FC Bayern - Problemfall statt Vorbild in der Corona-Pandemie

Corona und Quarantäne bei Bayern: "Natürlich nervt das Thema" Sportschau 19.11.2021 00:45 Min. Verfügbar bis 19.11.2022 Das Erste

Fußball | FC Bayern München

FC Bayern - Problemfall statt Vorbild in der Corona-Pandemie

Aus der möglichen Vorbildfunktion zur schnelleren Überwindung der Corona-Pandemie ist nichts geworden. Im Gegenteil: Mit ungeimpften Spielern und sehr vielen Infektionen ist der FC Bayern ein Problemfall geworden.

Am 9. Februar 2021 veröffentlichte das Robert Koch-Institut einen "Lagebericht zur Coronavirus-Krankheit 2019", wie es das auch am Tag davor und am Tag danach und eben an jedem Tag seit fast zwei Jahren macht.

An jenem 9. Februar betrug die Sieben-Tage-Inzidenz 73 Fälle auf 100.000 Einwohner. Die Impfkampagne rollte langsam an, nichtmal drei Prozent der deutschen Bevölkerung, die in Priorisierungsgruppen eingeteilt worden war, hatte eine Dosis in den Arm bekommen.

An jenem 9. Februar sagte Karl-Heinz-Rummenigge: "Aktuell haben wir offensichtlich noch zu wenig Impfstoff, und ein Teil der Bevölkerung betrachtet das Impfen aus Sorge vor möglichen Nebenwirkungen noch kritisch." Er hoffte aber, dass sich das ändern werde und bot Hilfe an: "Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung."

Es gibt noch einen Satz über das Impfen aus dem Interview mit "Sport 1", der gut neun Monate später grotesk wirkt: "Wir wollen uns überhaupt nicht vordrängen, aber Fußballer könnten als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten."

Rummenigge war damals noch Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. Er bekam für die Aussagen einigen Gegenwind, auch aus der Politik, denn über eine Sonderrolle des Fußballs war zum Verdruss des Fußballs schon länger diskutiert worden.

Kimmich kein Vorbild in Sachen Corona-Impfung

Serge Gnabry (l.) und Joshua Kimmich nach dem Sieg gegen Hoffenheim im Oktober 2021

Serge Gnabry (l.) und Joshua Kimmich

Am 18. November 2021 teilte das RKI eine Inzidenz von 336,9 mit, die Zahl der im Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen wird bald die 100.000 überschreiten, die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "hochdramatischen Lage", auch weil immer noch erst gut zwei Drittel der Bevölkerung zwei Impfungen empfangen haben, obwohl inzwischen genug Impfstoff vorhanden ist.

Zum "Teil der Bevölkerung", der das "Impfen aus Sorge vor möglichen Nebenwirkungen noch kritisch" sieht, gehört auch im November noch Joshua Kimmich, ein Profi des FC Bayern und der Nationalmannschaft.

Klare Indizien für weitere ungeimpfte Fußball-Spieler

"Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern nicht impfen, wächst das Misstrauen in der Bevölkerung", wäre die Umkehr eines Satzes von Rummenigge. Die Entwicklung der Impfungen, nicht nur beim sogenannten Boostern, widerspricht dieser These.

Doch der gesellschaftliche Beitrag, von dem Rummenigge auch sprach, ist während der Pandemie beim FC Bayern sehr klein ausgefallen. Es gibt klare Indizien, dass außer Kimmich auch Serge Gnabry und Jamal Musiala nicht geimpft sind.

Zahl der Corona-Fälle beim FC Bayern hoch

Sie mussten nämlich ebenfalls von der Nationalmannschaft abreisen, weil sich ihr Vereinskollege Niklas Süle mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Obwohl er doppelt geimpft sei, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mitteilte, sich bei der Frage nach dem Impfstatus der angereisten Bayern-Profis aber auf die Schweigepflicht berief.

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Auch beim Verteidiger Josip Stanišić wurde eine Infektion festgestellt. Der Kroate sei "vollständig geimpft" und fühle sich gut, teilte der Meister hier offen den Status mit.

Süle, Stanišić, zwei Betreuer, Wochen zuvor Trainer Julian Nagelsmann, während der Reise zur Klub-Weltmeisterschaft nach Katar Thomas Müller, auch Leon Goretzka, Benjamin Pavard, Gnabry sowie die inzwischen nicht mehr beim FC Bayern spielenden Javi Martínez und Joshua Zirkzee: Die Hygieneregeln mögen streng und das Konzept gut sein, aber die Zahl der Coronafälle beim FC Bayern ist enorm hoch, auch wenn bei einigen der genannten Profis offen ist, ob es sich nicht um einen "falsch positiven" Test gehandelt hat.

Kimmich muss erneut in Quarantäne

Noch haben sich die damit verbundenen Ausfälle nicht auf den sportlichen Erfolg ausgewirkt. Doch das muss nicht so bleiben. Joshua Kimmich muss als ungeimpfte Kontaktperson eines Corona-Infizierten erneut in Quarantäne. Der Klub bestätigte dies wenige Stunden vor dem Bundesligaspiel der Bayern beim FC Augsburg am Freitag (20.30 Uhr). Kimmich fällt damit nicht nur beim FCA aus, sondern auch beim Champions-League-Gruppenspiel bei Dynamo Kiew am Dienstag.

bar | Stand: 19.11.2021, 15:16

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