DFL verwirft Plan - kein kürzeres Transferfenster in Deutschland

Fußbälle aus der Bundesliga auf einem Trainingsplatz

Transfers in der Bundesliga

DFL verwirft Plan - kein kürzeres Transferfenster in Deutschland

Von Chaled Nahar

"Rein-und-Raus-Tourismus", "Betrug am Fan" - mit markigen Worten forderten Entscheidungsträger im deutschen Fußball 2017, dass das Transferfenster vor dem Saisonauftakt schließen solle. Passiert ist nichts, und das wird vorerst so bleiben.

Der 2. September 2019, 18 Uhr - das ist in Sachen Spielerverpflichtungen der entscheidende Termin für die Klubs der Bundesliga. Ab diesem Zeitpunkt können sie keine Spieler mehr von anderen Vereinen verpflichten, das Transferfenster schließt. Die Bundesliga wird dann ihren 3. Spieltag hinter sich haben, die 2. Liga sogar schon ihre 5. Runde. Spieler können nach den ersten Spieltagen also immer noch wechseln - 2017 sorgten sehr ähnliche Umstände für großen Unmut.

Große Worte, keine Veränderungen

DFL-Präsident Reinhard Rauball beklagte damals einen "Rein-und-Raus-Tourismus" und forderte öffentlich ein früheres Schließen des Fensters zunächst in Deutschland und später in ganz Europa. Borussia Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl sprach von einem "Betrug an den Fans", die Dauerkarten kaufen würden und dann möglicherweise einige erwartete Stars nicht sehen könnten.

Geändert hat sich in dieser Hinsicht seitdem zumindest in Deutschland nichts. In diesem Jahr schließt das Fenster sogar zwei Tage später, da der sonst übliche Stichtag 31. August auf einen Samstag fällt. Und die Motivation, das anders zu organisieren, gibt es in Deutschland nicht mehr.

DFL: Die Pläne sind verworfen

"Nach Abwägung aller Argumente haben die Sportverantwortlichen aus Bundesliga und 2. Bundesliga entschieden, dass das nicht der richtige Weg ist", sagt Ansgar Schwenken, Vorstandsmitglied der DFL, im Gespräch mit sportschau.de. Zwar gebe es gute und verständliche Argumente für das frühere Ende des Transferfensters - doch es gebe auch Gegenargumente. 

Das Transferfenster in Deutschland orientiere sich am internationalen FIFA-Zeitraum. Eine Verkürzung nur für Deutschland komme nicht in Frage, vielmehr brauche es aus Wettbewerbsgründen eine allgemeine Regelung für ganz Europa. Die scheint derzeit nicht durchsetzbar, sagt Schwenken. "Wenn bei unseren Klubs Spieler abgeworben werden, ohne dass dies durch adäquate Neuverpflichtungen kompensiert werden kann, würden wir uns selbst schwächen", sagt Schwenken. Nach einer Meinungsbildung mit den Klubs habe eine Verkürzung des Transferfensters innerhalb der DFL deshalb nicht zur Abstimmung gestanden.

Gladbachs Sportchef Eberl sagt gegenüber sportschau.de, dass er ein früheres Ende der Transferperiode weiterhin befürworte. Aber nur "unter der Voraussetzung, dass alle Top-Ligen in Europa sich auf einen Termin verständigen können". Spanien und Frankreich hätten sich der Idee nicht angeschlossen und damit sei das Thema erledigt gewesen. Angesichts der finanziellen Unterschiede zu England und der Steuervorteile in Italien sollte Deutschland diesen Wettbewerbsvorteil nicht aufgeben, so Eberl.

Premier League macht vor Saisonstart Schluss

In Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien schließt das Transferfenster damit am 2. September und ein ähnlicher Termin dürfte 2020 zustande kommen. Die große Ausnahme bildet die Premier League. Im September 2017 ging die Premier League den Schritt, über den in Deutschland nur geredet wurde. 14 von 20 Klubs stimmten knapp mit der nötigen Zweidrittelmehrheit für ein Schließen des Transferfensters in England vor dem Start der Premier League. 2019 endet die Frist für die Transfers damit am 8. August, dem Tag vor dem Eröffnungsspiel zwischen Liverpool und Norwich.

Zu den Unterstützern gehörte auch Arsenals damaliger Trainer Arsène Wenger. "Wir sollten keine Spieler in der Kabine sitzen haben, die im Kopf schon halb weg sind", sagte er 2017. "Das muss vor der Saison geklärt werden."

Italien wagte sich vor - und ging zurück

2018 hatte sich aus europäischer Sicht nach der Premier League mit der Serie A eine weitere Liga zwischenzeitlich aus der Deckung gewagt. Das Sommer-Transferfenster endete in Italien damals am 17. August, einen Tag vor dem damaligen ersten Saisonspiel Serie A. "Meiner Meinung nach war es falsch, dass der Transfermarkt so lange offen war. Nun wird es 24 Stunden vor dem Ligastart geschlossen", sagte Liga-Boss Giovanni Malago damals laut "Sport1".

Die Erfahrungen waren scheinbar nicht so gut - für die aktuelle Transferperiode wurde das Datum wieder nach hinten geschoben.

Transferfenster in Europa
LandEnde Transferfenster 2019Ende Transferfenster 2018
England8. August9. August
Spanien2. September31. August
Deutschland2. September31. August
Italien2. September17. August
Frankreich2. September31. August

Ceferin mit Forderung, aber ohne Vorschlag

Und so wird der Ärger über die späten Wechsel bleiben. Auch wenn sich selbst UEFA-Präsident Aleksander Ceferin für eine kürzere Transferfrist ausgesprochen hatte. "Es ist seltsam, dass die Saison beginnt, du für einen Klub spielst und dann wechseln kannst und einfach für den nächsten spielst. Das ist nicht gut für den Wettbewerb", sagte er 2017. Ein Vorschlag von ihm auf europäischer Ebene steht aus.

Stand: 08.07.2019, 13:40

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