Meisterkampf in der Bundesliga - verrückt, kurios, eng

Serge Gnabry (l.), Kingsley Coman

Historie der Titelkämpfe

Meisterkampf in der Bundesliga - verrückt, kurios, eng

Von Marcus Bark

Nach der überraschenden Derbyniederlage von Borussia Dortmund scheint die Meisterschaft zugunsten des FC Bayern entschieden zu sein. Doch die Münchner straucheln in einem verrückten Spiel beim 1. FC Nürnberg. Eine Geschichte der kuriosen Meisterschaftsrennen der Bundesliga.

Samstag, 27. April 2019, 31. Spieltag

Borussia Dortmund verliert mit 2:4 gegen Schalke. Okay, es ist das Revierderby, aber es ist eben auch der Tabellen-15., gegen den der Meisterschaftskandidat verliert. Lucien Favre ist so gefrustet, dass er bei nur einem Punkt Rückstand auf den FC Bayern sagt: "Der Titel ist verspielt. Das ist klar." Dortmunds Trainer preist den Sieg der Münchner schon ein.

Sonntag, 28. April 2019, 31. Spieltag

Die Bayern haben beim 1. FC Nürnberg große Probleme. In der Nachspielzeit, es steht 1:1, bietet sich dem Tabellen-17. die große Chance, mit einem Elfmeter für den Siegtreffer zu sorgen. Doch Tim Leibold verschießt.

Live-Reportage - Nürnberg verschießt Elfmeter gegen Bayern in der Nachspielzeit

Sportschau 29.04.2019 01:08 Min. ARD

Der "Club" will weiterhin den Sieg, geht höchstes Risiko. So ergibt sich für Kingsley Coman die Möglichkeit, tatsächlich vier Punkte Vorsprung herauszuschießen.

Live-Reportage - Coman vergibt mit letzter Aktion frei vor dem Tor

Sportschau 29.04.2019 00:25 Min. ARD

Coman vergibt die Chance. Der Franzose sinkt zu Boden, ist fassungslos. Die Bayern holen nur ein Unentschieden. Trainer Niko Kovac sagt während der Pressekonferenz: "Es gibt zum Saisonende Ergebnisse, damit rechnet mitten in der Saison keiner." Kovac merkt an, dass es schon gar nicht im Schlussspurt eines engen Meisterrennens leichte Aufgaben gebe: "Sie können nicht sagen, sie fahren hier mal vorbei, grüßen alle schön und fahren mit drei Punkten wieder weg."

Enge Meisterrennen mit überraschenden Ergebnissen und kuriosen Ereignissen zum Saisonende, die hat es aufgrund der Dominanz des FC Bayern schon lange nicht mehr gegeben. Aber auch Borussia Dortmund wird 2011 und 2012 souverän Meister, der VfL Wolfsburg nach einer famosen Rückrunde 2009. Sehr spannend ist es in der Saison 2006/07.

Samstag, 12. Mai 2007, 33. Spieltag

Borussia Dortmund spielt eine schwache Saison, gerät in akute Abstiegsgefahr, rettet sich, empfängt als Tabellenneunter den Spitzenreiter FC Schalke 04. Der BVB gewinnt mit 2:0 und vermasselt dem Revierrivalen die erste Meisterschaft seit 1958. Die Niederlage im großen Derby wäre gar nicht so schlimm gewesen, wenn es knapp zwei Wochen vorher im kleinen Derby besser gelaufen wäre.

Freitag, 27. April 2007, 31. Spieltag

Enttäuschte Fans des FC Schalke 04

Niederlage in kleinen Derby: Schalkes Vorsprung in der Saison 2006/07 schmilzt.

Flutlicht im Ruhrstadion, tausende Schalker Fans jubeln schon in der achten Minute über den Führungstreffer von Kevin Kuranyi. Doch am Ende gewinnt der abstiegsgefährdete VfL Bochum, Schalkes Vorsprung auf den VfB Stuttgart schmilzt. Letztlich werden die Schwaben deutscher Meister.

Samstag, 27. April 2002, 33. Spieltag

Mit fünf Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund ist Bayer Leverkusen in die letzten drei Spieltage gegangen. Die Werkself erlaubt sich dann eine Heimniederlage gegen Werder Bremen. Es bleiben zwei Punkte und die deutlich bessere Tordifferenz, als es am 33. Spieltag zum 1. FC Nürnberg geht. Ein Punkt bei einem verbleibenden Heimspiel gegen Hertha BSC dürfte also vermutlich reichen. Doch Leverkusen verliert beim Abstiegskandidaten mit 0:1, der BVB zieht vorbei und wird Meister.

Samstag, 12. Mai 2001, 33. Spieltag

Es ist die Saison, in der Schalke "Meister der Herzen" wird, sich für vier Minuten sogar als echter Meister wähnt. Der letzte Spieltag, der umstrittene Freistoß für die Bayern nach einem Rückpass, der Ausgleich in Hamburg, der den Münchnern die Meisterschaft beschert. Legendär. Das Drama am 33. Spieltag steht dem aber kaum nach.

