Saša Kalajdžić (l.), Borna Sosa

Fußball-Bundesliga Transferfenster - und die Klagen über die letzten Tage

Stand: 27.08.2022 13:45 Uhr

Wenn das Transferfenster schließt, werden schon vier Spieltage in der Bundesliga absolviert sein. Es wird gejammert, aber ändern dürfte sich nichts.

Von Chaled Nahar und Marcus Bark

"Stand jetzt" ist eine Floskel, die sich in diesen Tagen noch größerer Beliebtheit im Fußballgeschäft erfreut als ohnehin schon. Stand jetzt (Samstag, 27.08.2022, 12.30 Uhr) sind Saša Kalajdžić und Borna Sosa Profis mit einem beim VfB Stuttgart gültigen Vertrag.

Sie könnten daher im Bundesligaspiel beim 1. FC Köln eingesetzt werden. Allerdings nahm Kalajdzic auf eigenen Wunsch nicht am Abschlusstraining teil und steht daher nicht im Kader. Schon zuvor hatte Sportdirektor Sven Mislintat von einem Interesse der Wolverhampton Wanderers berichtet.

Seit Tagen hält sich zudem das Gerücht, dass Atalanta Bergamo gerne Sosa verpflichten würde.

Dominoeffekt droht

Der VfB könnte also schon in Kürze zwei wichtige Spieler verlieren und hätte nur noch wenig Zeit, Ersatz zu verpflichten. Das Transferfenster schließt am Donnerstag (01.09.2022). Danach können bis zum Winter nur noch vertragslose Spieler verpflichtet werden.

Der Transfermarkt, der gerade im mittleren Preissegment bislang recht schleppend lief, könnte noch anspringen. Besonders die finanziell bestens ausgestatteten Klubs der englischen Premier League gelten als Spätkäufer.

Es könnte ein Dominoeffekt entstehen nach folgendem Muster: Klub aus Premier League kauft Spieler der Bundesliga, Bundesligist holt Ersatz aus der 2. Liga oder kleineren europäischen Ligen.

So läuft das Geschäft seit Jahren. In der Theorie war und ist allen bekannt, welche Probleme entstehen (können). Die Diskussion um eine frühere Schließung des Transferfensters nahm in der Bundesliga jedoch an Fahrt auf, weil wegen des frühen Saisonstarts schon vier Spieltage absolviert sein werden, bevor Vereine mit einem endgültigen Kader planen können, der vielleicht mit dem in den diversen Sonderheften abgedruckten wenig gemein hat.

Störgeräusche inklusive

Es sind oft Schlüsselspieler, die ihre Klubs nach dem Saisonstart verlassen: Filip Kostic wechselte in diesem Sommer von Eintracht Frankfurt zu Juventus Turin, Anthony Modeste vom 1. FC Köln zu Borussia Dortmund, Störgeräusche inklusive.

Herthas Vorstand Fredi Bobic schlug vor, die Wechselfrist auf den 1. August zu setzen. Matarazzo sprang ihm bei und würde das "zu 100 Prozent begrüßen und unterstützen". Auch Werder Bremens Leiter Profifußball, Clemens Fritz, wäre "da total offen für". Da ist sie wieder, die alte Diskussion.

"Betrug am Fan"

Einen "Betrug am Fan" stellte Max Eberl 2017 in seiner Zeit als Manager von Borussia Mönchengladbach fest und bezog sich auf den Abgang von Spielern, nachdem Fans ihre Dauerkarten bereits gekauft hatten.

Doch warum ist es eigentlich möglich, noch so spät zu wechseln, und warum wird das nicht verhindert?

2019 lehnten die deutschen Klubs eine Verkürzung des Transferfensters ab

Neben Eberl forderte 2017 auch der damalige Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), Reinhard Rauball, ein Ende des Transferfensters vor dem 1. Spieltag. Er kritisierte damals: "In diesem Jahr hat es einen Rein- und Raus-Tourismus gegeben, der nicht mehr vertretbar ist. Deshalb muss da ein Pflock eingehauen werden." Doch eingehauen wurde dieser Pflock nie. Denn viele pflichteten Rauball zwar bei, in einer Umfrage des Fachmagazins "Kicker" 2017 sprachen sich 17 Bundesligaklubs für eine Verkürzung aus. Doch zwischen den nationalen Ligen herrscht international Konkurrenz.

Der frühere DFL-Präsident Reinhard Rauball forderte 2017 ein früheres Ende des Transferfensters.

