Videokonferenz am Montag

Gesundheitsminister Spahn: "Zuschauer in Stadien wären jetzt falsches Signal"

Die Gesundheitsminister der Länder haben sich geschlossen gegen eine Rückkehr von Fußball-Fans in die Bundesliga-Stadien vor dem 31. Oktober ausgesprochen. Zuvor hatte dies auch Bundesgesundheitsminister Spahn getan.

"Tausende Zuschauer in den Stadien - das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen", erklärte der CDU-Politiker am Montag (10.08.2020) bei Twitter nach Beratungen mit den Länder-Gesundheitsministern. Jetzt heiße es, keine vermeidbaren Risiken einzugehen: "In der jetzigen Situation wären Zuschauer auf den Rängen das falsche Signal." Das Konzept der Deutschen Fußball Liga sei in der Theorie gut. Entscheidend sei in der Pandemie aber die Praxis im Alltag.

Mehrheit der Minister: Keine Zuschauer bis zum 31. Oktober

Auch von Spahns Länderkollegen kamen ablehende Reaktionen. Wie es aus Teilnehmerkreisen der Gesundheitskonferenz hieß, waren die zuständigen Minister überwiegend der Meinung, dass bis zum 31. Oktober keine Zuschauer zugelassen werden sollten. Beschlüsse wurden wie zuvor angekündigt nicht gefasst.

Gesundheitsminister sehen Zuschauer im Stadion kritisch Tagesschau 10.08.2020 01:22 Min. Verfügbar bis 10.08.2021 Das Erste

Das DFL-Konzept wurde zwar gelobt, allerdings auch auf Probleme bei der Umsetzung verwiesen. Die 36 deutschen Profiklubs hatten sich zuletzt auf ein Konzept für die Rückkehr von Zuschauern in der Corona-Pandemie geeinigt. Der Plan sieht keine Stehplätze und keinen Alkohol bis Ende Oktober, Verzicht auf Gästefans bis Jahresende sowie die Sammlung sämtlicher Kontaktdaten vor.

Stadionkonzept: Ohne Alkohol, Auswärtsfans und Stehplätze WDR 5 Morgenecho - Interview 05.08.2020 05:34 Min. Verfügbar bis 05.08.2021 WDR 5

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"Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen"

Bereits vor dem Treffen hat die GMK-Vorsitzende Dilek Kalayci (SPD) Zweifel an einer baldigen Rückkehr der Zuschauer in die Fußballstadien genährt. "Wir haben nicht vor, einen Beschluss zum Hygienekonzept der DFL fassen", sagte die Berliner Gesundheitssenatorin der "Berliner Morgenpost".

Das baden-württembergische Gesundheitsministerium lehnt eine Rückkehr von Fans ebenfalls ab. Angesichts der steigenden Infektionszahlen sei dies aus Gründen des Infektionsschutzes nicht vorstellbar. Ähnlich äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): "Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadien zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen".

Massentests werden kritisch gesehen

DFB-Präsident Fritz Keller hatte zuletzt die Idee von Massen-Präventivtests für Stadionbesucher ins Spiel gebracht, davon hält Kalayci wenig. "Die Idee, dass unter anderem alle Besucherinnen und Besucher nach Testungen wieder ins Stadion kommen können, wird von der Mehrheit der Minister kritisch gesehen. Ganz besonders, weil vor und nach dem Spiel niemand große Menschenansammlungen und Alkoholkonsum ausschließen und kontrollieren kann", sagte Kalayci: "Wir brauchen die Testkapazitäten zurzeit in vielen anderen Bereichen - beispielsweise für Schulen, Kitas, Pflegeheime, Krankenhäuser und Reiserückkehrer."

Marburger Bund dagegen, Kretschmer dafür

Und auch der Ärzteverband Marburger Bund äußerte Bedenken. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie Fußballfans mit zwei Metern Abstand ein Tor ihrer Mannschaft bejubeln", sagte die Vorsitzende Susanne Johna. "Wenn Fans im Stadion sind, dann wollen sie auch zusammen sein und gemeinsam feiern, was menschlich nachvollziehbar ist".

Dagegen hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer für eine baldige Fan-Rückkehr ausgesprochen und hinter das DFL-Konzept gestellt. "Ich bin der Meinung, man muss ihnen jetzt die Chance geben, diese Sache zu erproben", sagte Kretschmer am Montag im ARD-Mittagsmagazin.

Probleme in der kälteren Jahreszeit?

Der Virus-Experte Helmut Fickenscher hingegen warnt, dass der Liga-Start mit Zuschauern am dritten September-Wochenende die Probleme mit der Pandemie in den kälteren Jahreszeiten vergrößern könnte. "Im Herbst und Winter ist zu erwarten, dass sich die epidemische Lage verschärft", sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel der dpa.

DFL-Beschluss: Politik und Wissenschaftler sind skeptisch Tagesthemen 04.08.2020 02:48 Min. Verfügbar bis 04.08.2021 Das Erste