Die Gründe für die Kölner Krise - und der schwierige Ausweg

Simon Terodde (r.) und Anthony Modeste

Der 1. FC Köln nach der Niederlage in Düsseldorf

Die Gründe für die Kölner Krise - und der schwierige Ausweg

Von Volker Schulte

Der Zustand des 1. FC Köln ist besorgniserregend: Der prominent besetzte Sturm schwächelt, der Trainer ist angezählt - und das Vakuum in der Geschäftsführung verkompliziert die Lage zusätzlich. Eine Bestandsaufnahme.

Das schwere Auftaktprogramm hat beim 1. FC Köln lange ausgereicht, um die schlechte Punktausbeute zu erklären. Doch spätestens nach dem blamablen Pokal-Aus gegen den 1. FC Saarbrücken (2:3) und der verdienten Niederlage bei Fortuna Düsseldorf (0:2) ist klar: Der FC ist in einem bedrohlich schlechten Zustand.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Torwart Timo Horn gibt der Defensive keine Sicherheit und die anfängliche Euphorie um die Zugänge Birger Verstraete und Kingsley Ehizibue ist verflogen. Verstraete hat länger verletzt gefehlt, und Ehizibue entpuppte sich trotz allen Eifers als Unsicherheitsfaktor rechts in der Abwehrkette. Vor allem aber schwächelt der Kölner Angriff - und damit ausgerechnet jener Mannschaftsteil, der nominell so stark besetzt ist.

Modeste und Cordoba im Formtief

Star-Stürmer Anthony Modeste (ein Tor) ist meilenweit entfernt von der Form, mit der er den FC vor drei Jahren in den Europapokal geschossen hat. Auch Jhon Cordoba (null Tore) ist längst nicht mehr der Leistungsträger aus dem Aufstiegsjahr - sondern eher wieder der glücklose Angreifer aus der Abstiegssaison 2018. Deshalb hat zuletzt Zweitliga-Spezialist Simon Terodde überraschend viel Spielzeit von Beginn an bekommen. Mit drei Toren ist er zwar Kölns bester Schütze, aber er lässt zu viele Chancen liegen - so auch zuletzt in Düsseldorf in der Anfangsphase.

Der FC liegt mit sieben Punkten aus zehn Spielen auf dem vorletzten Platz, neun Tore sind der schlechteste Wert der Liga. Viele Spieler rufen nicht ihr volles Potenzial ab - was sich auch der Trainer ankreiden lassen muss. Achim Beierlorzer hat nicht herausgefunden, wie er die Qualitäten des Kaders optimal nutzen kann. Modeste und Cordoba brauchen das Vertrauen eines Trainers, aber Beierlorzer lässt sie meist als Joker ran. Gegen Saarbrücken stellte er die beiden dann mal wieder von Beginn an auf - und das Ausmaß der Formkrise des Sturmduos wurde sichtbar.

Beierlorzer setzt auf offensive Außen

Zuletzt ließ Beierlorzer sogar meist nur einen Angreifer auflaufen und bot damit Louis Schaub die Chance, seinen Lieblingsplatz auf der Zehn einzunehmen. Das ist ein nachvollziehbarer Gedanke, denn der Österreicher Schaub ist wohl der talentierteste Fußballer im Kader. Allerdings war dies auch ein weiterer Nackenschlag für Modeste und Cordoba.

Beierlorzer: "Man kriegt in der Bundesliga nicht so viele Chancen"

Sportschau 03.11.2019 02:27 Min. Verfügbar bis 03.11.2020 ARD

Beierlorzer beharrt auf seinem System mit zwei offensiven Spielern auf der Außenbahn. Dort dürfen meist Florian Kainz und Kingsley Schindler ran - mit überschaubarem Erfolg. Auch Dominick Drexler und Schaub übernehmen manchmal die Außenbahn, sind dort aber nicht so effektiv wie im Zentrum.

Armin Vehs Abgang erschwert die Lage

Ob Beierlorzer noch viele Gelegenheiten bekommt, sein Spielsystem an die Stärken des Kaders anzupassen, ist fraglich. Längst handelt die örtliche Presse Nachfolgekandidaten. Allerdings stellt sich die Frage: Wer soll Beierlorzer eigentlich entlassen? Und vor allem: Wer wählt den Nachfolger aus?

Im Normalfall wäre dies Armin Veh. Doch der Geschäftsführer Sport hat unlängst verkündet, dass er den Verein nach Ablauf seines Vertrags im Sommer verlassen wird. Fraglich ist, ob die Vereinsführung Veh vor diesem Hintergrund noch eine derart richtungsweisende Frage wie die nach dem Trainer überlässt. Darf Beierlorzer also weitermachen? Oder kommt ein Interimstrainer? Oder installiert der Klub kurzfristig einen neuen Geschäftsführer, der dann seinen Wunschtrainer nach Köln holen darf?

Fest steht derzeit nur: Die Mannschaft angesichts dieser Rahmenbedingungen wieder in die Erfolgsspur zu bekommen, ist eine äußerst schwierige Aufgabe.

Stand: 03.11.2019, 08:30

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bor. M´gladbach1125
2.RB Leipzig1121
3.Bayern München1121
4.SC Freiburg1121
5.1899 Hoffenheim1120
 ...  
16.1. FSV Mainz 05119
17.1. FC Köln117
18.SC Paderborn 07114

Mehr zum Verein

Darstellung: