Leipzig schafft Fakten: Liga-Start mit Zuschauern genehmigt

Fans von RB Leipzig mit Fanschals

Coronavirus

Leipzig schafft Fakten: Liga-Start mit Zuschauern genehmigt

RB Leipzig ebnet den Weg für eine Zuschauer-Rückkehr ins Stadion. Die Sachsen planen für ihren Liga-Auftakt am 20. September gegen den 1. FSV Mainz 05.

Wie der Verein in einer offiziellen Mitteilung am Dienstag (01.09.2020) bestätigte, hat der Bundesligist für sein Vorhaben mit rund 8.500 Zuschauern bereits die Freigabe des Gesundheitsamtes erhalten. Für die Partie sind ausschließlich Dauerkarten-Inhaber aus Sachsen zugelassen, um zu verhindern, dass Zuschauer aus Gebieten mit einem höheren Infektionsgeschehen anreisen. Der Klub behält sich Stichproben beim Einlass vor.

Durch die Einschränkung auf Dauerkarteninhaber liegen auch die Kontaktdaten vor, um bei Bedarf eine Rückverfolgung der Infektionsketten zu ermöglichen. Die Genehmigung der Gesundheitsbehörde ist allerdings abhängig vom Infektionsgeschehen in Leipzig und kann bei negativer Entwicklung wieder entzogen werden.

Unterstützung durch Ministerpräsident Kretschmer

Das Land Sachsen unterstützt den Vorstoß des Bundesligisten. "RB Leipzig hat sich sehr viele Gedanken gemacht, um wieder Fans im Stadion zu haben. Mit einem klugen Hygienekonzept zeigt RB was alles möglich ist. Die sächsische Staatsregierung unterstützt dieses Vorhaben", teilte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auf Anfrage der Sportschau mit.

Konträr zur Bund-Länder-Konferenz

Der Antrag des Fußballklubs geht damit gegen den Beschluss der Bund-Länder-Konferenz vom 27. August. Diese hatte davon abgeraten, mit Zuschauern zu planen und wollte bis Ende Oktober durch eine Arbeitsgruppe mögliche Lockerungen prüfen lassen.

Vor allem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz klargestellt: "Wenn ein Infektionsgeschehen wächst, ist es nicht sehr vertretbar, irgendeine Form von weiteren Veranstaltungen zuzulassen. Deswegen ist es auch beim Fußball nicht sinnvoll, jetzt im September mit Zuschauern zu starten. Die Liga hat ein wirklich gutes Hygienekonzept gemacht. Und ich persönlich bin auch überzeugt, dass einige sehr große Vereine da vieles umsetzen können. Aber es ist in einer steigenden Infektionszahl ein falsches Signal."

Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz sind allerdings für die Länder und vor allem die lokalen Gesundheitsämter nicht bindend. Diese fällen nach Infektionsschutzgesetz die letzte Entscheidung über Konzepte und Maßnahmen vor Ort - so wie jetzt in Leipzig geschehen.

Druck auf DFL-Mitgliederversammlung

Durch dieses Vorpreschen von RB erhöht sich vor der Versammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Donnerstag (03.09.2020) der Druck. Da neben den Sachsen auch zahlreiche andere Vereine intensiv eine Zuschauer-Rückkehr je nach den regionalen Verordnungen planen, scheint ein Drängen der 36 Profiklubs auf ein Ende der Geisterspiele trotz der Corona-Pandemie unausweichlich. Bekannt sind die Vorhaben von Eintracht Frankfurt, dem VfL Wolfsburg, Hertha BSC, Union Berlin und dem VfL Osnabrück.

Pokal soll erste Fakten schaffen

Schon im DFB-Pokal sollen erste Fakten geschaffen werden. Nach dem grünen Licht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereiten einige Klubs ein Besucher-Comeback für die 1. Hauptrunde (11. bis 14. September) vor und befinden sich deshalb in Gesprächen mit den zuständigen Behörden. So möchten unter anderem der 1. FSV Mainz 05 sowie die Drittligisten Dynamo Dresden und Hansa Rostock bei ihren Partien eine gewisse Anzahl von Fans zulassen.

Die Vereine reagieren damit auf die DFB-Entscheidung vom Montag. Der Verband hatte beschlossen, dass sich im Pokal, der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga "Zulassung und Zahl" der Zuschauer "nach den regionalen Verfügungslagen" richten müssen und "von jedem Klub mit den zuständigen Gesundheitsbehörden individuell vor Ort abgestimmt" werden sollen.

Wettbewerbsverzerrungen befürchtet

Ob ein Plan wie der Leipziger von der Mehrheit der Profiklubs unterstützt wird, ist offen. Der Wolfsburger Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke warnt bereits vor Wettbewerbsverzerrungen. "Es ist schon ein Unterschied, ob ein Verein 10.000 oder 15.000 Zuschauer im Stadion hat und andere Klubs 500. Dann ist eine Wettbewerbsgleichheit nicht mehr so gegeben", sagte Schmadtke. Daher sei es wichtig, "darüber mit der DFL im Verbund" zu sprechen: "Wir reden immer davon, dass der Wettbewerb geschützt werden muss."

Hygienekonzept: RB Leipzig darf vor Zuschauern spielen Sportschau 01.09.2020 Verfügbar bis 01.09.2021 Das Erste

Am vergangenen Donnerstag hatten der Bund und die Länder beschlossen, bis mindestens Ende Oktober keine Zuschauer im Profisport zu erlauben. Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich sind, bleiben sogar mindestens bis Jahresende untersagt. Von diesem Beschluss wurden die Bundesliga und alle weiteren bundesweiten Sportveranstaltungen allerdings ausgenommen.

red/nch/sid | Stand: 01.09.2020, 16:44

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