Schalke tritt als Tabellenführer, punktgleich mit den Bayern, beim abstiegsgefährdeten VfB Stuttgart an. Die Königsblauen treffen das Tor nicht. Kein größeres Problem, denn das 0:0 wäre in Ordnung, weil auch die Münchner beim 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern Schwierigkeiten haben. Dann folgen Sekunden, die wie geschaffen sind für die Schlusskonferenz im ARD-Hörfunk: Krassimir Balakow schießt das 1:0 für den VfB, im selben Moment trifft Alexander Zickler zum 2:1 für die Bayern.

Samstag, 20. Mai 2000, 34. Spieltag

Die Ausgangslage ist simpel. Bayer Leverkusen muss einen Punkt bei der SpVgg Unterhaching holen, um Meister zu werden. Das sollte gelingen bei einem Klub, der den Klassenerhalt sicher hat, aber längst kein Großer ist. Leverkusen hat zudem eine tolle Mannschaft. Zu ihr gehören Jens Nowotny, Bernd Schneider, Emerson, Ze Roberto, Oliver Neuville, Ulf Kirsten und Michael Ballack. Ebenjenem Ballack unterläuft jedoch ein Eigentor, am Ende verliert Leverkusen mit 0:2. Ein paar Kilometer weiter feiern mal wieder die Bayern.

Samstag, 10. Mai 1997, 31. Spieltag

Auch am Ende der Saison 1996/97 bekommt der FC Bayern die Meisterschale überreicht. Aber die Münchner machen es sich selbst schwer. Am 31. Spieltag kommen die Bayern im Heimspiel gegen den Tabellenletzten SC Freiburg nur zu einem 0:0.

Samstag, 16. Mai 1992, 38. Spieltag

Nach der Wiedervereinigung spielt die Bundesliga ausnahmsweise mit 20 Mannschaften. Drei Vereine gehen punktgleich in den letzten Spieltag. Eintracht Frankfurt hat dank der deutlich besten Tordifferenz sehr gute Chancen, denn die Hessen haben eine glänzend besetzte Mannschaft und ein letztes Spiel beim Abstiegskandidaten Hansa Rostock. Frankfurt hat Probleme, gleicht aber aus und muss danach einen glasklaren Elfmeter zugesprochen bekommen. Doch Schiedsrichter Alfons Berg aus Konz (Frankfurter Fans werden Namen und Wohnort ewig zusammen nennen) pfeift nicht. Rostock gewinnt letztlich sogar noch 2:1, Stuttgart wird Meister, Frankfurt rutscht hinter Dortmund auf den dritten Platz ab.

Dienstag, 22. April 1986, 33. Spieltag

Gewinnt Werder gegen den FC Bayern, sind die Bremer Meister. Michael Kutzop hat kurz vor dem Schlusspfiff die Chance der Chancen. Aber sein Elfmeter landet am Außenpfosten. Trotz dieses inzwischen legendären Fehlschusses geht Werder mit zwei Punkten Vorsprung in den letzten Spieltag. Mehr Punkte gibt es zu jener Zeit auch nicht für einen Sieg. Die Bayern holen sich die Punkte durch einen 6:0-Sieg gegen Gladbach ab, Bremen verliert 1:2 beim VfB Stuttgart. München ist Meister, Kutzop der Depp.

Samstag, 19. Mai 1984, 33. Spieltag

Der HSV ist punktgleich mit Tabellenführer VfB Stuttgart. Am letzten Spieltag steht das direkte Duell an. Es müsste also am 33. Spieltag nur ein Heimsieg gegen den Tabellen-16. Eintracht Frankfurt her, um den Titel dann mit einem Sieg beim VfB zu verteidigen. Der Erfolg in Stuttgart gelingt auch, aber gegen die Eintracht verliert der HSV mit 0:2. Die Fans sind mächtig sauer.

Samstag, 29. April 1978, 34. Spieltag

Da wird wohl nichts mehr anbrennen: Der 1. FC Köln hat zwar als Tabellenführer genauso viele Punkte wie Borussia Mönchengladbach und eine um zehn Treffer bessere Tordifferenz, aber eben auch die vermeintlich leichte Aufgabe beim bereits abgestiegenen Tabellenletzten FC St. Pauli.

Die Gladbacher holen aber - unter gütiger Mithilfe - von Borussia Dortmund Tor um Tor auf. Gladbach führt zur Pause mit 6:0, die Kölner nur mit 1:0. Wenn das so weitergeht ...

Geht es nicht. Gladbach landet zwar den bis heute gültigen Bundesligarekordsieg mit 12:0, aber die Kölner gewinnen 5:0 und werden Meister.

Stand: 29.04.2019, 13:00

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München3478
2.Bor. Dortmund3476
3.RB Leipzig3466
4.Bayer Leverkusen3458
5.Bor. M´gladbach3455
 ...  
16.VfB Stuttgart3428
17.Hannover 963421
18.1. FC Nürnberg3419
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