Bundesliga - Spannung oder Strohfeuer?

Fans von Borussia Dortmund mit einer Pappversion der Meisterschale

Serienmeister München nur Sechster

Bundesliga - Spannung oder Strohfeuer?

Von Frank van der Velden

Der FC Bayern München kriselt und läuft in der Bundesliga der Konkurrenz hinterher. Doch reicht das auch, um die Titeldominanz zu beenden? Steht uns endlich mal wieder eine spannende Saison bevor?

Vor rund einem Jahr freuten sich alle Fußball-Fans, die es nicht mit dem FC Bayern München halten, über die Tabelle in der Fußballbundesliga. Nach sieben Spieltagen war der Rekordmeister nur Zweiter. Vorne lag mit fünf Zählern Vorsprung und damals nur zwei Gegentoren Borussia Dortmund mit seinem neuen Trainer Peter Bosz. Der BVB, da war sich Fußball-Deutschland damals einig, hatte das Zeug, die Bayern-Dominanz zu brechen.  

Der Rest ist bekannt. Die Bayern wurden am Ende dann doch wieder deutscher Meister - mit 21 Punkten Vorsprung und zum sechsten Mal in Serie. Der vermeintliche Dortmunder Spitzentrainer Bosz wurde noch vor der Winterpause entlassen.

Die Liga hofft

Jetzt, ein Jahr später, ist die Situation ähnlich. Der FC Bayern kriselt, Dortmund glänzt. Vier Punkte trennen den Serienmeister vom Herausforderer. Doch im Gegensatz zur vergangenen Saison mischen oben noch vier weitere Teams mit, und die Münchner sind tatsächlich nur Sechster. Steht den Fußball-Fans wirklich ein spannendes Bundesligajahr bevor? Oder ist das nicht doch wieder nur ein Strohfeuer der Konkurrenz?

Kramer zum Bayern-Tief: "Werden sich schnell fangen"

Sportschau | 09.10.2018 | 00:59 Min.

Die Liga jedenfalls hofft. "Es ist ein guter Spieltag für den deutschen Fußball, weil Spannung an der Tabellenspitze ist und das haben wir lange nicht mehr gehabt", sagt Herthas Geschäftsführer Michael Preetz stellvertretend für alle Nicht-Bayernfans in Deutschland.

Die Konkurrenz spielt und trifft

Wer sich die aktuellen Bayern-Herausforderer anschaut, der entdeckt vor allem eins: Spielfreude und teils richtig guten Fußball. Von Dortmund und Leipzig ist das bekannt, was die Hertha, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach angeht, nicht unbedingt.

Anders als der Vorjahreszweite Schalke, der mit 1:0-Ergebnisfußball nach oben kam, treten diese Teams mutig auf, sie definieren sich mehr über ihre spielerische Qualität als über Kampf und Taktik. "Wir wollen dominant auftreten. Unsere Spielweise erhöht die Wahrscheinlichkeit vor allem auf Siege", erklärt Bremens Trainer Florian Kohfeldt. Festmachen lässt sich das an der Anzahl der Tore. Im Schnitt fallen drei Treffer pro Spiel, mehr als in der vergangenen Saison.

Bayern mitten im Auf und Ab

Dass Bremen, Berlin oder Mönchengladbach den Titel holen, glaubt aber ernsthaft niemand. Das ist auch gar nicht deren Anspruch. Die Verantwortlichen dort halten sich deshalb auch mit Kampfansagen zurück. "Es gibt Aufs und Abs in einer Saison", sagt Herthas Preetz, und er weiß, dass auch seine Berliner in dieser Spielzeit noch Phasen erleben werden, in denen es nicht so rund läuft. Gut findet er aber, dass auch jetzt die Münchner mal von diesen Aufs und Abs betroffen sind. "Normalerweise sind die bei den Bayern aber nicht so ausgeprägt wie im Moment", sagt Preetz.

Realistisch einzuschätzen ist die Form der Teams im oberen Tabellen-Drittel ohnehin nicht. Beispiel Leipzig: Die Sachsen holten ihre Punkte gegen Teams, die in der Tabelle weit unter ihnen stehen - Nürnberg, Stuttgart und Hannover zum Beispiel. In Dortmund kassierte das Team dagegen eine 1:4-Pleite.

Kehl: "Ganz andere Qualität"

Bleiben die Dortmunder. Die wollen sich unter Trainer Lucien Favre keinen neuerlichen Einbruch leisten. Der wird wohl auch nicht kommen, denn im Vergleich zur vergangenen Saison sind die Westfalen vor allem in der Breite besser aufgestellt. "Ich gehe fest davon aus, dass uns das nicht mehr passiert", sagt Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung: "Diese Mannschaft zeigt eine ganze andere Stabilität." Doch reicht das zum Titel? Einen ersten Fingerzeig werden wir wohl im November bekommen. Da treten die Münchner beim BVB an.

Pause zur Unzeit

Bis dahin muss sich Bayern-Trainer Niko Kovac allerdings etwas einfallen lassen. Dass sein Team mit Fulminanz aus der Länderspielpause kommt, darf aber nicht erwartet werden. Die kommt für Kovac nämlich zur Unzeit, denn wegen der vielen Abstellungen hat er nur einen Rumpfkader zur Verfügung. Zudem hat sein Team dann erstmal zwei Auswärtsspiele vor der Brust. Es wird wohl also noch einige Wochen spannend bleiben in der Bundesliga.

Was jetzt schon bleibt? Die Bayern haben ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebüßt. Wenn Augsburg in München punktet und Gladbach ein 3:0 einfährt, dann brauchen auch alle anderen nicht mit schlotternden Knien in der Arena anzutreten. Die Konkurrenz hat Blut geleckt, und das ist gut so.

Bobic glaubt nicht dran

Ob es aber reichen könnte, auch die Titeldominanz zu brechen, lässt sich wohl erst in der Winterpause sagen. Sollten es die Bayern bis dahin nicht nach oben geschafft haben, dürfen auch die Konkurrenten ernsthaft auf den Titel hoffen. Was Fredi Bobic nicht glaubt. So sagt Eintracht Frankfurts Sportvorstand: "Niko Kovac hat eine Mannschaft, die fantastisch ist und am Ende des Tages trotzdem gelangweilt Meister wird."

red/sid/dpa | Stand: 09.10.2018, 11:15

Darstellung: