Die Schlotterbecks - wenn aus Brüdern Gegner werden

Freiburgs Keven Schlotterbeck (l.) und sein Bruder Nico von Union Berlin

Bundesliga, 22. Spieltag

Die Schlotterbecks - wenn aus Brüdern Gegner werden

Von Tim Beyer

Wenn der 1. FC Union Berlin beim SC Freiburg spielt, könnte das auch ein Familienduell werden. Keven und Nico Schlotterbeck könnten aufeinander treffen - zwei Brüder, die sich nur fußballerisch ähneln.

Nico Schlotterbeck war noch nicht lange bei Union, da hatte sein neuer Mitspieler Max Kruse bereits eine interessante Beobachtung gemacht. Schlotterbeck, sagte Kruse dem "Kicker" im Spätsommer 2020, sei eher keiner für die leisen Töne: "Er erinnert mich ein bisschen an mich früher. Mutig, frech. Gefällt mir, kann zu was führen."

Kruse ist schon immer einer gewesen, der aufgefallen ist. Weil Fußballspielen bei ihm nie nach Arbeit aussieht, und weil es für ihn nicht alles ist. Kruse hat mal eine ganze Menge Geld in einem Taxi vergessen, er pokert gerne und gut, und einmal hat er ein Video von sich gemacht, das er besser nicht gemacht hätte.

Über den Abwehrspieler Nico Schlotterbeck, 21, bei dem Fußball immer auch nach Arbeit aussieht, hat man solche Sachen noch nicht gelesen. Doch wer in den vergangenen Tagen aufmerksam verfolgt hat, was Schlotterbeck von sich gegeben hat, bekommt zumindest eine Ahnung davon, wieso Kruse da schon Parallelen zu sich selbst entdeckt hat.

Wiedersehen in Freiburg

Am Samstag (20.02.2021) spielt der 1. FC Union Berlin beim SC Freiburg - für Schlotterbeck ist das ein besonderes Spiel. Eigentlich steht er in Freiburg unter Vertrag, nach Berlin ist er lediglich ausgeliehen. Es ist ein Weg, den schon sein älterer Bruder gegangen ist: Keven Schlotterbeck, 23, hat in der Saison 2019/2020 27 Bundesligaspiele für Union gemacht, nun spielt er wieder für Freiburg.

Und natürlich war das Brüderduell ein Thema, als Nico Schlotterbeck kürzlich in einer Medienrunde saß. "Im Spiel ist er mein Gegner, nicht mein Freund", sagte der jüngere der beiden Schlotterbeck-Brüder: "Wenn es drauf ankommt, werde ich ihn umhauen." Und das war nun wirklich ein Satz von der Art, wie ihn auch Max Kruse hätte sagen können - auch wenn der gar keinen Bruder hat, den er in einem Bundesligaspiel umhauen könnte.

Union und Freiburg haben in dieser Saison natürlich schon einmal gegeneinander gespielt, am fünften Spieltag, doch da war Nico Schlotterbeck verletzt ausgefallen. Seit Januar ist er wieder fit und mittlerweile auch ein Faktor in Unions stabiler Defensive. Als halblinker Mann in einer Dreierkette, mit Ruhe am Ball und energisch im Zweikampf - mitunter allerdings auch noch zu ungestüm.

Von der Verbands- in die Bundesliga

Vor zwei Wochen, bei der knappen Niederlage gegen Mainz, hatte er erst den Elfmeter verschuldet, aus dem der einzige Treffer des Spiels resultierte und war später auch noch mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Nun hat Nico Schlotterbeck seine Sperre abgesessen, er könnte gegen Freiburg in Unions Elf zurückkehren.

Ob es tatsächlich auch auf dem Platz zum Wiedersehen der Brüder kommt, hängt aber nicht nur von den Vorstellungen von Union Berlins Trainer Urs Fischer ab, sondern auch von Keven Schlotterbecks Gesundheitszustand. Zuletzt war er wegen muskulärer Probleme ausgefallen.

Trotzdem hat man in den vergangenen Monaten manchmal staunen dürfen über die Entwicklung, die Keven Schlotterbeck genommen hat. Vor dreieinhalb Jahren, mit 20, spielte er noch für die TSG Backnang in der Verbandsliga. Kürzlich, beim Freiburger Heimsieg gegen Borussia Dortmund, hat sich Schlotterbeck im Verbund mit Philipp Lienhart um Erling Haaland gekümmert. Haaland hat schon mal zufriedener ausgesehen als an diesem Nachmittag.

In Freiburg kann man sich empfehlen für größere Vereine

Auch Keven Schlotterbeck ist Innenverteidiger, er agiert umsichtig und dass er feine lange Bälle spielen kann, weiß man mittlerweile nicht nur in Freiburg und Berlin. Fußballerisch also ähneln sich die Brüder Schlotterbeck, nicht nur wegen der Position. Doch in ihrem Auftreten seien sie dann schon sehr unterschiedlich, hat Nico, der jüngere Schlotterbeck, kürzlich erzählt. Er sagte: "Ich bin vielleicht ein bisschen der Lautere von uns beiden, habe mehr Selbstvertrauen."

Gerade sind die Schlotterbecks noch Gegner in der Bundesliga, ab Sommer könnten aus Gegnern aber Konkurrenten um einen Platz im Team von Christian Streich werden. Dann endet die Leihe von Nico Schlotterbeck, er soll nach Freiburg zurückkehren - das zumindest ist der Plan.

Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. In Freiburg kann man sich gut empfehlen für größere Vereine, diese Erfahrung hat einst schon Max Kruse gemacht. Mediengerüchten zufolge beobachtet der FC Everton aus der englischen Premier League die Entwicklung von Keven Schlotterbeck mit einigem Interesse.

Stand: 19.02.2021, 08:00

Bundesliga | Tabelle

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4.Eintr. Frankfurt2242
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6.Bor. Dortmund2236
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13.FC Augsburg2223
14.1. FC Köln2221
15.Hertha BSC2218
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17.1. FSV Mainz 052217
18.FC Schalke 04229
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