1. FC Köln - Trainerfrage überlagert die echten Probleme

Kölns Trainer Markus Gisdol

Vor dem Spiel gegen Mainz 05

1. FC Köln - Trainerfrage überlagert die echten Probleme

Von Olaf Jansen

Und schon wieder ein "Schicksalsspiel" für den Trainer: Gewinnt der 1. FC Köln am Sonntag nicht gegen Mainz, muss Markus Gisdol den Verein wohl verlassen. Nur: Die Trainerfrage täuscht über die eigentlichen Probleme hinweg.

In dieser Woche blieb der 1. FC Köln unsichtbar. Zumindest für seine Fans, von denen sich einige immer mal auf den Weg zum Geißbockheim machen, um sich das tägliche Training der Profis anzuschauen. Das ging diese Woche nicht, denn der FC schottete sich ab.

Vor dem Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05 am Sonntag (11.04.21) liegen die Nerven in Köln blank. Das Team ist seit sieben Spielen sieglos. Man ist sich einig im Verein: Es wird wahrscheinlich ein entscheidendes Spiel im Kampf gegen den drohenden Abstieg.

Und ebenso scheint klar: Sollte die Mannschaft gegen den aktuell um zwei Punkte besser dastehenden Konkurrenten nicht gewinnen, wird man sich vom Trainer trennen.

"Schicksalspartie" - nicht zum ersten Mal

Das Spiel ist nicht die erste "Schicksals-Partie" für Markus Gisdol. Es gab schon mehrfach im Saisonverlauf das Szenario, dass der 51-jährige Fußballlehrer mit einem einzigen positiv gestalteten Match seine offenbar bereits beschlossene Demission im letzten Moment verhindern konnte.

Das war so in der Hinrunde, als der FC als Tabellen-17. nach saisonübergreifend 18 Spielen ohne Sieg einen 2:1-Auswärts-Erfolg in Dortmund schaffte. Im Januar gelang den Kölnern in ähnlich prekärer Situation ein 2:1-Sieg auf Schalke - und auch im Rückspiel gegen den BVB rettete der FC mit einer starken Leistung beim 2:2 dem Trainer erneut seinen Job.

Friedhelm Funkel soll als Interimslösung schon seit Wochen parat stehen, bei Peter Stöger in Wien soll bereits dessen grundsätzliche Bereitschaft zu einer Rückkehr abgeklopft worden sein.

Und Steffen Baumgart, der am Donnerstag seinen Abschied vom SC Paderborn im Sommer bekannt gab, steht Gerüchten zufolge auch auf der Liste der potenziellen FC-Trainer.

Wie soll ein "Wackel-Trainer" eine Mannschaft weiterentwickeln?

Für Gisdol könnte damit am Sonntag auch ein seit Wochen währender "Eiertanz" ein Ende finden, der ein vernünftiges Arbeiten für ihn zuletzt wahrscheinlich ohnehin unmöglich machte. Die Frage muss ja gestellt werden: Wie soll ein Coach strukturell und nachhaltig eine Mannschaft weiterentwickeln, wenn er selbst von Woche zu Woche in Frage gestellt wird?

Zumal offenkundig ist, dass der FC personell für die Bundesliga kaum ausreichend aufgestellt ist. Vor allem im Angriff fehlt es. In 27 Spielen gelangen gerade einmal 25 eigene Treffer. Neun dieser Tore fielen nach Standards. Mit durchschnittlich acht Schüssen pro 90 Minuten aufs Tor des Gegners liegt der FC im Offensivspiel weit unter dem Durchschnitt der Liga, der bei 15 Abschlüssen liegt.

Der FC - ein Team ohne Mittelstürmer

Mit Sebastian Andersson wurde zum Saisonstart ein Mittelstürmer-Ersatz für den nach Berlin abgewanderten Jhon Cordoba geholt, doch der Ex-Unioner fiel Mitte der Hinrunde mit Knieproblemen wochenlang aus, am vergangenen Spieltag wurde er zum ersten Mal seit beinahe vier Monaten wieder eingewechselt. Sein Ersatzmann Anthony Modeste wurde nach Frankreich verliehen.

Rafael Czichos (1. FC Köln) unzufrieden

Es fehlt dem FC also schlichtweg ein Mittelstürmer. Auch für die Außenbahnen stehen kaum geeignete Offensivspieler im Kader. Von den 25 FC-Toren wurden gerade einmal sieben von Angreifern erzielt.

Das laue FC-Angriffslüftchen sollte in der Winterwechsel-Periode aufgefrischt werden. Manager Horst Heldt fasste hier jedoch ins falsche Regal, mit Emmanuel Dennis wurde vom FC Brügge ein zwar schneller, aber für Mannschaftsspiele offenbar nur bedingt geeigneter Ersatzmann verpflichtet.

Selbst in entscheidenden Spielsituationen entschied sich Dennis zuletzt eher für hübsche Einzelaktionen, anstatt mannschaftsdienlich zu agieren. "Er hat eine Körpersprache, die dem Team nicht gefällt", urteilte Gisdol Anfang März nach dem 0:1 gegen den VfB Stuttgart scharf über seinen Leihspieler.

Transfer Nummer zwei, das "ewige Talent" Max Meyer, der von der harten Ersatzbank Crystal Palace' verpflichtet wurde, erwies sich als körperlich untauglich.

Fehlt dem Vorstand sportliche Kompetenz?

Unter dem Strich blieb die ungenügende Kölner Kader-Zusammenstellung also bestehen - der Fokus richtet sich also weg vom Trainer, hin zum sportlichen Management und der Vereinsführung.

Es fehlt dem Verein offensichtlich im Vorstand an jener sportlichen Kompetenz, die Manager und Trainer leiten und auch korrigieren könnte. Allzuoft stellte sich in der laufenden Spielzeit Finanzmann Alexander Wehrle vor die TV-Kameras, wenn in der Halbzeit oder nach den Spielen der Kölner sportliche Analysen gefragt waren. Für einen solchen Job bräuchte man eigentlich einen sportlich Verantwortlichen, der in der Hierarchie oberhalb des Managers sportliche Einschätzungen geben kann.  

Hinzu kommt: Das Führungsteam des Klubs um Präsident Werner Wolf hat Heldt und Gisdol kaum finanziellen Spielraum mit auf den Weg geben können. Und hier dürfte auch das FC-Problem für die nähere Zukunft liegen: Ein Trainerwechsel könnte kurzfristig vielleicht den ersehnten Klassenerhalt erbringen.

Aber die Perspektive für die kommenden Jahre würde sich kaum verbessern. Man müsste den erst kürzlich frisch mit einem Vertrag bis 2023 ausgestatteten Gisdol finanziell abfinden, was den schwachen Etat nochmals belasten und dringend nötige Transfers arg einschränken würde.

Neuaufbau als Perspektive?

Ein Ausweg aus dem Dilemma? Ist nur schwer zu erkennen, könnte aber in einem völligen Neuaufbau mit einem unverbrauchten, dynamischen Trainer und jungen, preisgünstigen Spielern aus der Region liegen. Selbst wenn dieses Unterfangen mit einem erneuten zwischenzeitlichen Besuch in der Zweiten Liga verbunden wäre.

Stand: 08.04.2021, 11:53

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