RB Leipzig - Bullen in der Sackgasse

Leipziger Frust

Krise bei den Sachsen

RB Leipzig - Bullen in der Sackgasse

Von Frank Hellmann

Die Schaffenskrise bei den Sachsen nimmt bedrohliche Züge an. RB Leipzig droht sogar die Europa League zu verspielen. Das Saisonfinale wird auch für Trainer Ralph Hasenhüttl entscheidend.

Wegen Betriebsferien blieb die Geschäftsstelle von RB Leipzig am Montag (30.04.2018) geschlossen. Der Brückentag sei den Angestellten gegönnt, zumal am Cottaweg der Betrieb ja nicht völlig eingestellt wurde. Die Profis, die am Tag zuvor eine herbe 0:3-Abfuhr beim 1. FSV Mainz 05 kassiert hatten, trainierten am Vormittag öffentlich. Und nicht wie so oft hinter abgeriegelten Toren.

Ein bisschen Bewegung kann nicht schaden, wo so mancher Fußballer mit dem Bullenlogo so belastet wirkt, als trage er Bleiwesten auf den Schultern. Derzeit scheinen die Leipziger in einer Sackgasse gelandet zu sein.

Mental hält keiner dagegen

Wie schon gegen Hoffenheim nutzten die Sachsen zunächst ihre Chancen nicht, gerieten unglücklich ins Hintertreffen - und fanden nicht mehr in die Spur zurück. "Wir haben im Moment nicht die Kraft, nach Rückschlägen mental dagegenzuhalten", räumte Trainer Ralph Hasenhüttl ein, "da ist einfach die Luft raus, das ist auch nicht ganz unverständlich."

Die Doppelbelastung in der Rückrunde mit Europa League und Bundesliga hat offenbar eine schädliche Langzeitwirkung. Gegen Hoffenheim und Mainz erlitten die Leipziger dermaßen Schiffbruch, dass ihr Trainer wie ein ratloser Kapitän auf der Brücke zurückblieb. Er habe das Gefühl, räumte der gebürtige Grazer ein, "als ob wir derzeit die Zinsen für die letzten zwei Jahre zahlen".

Keitas Aktion war töricht

Zumal Hasenhüttl mitansehen muss, wie der Frust in die falschen Kanäle gelenkt wird: Dass sich Dampfmacher Naby Keita wegen einer Unbeherrschtheit eine Gelb-Rote Karte einhandelte und damit im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Samstag ebenso fehlt wie Kapitän Willi Orban (fünfte Gelbe Karte), kann seinen Vorgesetzen nicht gefallen. Zumal mit Marcel Sabitzer (Schulteroperation) und Emil Forsberg (gesperrt) zwei weitere Leistungsträger bis zum Saisonende fehlen.

Der Guineer Keita hat nicht nur  wegen zweier Platzverweise unter dem Strich eine solch wechselhafte Saison gespielt, dass ein vorzeitiger Verkauf an den FC Liverpool im Nachhinein vielleicht doch nicht völlig falsch gewesen wäre.

Rangnick wird den Kader neu justieren

Noch mehr wird Sportdirektor Ralf Rangnick bei der Kaderplanung Wert darauf legen, die alte Lust und Leidenschaft zurückzuerlangen. Denn Auftritte wie in der Mainzer Arena schaden nebenbei auch dem Image, und das ist unter dem Brausedach kein unwichtiger Aspekt. Rangnick wird solche Grundsatzdebatten nach Saisonschluss führen – vorerst geht es dem 59-Jährigen darum, eine dritte Bundesligaspielzeit ohne europäischen Wettbewerb abzuwenden.

Rangnick redete der Mannschaft aber bereits am Sonntag ins Gewissen. "Es geht jetzt darum, dass wir Platz fünf oder sechs schaffen. Dafür müssen wir in den kommenden zwei Wochen noch einmal alles investieren." Mit 47 Punkten ist RB Tabellensechster, zu Rang vier fehlen fünf Zähler. Daher ist die Champions League kein realistisches Thema mehr. Das bedeutet auch wirtschaftliche Einbußen: Allein an Prämien spülten Champions League und Europa League rund 38 Millionen Euro in die Kasse, was verhindert, dass das Leipziger Konstrukt mit dem Financial Fairplay kollidiert.

Hasenhüttl kämpft um seinen Job

In der Saison geht es nun nur noch um die direkte Qualifikation für die Europa League, auf die auch Eintracht Frankfurt (46), der VfB Stuttgart (45), Borussia Mönchengladbach (44) und Hertha BSC (43) noch hoffen. "Wir versuchen aus dieser Saison, die viele Ups und Downs hatte, das Bestmögliche zu machen. Das ist unser Job", verlangt Rangnick. Seine Aufgabe ist es auch, danach die Trainerarbeit zu bewerten.

Die wohl heikelste Personalie. Denn nachdem sich Hasenhüttl in der Hinrunde zierte, seinen bis 2019 laufenden Kontrakt vorzeitig zu verlängern, blieb nun seine kürzlich verkündete Bereitschaft für eine Ausdehnung der Zusammenarbeit unbeantwortet. Viele Beobachter halten es für schwer vorstellbar, dass der 50-Jährige über das Saisonende hinaus bleibt, wenn sich der Negativtrend fortsetzt. Obwohl Oliver Mintzlaff als Vorstandschef fungiert, dürfte Rangnick in dieser Frage das letzte Wort haben.

mit dpa, sid | Stand: 30.04.2018, 09:43

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