vor, dass der jeweilige Käufer nur dann eine sofortige Auszahlung verlangen kann, wenn dies begründet ist.

Als Grundlage dafür nennt der Klub das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht, das am 20. Mai in Kraft getreten ist. In Paragraf 5 Absatz 5 des Gesetzes ist diese "Härtefall"-Regelung vorgesehen. Dort ist festgehalten: "Der Inhaber eines nach den Absätzen 1 oder 2 ausgestellten Gutscheins kann von dem Veranstalter oder Betreiber die Auszahlung des Wertes des Gutscheins verlangen, wenn der Verweis auf einen Gutschein für ihn angesichts seiner persönlichen Lebensumstände unzumutbar ist".

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Unternehmen und Verbraucher sollen geschützt werden

Für alle anderen Kunden wird vom Verein zunächst für alle vor dem 8. März erworbenen Eintrittskarten ein Gutschein zur Verfügung gestellt. Eine mögliche Auszahlung des jeweiligen Restbetrags ist erst ab dem 1. Januar 2021 möglich. Das Gesetz soll eine große Zahl von sofortigen Rückforderungen verhindern und in Liquiditätsengpässe geratene Unternehmen schützen - um dadurch eine größere Pleitewelle abzuwenden. Bei einer Insolvenz könnten die Verbraucher gänzlich mit leeren Händen dastehen.

Die Schalker hatten schon frühzeitig bekannt gegeben, sich die gesetzlichen Regelungen zu eigen zu machen. Andere Klubs agierten anders, Reviernachbar Borussia Dortmund hat etwa bereits alle Zahlungen an seine Karteninhaber erfüllt.

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"Wir wollen die Leute damit nicht gängeln"

"Wir bewegen uns mit diesem Schreiben analog des Gesetzes", sagte Anja Kleine-Wilde, Leiterin der S04-Unternehmenskommunikation, der Sportschau. "Wir wollen die Leute damit aber nicht gängeln. Wir wollen nicht wissen, wozu jemand das Geld benötigt. Sondern wir wollen wissen: Warum wird es jetzt benötigt? Das ist das, was im Gesetz vorgesehen ist."

Und so müssen laut Kleine-Wilde auch keine ausführlichen Begründungen aufgeführt werden. "Wenn jemand etwa aufgrund von Kurzarbeit wegen Corona auf das Geld angewiesen ist, reichen drei Worte in dem Schriftstück. Dann werden wir keine Belege des Arbeitsamtes oder Ähnliches verlangen."

Das nüchterne, behördliche Erscheinungsbild des Schreibens sorgt mindestens für große Verwirrung unter den Anhängern des Klubs. Ein Hinweis, dass es sich bei der Begründung des "Härtefall"-Antrags um eine gesetzliche Vorgabe und nicht um pure Neugier der Schalker handelt, würde auf einem neuerlichen Schreiben des Klubs wohl nicht mehr fehlen - auch um sich eine Menge Ärger zu ersparen.

sid/dpa | Stand: 03.06.2020, 18:30

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