Der 1. FC Köln und die Relegation - Hoffnungsträger Andersson

Sebastian Andersson und Jonas Hector

Bundesliga-Relegation

Der 1. FC Köln und die Relegation - Hoffnungsträger Andersson

Von Jörg Strohschein

Das Hinspiel der Bundesliga-Relegation gegen Holstein Kiel ging für den 1. FC Köln schief, auch weil die Rheinländer ohne echten Angreifer spielen mussten. Für das Rückspiel hoffen nun alle auf Sebastian Andersson.

Kurz vor Schluss hatte Sebastian Andersson den Ausgleich auf dem Fuß. Der Schwede stand da, wo ein Stürmer stehen muss, um ein Abstauber-Tor zu erzielen. Nur dank des unbändigen Einsatzes von Verteidiger Phil Neumann, der sich mit letzter Kraft in den Schuss warf, konnte Holstein Kiel den 1:0-Auswärtserfolg beim 1. FC Köln am Mittwochabend (27.05.2021) im Relegations-Hinspiel zur Bundesliga über die Zeit retten.

Es war die wohl größte Chance, die der FC gegen den Zweitligisten hatte. Und es war kein Zufall, dass es Andersson war, der als "gelernter" Stürmer eben weiß, in welchen Bereichen des Spielfeldes er sich aufzuhalten hat, um gefährlich werden zu können. Dass Andersson nicht noch mehr Tor-Gelegenheiten hatte, lag an dem Umstand, dass er erst 20 Minuten vor dem Spielende eingewechselt worden war.

Kein Ersatz für Andersson

Trainer Friedhelm Funkel musste seinen einzigen nennenswerten Angreifer im Kader wieder einmal schonen. "Drei Spiele in einer Woche mit dem Trainingspensum, das er in den vergangenen Monaten gemacht hat, geht das einfach nicht. Das Knie war in Ordnung", sagte Funkel nach der Partie. Bereits die gesamte Saison litt Andersson unter erheblichen Knieproblemen. Am vergangenen Samstag gegen Schalke 04 (1:0) hatte er zum knappen Sieg über 88 Minuten beigetragen. Eine nochmalige Belastung in dieser Intensität innerhalb kürzester Zeit hätte wohl das lädierte Gelenk wieder zu stark belastet. 17 Partien hatte er aufgrund dieser massiven Beschwerden in vergangenen Saison verpasst.

Friedhelm Funkel über den Einsatz von Stürmer Andersson Sportschau 27.05.2021 00:48 Min. Verfügbar bis 27.05.2022 Das Erste

Einen auch nur annähernd adäquaten Ersatz für Andersson gibt es im Kölner Kader nicht. Während in der vergangenen Saison in Simon Terodde, Jhon Cordoba und Anthony Modeste fast schon ein Überangebot auf der Position des Mittelstürmers bestanden hat, sucht man in dieser Spielzeit vergebens nach Alternativen. Weder der eigentlich als Alternative zu Saisonbeginn aus Lettland ausgeliehene Tolu Arokodare (20) noch der im Winter vom FC Brügge ausgeliehene Emmanuel Dennis (23) standen im Kader gegen Kiel.

Eine massive Fehlinvestition des Managers Horst Heldt, der mit den bescheidenen finanziellen Mitteln der Kölner keine echte Verstärkung finden konnte. Nur 34 Tore in 34 Saisonspielen zeigen die große Problematik des FC deutlich auf - es ist der drittschlechteste Wert der Liga.

Zu hektische Kölner

Und so musste sich gegen Kiel in erster Linie Jonas Hector auf dieser so sensiblen Position in der Sturmspitze versuchen. Der FC-Kapitän mühte sich mit vollem Einsatz und maximaler Leidenschaft und versuchte, sein Team anzutreiben, Zweikämpfe zu gewinnen, Torchancen zu erarbeiten, Tore zu erzielen und auch noch das Spiel zu organisieren. Hector stellte sich uneitel in den Dienst der Mannschaft. Aber selbst für den besten FC-Spieler war das eine zu große Aufgabe.

Relegation - Funkel: "Das Ergebnis lässt sich korrigieren"

Sportschau 26.05.2021 01:33 Min. Verfügbar bis 26.05.2022 ARD


Vor allem Ondrej Duda oder auch Marius Wolf versuchten Hector in der Offensive zu unterstützen - was aber alles nicht zum Erfolg führte. Vielmehr war das Spiel der Kölner äußerst engagiert aber viel zu hektisch. Was Spieler wie Ellyes Skhiri oder Salih Özcan durch ihren leidenschaftlichen Einsatz erkämpften, gaben sie sie zumeist kurz darauf wieder her, weil sie zu schnell den Kopf verloren.

Hectors Souveränität fehlt

Es fehlte eben jener gelernte Defensiv-Spezialist Hector im zentralen defensiven Mittelfeld, der dem Spiel der Kölner an den richtigen Stellen Ruhe und Ordnung hätte geben können. Der die dringend nötig Souveränität ausstrahlt, der den Takt bestimmt und die Richtung und die Statik für seine Mannschaft vorgibt.

Dennoch gibt es Hoffnung für die Kölner: "Erst am Samstag wird entschieden, wer in der Bundesliga bleibt. Da werden wir in Kiel antreten und dann werden wir sehen, was wir mit Sebastian machen", sagte Funkel. Es spricht also vieles dafür, dass Andersson im Relegations-Rückspiel in der Startelf der Kölner stehen und Hector wieder auf seine angestammte Position zurückkehren wird. Womöglich ist das die größte Chance für den FC in diesem Bundesliga-Finale.

Stand: 27.05.2021, 11:36

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