Der frühere DFL-Präsident Reinhard Rauball forderte 2017 ein früheres Ende des Transferfensters.

Die Befürchtung in der Bundesliga: Wenn die DFL über den DFB ein früheres Ende des Transferfensters erwirkt, könnte sich das nachteilig für die Klubs auswirken, wenn in anderen Ligen die Transferfenster länger geöffnet sind. 2019, als es um eine Umsetzung der Forderungen ging, wurde das Problem deutlich. "Wenn bei unseren Klubs Spieler abgeworben werden, ohne dass dies durch adäquate Neuverpflichtungen kompensiert werden kann, würden wir uns selbst schwächen", sagte damals Ansgar Schwenken, Direktor Fußball der DFL, im Gespräch mit der Sportschau.

Deshalb seien die Verantwortlichen der Klubs später dann doch zu dem Schluss gekommen, "dass das nicht der richtige Weg ist", zumindest als Alleingang in Europa.

Verkürzung des Transferfensters aktuell kein Thema mehr

Eine Verkürzung des Transferfensters in Deutschland wäre nur bei einer europaweit gültigen Regelung oder zumindest bei einem gemeinsamen Vorgehen mit den vier anderen großen Ligen aus England, Spanien, Italien und Frankreich denkbar. Dazu gab es damals Gespräche, aber keine Einigung. Einige Monate nach dieser Debatte 2019 folgte der Beginn der Coronavirus-Pandemie.

Eine Verkürzung des Transferfensters wurde nach Informationen der Sportschau in der DFL nicht weiter verfolgt und ist auch aktuell kein Thema.

Italien und England wagten sich 2018 vor - vergeblich

Italien und England hatten sich 2018 vorgewagt und eigenständig ein früheres Ende ihrer Transferfenster verkündet. Zu den Unterstützern gehörte auch Arsenals damaliger Trainer Arsène Wenger. "Wir sollten keine Spieler in der Kabine sitzen haben, die im Kopf schon halb weg sind", sagte er 2017: "Das muss vor der Saison geklärt werden." Die anderen Ligen folgten dem Beispiel jedoch nicht, beide sahen sich schnell im Nachteil und glichen ihre Transferperioden 2019 (Italien) und 2020 (England) wieder an die anderen Ligen an.

Im Sommer 2022 enden alle Fenster der fünf großen Ligen am 1. September. In Deutschland sollte es am 31. August enden, die DFL-Klubs beschlossen jedoch eine Verlängerung, "um einen Wettbewerbsnachteil zu vermeiden", wie es in einer Mitteilung hieß.

Ende Sommer-Transferfenster
Land 2022 2021 2020 2019 2018
ENG 1.9. 31.8. 5.10. 8.8. 9.8.
ESP 1.9. 31.8. 5.10. 2.9. 31.8.
GER 1.9. 31.8. 5.10. 2.9. 31.8.
ITA 1.9. 31.8. 5.10. 2.9. 17.8.
FRA 1.9. 31.8. 5.10. 2.9. 31.8.

*2020 Verschiebung durch Corona-Unterbrechung

Transferfenster orientieren sich am Saisonstart der Champions League

Dadurch ergibt sich sogar eine gewisse Einheitlichkeit, denn die Transferfenster der nationalen Ligen orientieren sich am Saisonstart. Allerdings an dem der europäischen Klub-Wettbewerbe, also Champions League, Europa League und Europa Conference League.

Anthony Modeste wechselte nach dem 1. Spieltag von Köln nach Dortmund.

Anthony Modeste wechselte nach dem 1. Spieltag von Köln nach Dortmund.

Am 2. September 2022 müssen die Klubs ihre Spieler-Liste bei der UEFA einreichen, bis zum 1. September geben die fünf großen Ligen daher ihren Klubs Zeit, Spieler zu registrieren.

UEFA-Präsident 2017 mit Wunsch, aber ohne Vorschlag

Dass eine Vorverlegung dieser Frist durch die UEFA auf Umwegen zu einer europaweiten Lösung führen könnte, erscheint unwahrscheinlich. England, Deutschland und Frankreich starteten am ersten August-Wochenende in die Saison, Italien und Spanien erst am zweiten.

Die UEFA könnte damit die Wünsche einiger Ligen erfüllen, die der anderen aber nicht. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte sich in der Diskussion 2017 ebenfalls für ein früheres Ende der Fenster ausgesprochen, einen konkreten Vorstoß der UEFA gab es jedoch nicht.