Neuer Wettbewerb

Europa Conference League - die Teams, der Modus, das Geld

Von Chaled Nahar

Am Samstag entscheidet sich, welche Bundesliga-Mannschaft in der neuen UEFA Europa Conference League spielen wird. Hochklassige Gegner sind nur wenige dabei, Geld zu verdienen gibt es kaum, die Spaltung wächst - dennoch hat der Wettbewerb auch Vorteile.

Die Europa Conference League ist ab der kommenden Saison der dritte Wettbewerb der UEFA für Klubs in Europa, das Finale steigt am 25. Mai 2022 in Albaniens Hauptstadt Tirana in der "National-Arena" (Foto oben).

Die Gegner: Zumindest ein paar attraktive Teams sind wohl dabei

Mit Stand vom Donnerstag (20.05.2021) gäbe es aus den großen Ligen immerhin einige klangvolle Namen in der letzten Qualifikationsrunde der Europa Conference League. Tottenham Hotspur (England), FC Villarreal (Spanien), AS Rom (Italien) und RC Lens (Frankreich) wären aktuell dabei. Aus der Bundesliga sind Union Berlin, Borussia Mönchengladbach, der VfB Stuttgart und der SC Freiburg die möglichen Teilnehmer.

Zumindest für viele Fans und Groundhopper dürfte der neue Wettbewerb traumhaft sein. Gegner wie beispielsweise Pogon Stettin aus Polen, Valerenga aus Norwegen oder FK Vojvodina aus Serbien versprechen unbekannte Stadien und Fußballabenteuer - sofern man in Coronazeiten dorthin reisen darf. Groß war die Freude offenbar beim Vereinschef des russischen Klubs Rubin Kasan: Nach der Qualifikation für die neue Liga zeigte sich der Mann bei Twitter tanzend vor mehreren Logos der Europa Conference League.

Der Modus: Alle drei Wettbewerbe sind nun verzahnt

Wie in der Champions League treten in der Europa Conference League 32 Teams in acht Gruppen mit je vier Mannschaften an. Die acht Gruppensieger erreichen in allen drei Wettbewerben das Achtelfinale.

Neu ist der Umgang mit den Gruppenzweiten und den Gruppendritten. Die Gruppenzweiten der Europa Conference League treten in einer Playoff-Runde gegen die acht Gruppendritten der Europa League an, um die anderen acht Teilnehmer im Achtelfinale zu ermitteln. Dieses Prinzip gilt ab der kommenden Saison auch zwischen den Gruppenzweiten der Europa League und den Gruppendritten der Champions League.

Der Europapokal 2021/22 | Bildquelle: Florian von Lebrade/WDR

Die Europa Conference League wird parallel zur Europa League immer Donnerstags um 18.45 Uhr und 21 Uhr spielen. Der Dienstag und der Mittwoch gehören weiter exklusiv der Champions League.

Das Geld: Kaum etwas zu holen für die Klubs

Die UEFA beschließt die Europapokalformate stets im Drei-Jahresrhythmus. Die Geldverteilung für die Zeit 2021 bis 2024 ist von der UEFA noch nicht bekannt gegeben worden, Informationen der Sportschau zufolge werden die Einnahmen aber wie folgt pro Saison auf die drei Wettbewerbe ausgeschüttet:

  • Champions League: 2.030.000.000 für 32 Teams
  • Europa League: 465.000.000 für 32 Teams
  • Europa Conference League: 235.000.000 für 32 Teams

Teilt man 235 Millionen Euro der Europa Conference League durch die 32 Teilnehmer, bleibt eine durchschnittliche Einnahme von rund 7,3 Millionen Euro pro Klub. Da man einige Reisen hinter sich bringt und möglicherweise einen größeren Kader braucht, bleibt nach Abzug der Kosten für manche Klubs wohl nicht viel übrig.

Bisherige Geldverteilung
SaisonChampions League (32 Teams)Europa League (48 Teams + 8 Absteiger)
2010/11754.100.000150.360.000
2011/12754.100.000150.360.000
2012/13904.600.000209.000.000
2013/14904.600.000209.000.000
2014/15987.900.000239.750.000
2015/161.295.258.000411.155.000
2016/171.315.343.000423.188.000
2017/181.335.669.000428.813.000
2018/191.931.474.000559.214.117
2019/20Unklar wegen CoronakriseUnklar wegen Coronakrise
2020/21Saison läuftSaison läuft

Ein Vorteil: Mehr Pause als früher in der Europa-League-Qualifikation

In der neuen Drittklassigkeit Europas ist kein Team direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Alle potenziellen Teilnehmer müssen zu irgendeinem Zeitpunkt in die Qualifikation. Der Bundesligist steigt in der letzten Qualifikationsrunde ein.

Der Vorteil im Vergleich zum früheren Qualifikationsplatz in der UEFA Europa League in den vergangenen Jahren besteht für die Bundesliga darin, dass die Sommerpause nicht verkürzt wird. Die Bundesliga beginnt am 13. August, die Playoffs zur UEFA Europa Conference League finden am 19. und 26. August statt. Früher spielte der Tabellensechste oder je nach Pokalsieger der Tabellensiebte der Bundesliga in der 2. Qualifikationsrunde zur Europa League, was oft mit einem deutlich früheren Ende der Sommerpause verbunden war.

Finanzielle und sportliche Folgen sind für viele Ligen problematisch

Vor allem für mittlere Ligen ist die Einführung der UEFA Europa Conference League problematisch. Denn die UEFA Europa League wird von 48 auf 32 Teams verkleinert und dadurch schwerer zugänglich. Länder wie die Ukraine, die Niederlande, die Türkei, Österreich oder Belgien sind 2021/22 mit ihren Pokalsiegern nicht mehr in der Gruppenphase, sondern nur noch in der Qualifikation zur Europa League vertreten.

Länder wie Griechenland, Serbien, Kroatien oder Schweden werden die Saison sogar komplett in der europäischen Drittklassigkeit verbringen, wenn ihre Meister in der 1. Qualifikationsrunde zur Champions League verlieren sollten. Denn dann geht die Falltür direkt bis zur Europa Conference League auf und die Pokalsieger dieser Länder spielen ohnehin automatisch nur noch in der Qualifikation zur dritten europäischen Liga. Damit hat der neue Europapokal sportlich und finanziell für manche Ligen möglicherweise negative Folgen, die Spaltung zwischen Groß und Klein in Europa wächst.

Die Zukunft: Ab 2024 wird wieder alles anders

Der Modus gilt nur bis zum Jahr 2024, wenn der nächste Drei-Jahres-Zyklus beginnt. Die derzeit heftig umstrittene Reform der Champions League für die Zeit ab 2024 gilt im Grundprinzip auch für die Europa League und die Europa Conference League. In diesen beiden Wettbewerben sollen dann ebenfalls die Gruppenspiele durch ein Ligamodell mit 32 Teams ersetzt werden.

Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe sport inside 18.04.2021 08:43 Min. UT Verfügbar bis 18.04.2022 WDR