Challenge beim Videobeweis: Absage an Italiens Vorstoß

Schiedsrichter Tobias Stieler im Spiel Hertha BSC gegen Bayern München.

Fußball

Challenge beim Videobeweis: Absage an Italiens Vorstoß

Von Chaled Nahar

Italiens Fußballverband fordert ein Experiment beim Videobeweis, die Trainer sollen dabei ein "Challenge-System" wie beim Tennis nutzen. Für diese Lösung spricht manches, dagegen allerdings auch. Und die Regelhüter des IFAB winken schon ab.

Der italienische Fußballverband FIGC habe von zahlreichen Klubs der Serie A Anfragen erhalten, dass eine solche Vorgehensweise getestet werden solle, teilte der Verband mit. Dabei könnten Trainer eine bestimmte Zahl an Einsprüchen pro Spiel oder Spielhälfte erhalten, mit denen sie den Schiedsrichter um eine Ansicht der Bilder bitten.

Der italienische Verband verweist auf seinen innovativen Geist, schließlich habe er den Video Assistant Referee (VAR) schon getestet, bevor er Einzug in das von den Regelhütern des International Football Association Board (IFAB) verwalteten Regelwerks hielt. Aber das IFAB hält bislang nicht viel von der Challenge.

Was gegen die Challenge spricht

Lukas Brud, Geschäftsführer des IFAB, erteilt der Idee eine Absage. "Es wird alles vom Video-Assistenten überprüft. Wie soll ein Trainer das besser erkennen? Die Schiedsrichter sind Experten im Regelwerk, die Trainer nicht immer", sagt Brud im Gespräch mit sportschau.de. Das Konzept des VAR laute, dass sich der Schiedsrichter und die Assistenten gegenseitig helfen. "Und nicht, dass jemand Externes die Entscheidungen in Frage stellen kann."

Ein weiteres großes Problem bei der Challenge: Sind die Einsprüche verbraucht und es ergibt sich ein für alle ersichtlicher Fehler, bleibt dieser ohne Korrektur bestehen. Die Argumentation "Pech gehabt" wird wohl nicht lange zu halten sein und neue Diskussionen bringen. Auch denkbar: Gegen Spielende könnten Trainer ihre Challenge zur Spielverzögerung oder zur Störung des Spielflusses nutzen.

Was für die Challenge spricht

Die Challenge hat allerdings für viele Beobachter und Aktive Charme, sie ist immer wieder im Gespräch. Zuletzt forderte Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe bei einer Veranstaltung in Berlin, dass man den VAR "nur bei faktischen Sachen" nutzen sollte, also beispielsweise bei Abseits oder der Festlegung des Tatortes eines Fouls. Bei allen anderen Situationen sollten die Trainer nach einem Videobeweis verlangen dürfen.

Die Vorteile: Die Verantwortung und die Last, die derzeit auf den Schiedsrichtern liegt, wäre kleiner. Die Trainer hätten die gleichen Chancen und Voraussetzungen, niemand könnte sich beschweren. Hinzu kommt, dass die leidigen Diskussionen darüber, ob und wann der Video-Assistent eingreifen soll - Stichpunkt "klarer, offensichtlicher Fehler" - hinfällig wären.

Welche Chancen die Challenge hat

Italiens Verband beschreibt die Challenge als "die Fortsetzung des eingeschlagenen Weges", der den Fans entgegenkomme, ohne "die Autorität des Schiedsrichters zu beeinträchtigen". Zunächst wird die Idee aber keine Rolle spielen. Am 29. Februar findet die Generalversammlung der Regelhüter in Belfast/Nordirland statt - dort könnte theoretisch das Protokoll des Video-Assistenten verändert werden. "Bei uns liegt aber bislang keine Anfrage zu diesem Thema vor", sagt Brud.

Videobeweis soll sich verbessern Sportschau 06.08.2019 01:47 Min. Verfügbar bis 06.08.2020 Das Erste

Stand: 14.02.2020, 13:00

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