Diskussion um 50+1 - wem gehört der Fußball?

Diskussion über die 50+1-Regel startet

Treffen in Frankfurt

Diskussion um 50+1 - wem gehört der Fußball?

Die DFL trifft sich am Donnerstag, um über die 50+1-Regel zu beraten. Eine Abschaffung würde es Investoren ermöglichen, bei Bundesligaklubs mehrheitlich Stimmanteile zu haben.

"Ein umfassendes Meinungsbild aller Klubs" wolle man einholen, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball in einer Pressemitteilung. Eine Entscheidung soll am Donnerstag (22.03.2018) noch nicht fallen, nach Einschätzung von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ist damit nicht vor Jahresende zu rechnen. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung der 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga will sich die DFL bei einer Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen äußern.

Fan-Proteste werden gebündelt

Für viele Fans wirkt allein der Anstoß zur Diskussion wie der Anfang vom Ende der Regel, die es den Klubs vorschreibt, mehrheitlich im Besitz der Stammvereine zu bleiben und nicht Stimmanteile von 50 Prozent an Investoren zu veräußern. Sie befürchten Zustände wie in England, wo Investoren Stadien verkauft, Vereinsfarben verändert oder andere Symbole ausgetauscht haben.

Unter 50plus1bleibt.de haben zahlreiche Fangruppen in Deutschland über Vereine und Ligen hinweg den Protest für den Erhalt der Regelung gebündelt. Mehr als 2800 Fanclubs haben bereits unterschrieben (Stand: 19.03.2018).

"Der Fußball bringt jede Woche Hunderttausende unterschiedliche Menschen zusammen. Er gehört keinen Einzelpersonen, Unternehmen oder Investoren. Er gehört uns allen und darf nicht noch mehr zum Spielball einiger weniger werden", heißt es auf der Seite. Zu den Unterzeichnern gehören auch die einflussreichen Fanorganisationen "Unsere Kurve" und "ProFans" und das europäische Fan-Netzwerk "Football Supporters Europe".

Nur neun Klubs bedingungslos für Beibehaltung

Das Meinungsbild der Klubs, dass die DFL zu erörtern versucht, hat derweil schon das Fußballkulturmagazin "11Freunde" eingeholt. Von den 36 Klubs sprachen sich neun ausdrücklich für die 50+1-Regel aus, darunter Borussia Dortmund, der SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach. Sieben nannten die Beibehaltung der aktuellen Statuten als "grundsätzliches Ziel".

Das ist zwar selbst zusammengezählt nicht mal eine einfache Mehrheit der 36 DFL-Mitglieder, doch es bräuchte in einem weiteren Schritt eine Zweidrittelmehrheit von mindestens 24 Klubs, die sich gegen 50+1 ausspricht, um die Regel abzuschaffen.

DFL debattiert über 50+1-Regel

Sportschau | 22.03.2018 | 01:00 Min.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit als Hauptargument der Gegner

Die 50+1-Regel gibt es nur im deutschen Fußball. Sie besagt, dass der Stammverein auch nach einer Ausgliederung der Profiabteilung weiter die Stimmenmehrheit in einer Kapitalgesellschaft haben muss und begrenzt so den Einfluss von Investoren. Dies wird von einigen Profivertretern als Nachteil im internationalen Vergleich für die deutschen Vereine gesehen.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt

So sagt Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann, der für eine Reform der Regel ist: "Die Bundesliga muss sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Jede andere Sicht wäre eine Verkennung von Realitäten im internationalen Medien- und Sponsorenmarkt."

Dirk Zingler, Präsident des Zweitligisten 1. FC Union Berlin, sieht das anders: "Wir halten die derzeit gültige Fassung der 50+1-Regel für grundsätzlich richtig. Angesichts der darin enthaltenen Ausnahmeregelungen ist aus unserer Sicht eine Diskussion darüber sinnvoll, wie die Regel eindeutiger gefasst werden könnte", erklärte Zingler.

Ausnahmeregelungen als Problem

Apropos Ausnahmeregelungen: Die betreffen Dauer und Größe des Sponsorings und gelten für Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg, deren Fußball-GmbHs hundertprozentige Töchter der Konzerne Bayer und Volkswagen sind. Auch in Hoffenheim durfte Dietmar Hopp die Mehrheit übernehmen. Da die Regel für mehrere Wettbewerbsteilnehmer nicht gilt, sehen Kritiker die Regel bei einer Klage in einer schwachen Position.

Bei vielen Fans in der Kritik steht RasenBallsport Leipzig, dessen Kapital zu 99 Prozent von Red Bull gestellt wird. Der Stammverein hat zwar die Stimmenmehrheit, doch nur wenige Mitglieder sind stimmberechtigt, und diese sollen dem Konzern nahestehen.

Zuletzt wollte Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, bei der DFL eine Ausnahmeregelung zwecks Komplettübernahme des Bundesligisten erwirken. Anfang Februar teilte Kind wenige Stunden vor einer Entscheidung jedoch mit, seinen Antrag vorerst ruhen zu lassen, um die nun begonnene Debatte abzuwarten.

DFB-Präsident formuliert Kompromiss

Der DFB spricht von Zurückhaltung, die er walten lassen wolle. Präsident Reinhard Grindel formuliert aber schon eine Art Kompromiss. "Wenn es eine Bewegung gibt, die sagt, wir wollen eine Modifizierung von 50+1 mit Regelungen - Stehplätze bleiben erhalten, Fankultur bleibt erhalten, die Vereinsnamen, die Vereinsfarben und vieles andere mehr - dann werden wir uns das anschauen und darüber reden", sagte Grindel.

nch/sid/dpa | Stand: 21.03.2018, 08:30

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